Beruf in Kultur oder Technik?

Beruf in Kultur oder Technik?Görlitz, 21. Januar 2023. Von Thomas Beier. Wer vor der Berufswahl steht und unentschieden ist, dem hilft ein kleiner Test: Was interessiert dich mehr, eine kleine Nachtmusik oder eine kleine Werkstoffkunde? Wer jetzt ahnt, dass es um die Entscheidung zwischen Kultur und Technik geht, liegt richtig.

Abb.: Hoffentlich ist es Aluminium. Warum? Leicht spart Energie

Foto: Andreas Lischka, Pixabay License

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Dem Stumpfsinn entgehen

Thema: MINT

MINT

MINT, das steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Beiträge aus diesem Bereich sollen neugierig machen auf eine Ausbildung oder ein Studium in diesem Bereich. Außerem finden hier Technik- und Industriegeschichte einen Platz.

Na klar kann man Orchestermusiker werden, um irgendwann festzustellen, dass man selbst einen Gustav Mahler nach Jahren ebenso stumpfsinnig herunterfidelt wie ein Arbeiter am Fließband irgendetwas zusammenbaut. Doch auch viele andere Berufe, die in jugendlicher Naivität spannend erscheinen mögen, etwa im IT-Bereich oder der viel genannte Influencer, bergen in sich den Keim todlangweiliger Routine.

Akzeptieren muss man allerdings, dass viele Berufe nicht mehr ohne Computer auskommen. Sich ganz etwa in die Welt der Künste oder der Mechanik zurückzuziehen, so ganz ohne Bits und Bytes, das dürfte schwierig werden. Entgehen kann man dem nur in einem wirklich schöpferischen Beruf, vielleicht als Komponist, Schriftsteller, Künstler oder Ingenieur. Doch während die drei Erstgenannten schnell in der Abteilung für brotlose Kunst landen, ist die Bezahlung von Ingenieuren nicht die schlechteste, zudem gute Ingenieure teils händeringend gesucht werden.

Tatsächlich ist der Ingenieur ein schöpferischer Beruf. Sein Name leitet sich vom lateinischen "gignere" ab, das für "hervorbringen" steht. So stehen viele Ingenieure immer wieder vor der Aufgabe, neue Problemlösungen – also etwa noch nie Dagewesenes – zu finden. Gibt es etwas Spannenderes? Zumal sich Technologien immer weiter entwickeln und damit für Materialien neue Anwendungsgebiete erschlossen werden.

Immer neue Technologien und Anwendungen

Ein Beispiel dafür ist Aluminium. Obwohl es nach Sauerstoff und Silizium das dritthäufigste Element in der Erdkruste ist, konnte es erst im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert isoliert werden. Anfangs war es teurer als Gold.

Aus Sicht der Technik gibt es für Aluminium zwei große Entwicklungssprünge. Der erste ist die billiger werdende und großtechnisch möglich gewordene Aluminiumerzeugung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der zweite im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts die Entwicklung des besonders festen und harten Duraluminiums durch den Schlesier Alfred Wilm. Duraluminium beeinflusst zunächst den Luftschiffbau und ist seit langem der maßgebliche Werkstoff im Flugzeugbau. Überall dort, wo es auf geringes Gewicht ankommt, war von Anfang an Aluminium im Spiel, so in der optischen Industrie.

Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden auch viele Küchenutensilien – Wasserkessel, Töpfe und die sogenannten Küchenhelfer – aus Aluminium hergestellt. Das ist längst vorbei, doch neue Anwendungsfelder für Aluminium eröffnen sich durch moderne Anforderungen: Ganz allgemein geht es darum, immer größere Massen immer schneller und noch dazu energiesparend zu bewegen. Logisch, dass sich zum Flugzeugbau auch die Raumfahrt gesellt hat. Aktuell ist es der Fahrzeugbau: Die Elektromobilität mit ihren noch immer deutlich beschränkten Energiespeichermöglichkeiten ist auf leichte Fahrzeuge geradezu angewiesen.

Im Werkzeugmaschinenbau hingegen wollen immer höhere Beschleunigungen beherrscht werden – da hilft es, die Massenträgheit von Stahl – wo immer es geht – durch das leichtere Aluminium zu ersetzen. Doch auch statische Konstruktionen, die früher aus billigem Baustahl gefertigt wurden, sind längst als Domäne des Aluminiums erkannt. So löst Aluminium etwa bei Abfüllanlagen oder automatischen Verpackungsanlagen immer öfter den Stahl ab. Und immer dann, wenn etwas oft transportiert werden muss, wie im Messebau etwa, spielt Aluminium seine Vorteile gleich mehrfach aus, weil der gesamte Logistikprozess im wahrsten Sinne des Wortes entlastet wird.

Aluminium: alte Vorteile – neuer Nutzen

In spanenden Fertigungsprozessen, also beim Drehen und Fräsen, ist Aluminium bereits beim Handling des Rohmaterials von Vorteil. In vielen Fällen wird es in Form von Aluminiumplatten angeliefert, die erst vor Ort zersägt oder gefräst werden, ehe die weitere Bearbeitung erfolgt. Aluminiumplatten haben übrigens den Vorteil, dass sie ohne Leerräume volumensparend gelagert werden können.

Um bei den Vorteilen zu bleiben: Aluminium ist schweißbar, vollständig recyclebar und Bild an der Luft eine vor Korrosion schützende Oxidschicht. Deshalb gehört zu den frühen Aluminiumanwendungen die Dachdeckung. Die 1898 errichtete Kirche San Gioacchino in Prati, dem zwölften Stadtteil von Rom, wurde mit Aluminiumplatten eingedeckt – und trotz der verschmutzten Atmosphäre vergangener Jahrzehnte sind diese bis heute tadellos erhalten. Allerdings heißt das nicht, dass Aluminium beziehungsweise seine Oxidschicht nicht durch Chemikalien angegriffen werden können. Aber wozu gibt es schließlich Ingenieure?

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Webandi / Andreas Lischka, Pixabay License
  • Erstellt am 21.01.2023 - 15:18Uhr | Zuletzt geändert am 21.01.2023 - 16:05Uhr
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