Der kulinarische Herbst zieht ein in Görlitz-Zgorzelec

Der kulinarische Herbst zieht ein in Görlitz-ZgorzelecGörlitz, 29. September 2022. Klappern ist auch ein Handwerk, dazu ein besonders anspruchsvolles: Wer in der allgemeinen Klapperei vernommen werden und dazu auch noch etwas auslösen will, der muss schon pfiffig zu Werke gehen. Die Rede ist vom Marketing für die Stadt Görlitz.

Abb. von links: Łukasz Dudziński, Direktor des Villatoro, Eva Wittig, Geschäftführerin der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH, und Axel Krüger, Weinhändler und professioneller Anstifter

Foto: © Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH

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Gastronomie beiderseits der Neiße bei aktivem Marketing dabei

Im Marketing, dass alle Maßmahmen umfasst, die potentielle Kunden zu realen Kaufakten verleiten sollen, hat man Zielgruppen im Visier. Eine der ganz grundlegenden Marketingweisheiten ist nämlich: "Wer alle erreichen will, erreicht niemanden" – gemeint ist die fatale Situation, wenn sich niemand so richtig angesprochen fühlt. Zur Marketingkunst gehört es, Zielgruppen so abzugrenzen, dass sie zwar extrem passgenau angesprochen werden, aber nicht viel zu klein sind für den zu betreibenden Aufwand. So gehen Marketingleute in beheizen Filzpantoffeln über dünnes Eis und können nur eines: über kurz oder lang auf die Fresse fallen und einbrechen.

Eine der großen Herausforderungen in diesen Tagen ist das Marketing für die Gastronomie. Dort steigt der Kostendruck gnadenlos: Energiepreise, Mindestlohn, allgemeine Teuerung. Steigende Kosten spüren jedoch auch Otto und Erika Normalverbraucher und angesichts dessen, was sich am östlichen Firmament auftut, verkneifen sich viele, was ihrer Meinung nach nicht sei muss, vom morgendlichen Bäckerbrötchen bis hin zum Besuch einer gastronomischen Einrichtung. Das nimmt nicht nur die pure Lust am Leben, sondern gefährdet die Existenz von Anbietern, die so nicht wiederkommen, wenn sie erst einmal weg sind.

Genusspass und Winter-Coolinaria wollen in die Europastadt locken

Vor diesem Hintergrund kann es nur gut sein, wenn sich die lokale Wirtschaftsförderung in Gestalt der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH, ein stadtbekannter und umtriebiger Weinhändler und ein Restaurantmanager zusammentun, um ihre Kompetenzen und Handlungsmöglichkeiten – wie man so schön sagt – zu bündeln. Ergebnis sind zwei echt deutsch-polnische Angebote, die sich an die Zielgruppe der "Genussmenschen" – die Bezeichnung Hedonisten ist in unseren sensiblen Zeiten, die zu verklemmten Ausdrucksweisen führen, vermutlich nicht mehr korrekt – wenden.

Es geht jedenfalls um einen Genusspass mit drei Restaurant-Gutscheinen sowie die "Winter-Coolinaria", mit der die Coolinaria – ein Wein- und Genussfest Görlitzer Art – erstmals das Neißeufer wechselt. Die beiden Angebote waren es wert, dass sich vorgestern Eva Wittig, Geschäftsführerin der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH, der Weinhändler Axel Krüger und der Villatoro-Restaurantmanager Łukasz Dudziński nach Zgorzelec zu einem Pressegespräch einluden. Der Görlitzer Anzeiger glänzte wegen seines gewollten Personalmangels – nur chronisch überlastete Mitarbeiter fühlen sich wichtig und sind motiviert – wieder einmal mit Absentismus, hat aber die Chuzpe, dennoch zu berichten.

Unverzichtbares Wissen zum Genusspass

Genusspass? Irgendwie klingt die polnische Bezeichnung "Paszport Smakosza" sympathischer, aber darum geht es ja schließlich gar nicht, könnte man meinen. Worum es geht ist das, was Leib und Seele zusammenhält: Essen und Trinken. Dieser erstmals aufgelegte Genusspass gibt allen Feinschmeckern – den Realen, den Selbsternannten und den hoffnungsvollen Anwärtern – die Möglichkeit, das gastronomische Angebot der deutsch-polnischen Europastadt beideseits der Lausitezr Neiße einen Monat lang zu entdecken.

Nicht, dass das ohne diesen Passport nicht ginge, der auch gar kein Propusk für den Eintritt in eines der sechs teilnehmenden Restaurants sein will, aber der Genusspass verspricht Vorteile – für die Inhaber wie für die Restaurants, verleitet er doch für die 99 zu investierenden Euros dazu, drei der Restaurants tatsächlich aufzusuchen, um dort Speisen, nachdem sie das Auge und die Nase erfreut haben, die Geschmackssenoren von Zunge und Gaumen passieren zu lassen, um sie behaglich im Magen zu versenken. Möglich machen das die drei in den Pass integrierten Gutscheine in der Zeit vom 30. Oktober bis zum 30. November 2022, in der ja sonst nichts los ist – aber wo?

Die Renusspass-Restaurants sind im deutschen Stadtteil die Obermühle Görlitz, das Restaurant Horschel, die Ristorante Da Vinci und das Jakobs, im polnischen das Miódmaliny sowie das Villatoro. Um die Verlockung des Genusspasses darüber hinaus zu steigern, erhalten die Genusspassbesitzer ein Überraschungspräsent mit Kostproben regionaler Produzenten. Angeboten wird der Genusspass von der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH, deren Geschäftsführerin Wittig das Anliegen noch einmal unterstreicht: "Wir wollen mit dieser Aktion sowohl die Gastronomie vor Ort stärken als auch Görlitz als europäische Genussstadt überregional sichtbar machen."

Auf zum Genussfestival Winter-Coolinaria!

Entgegen jedweder Unkerei wird der kommende Winter heißt, mindestens am Sonnabend, dem 26. November 2022, zur Winter-Coolinaria. Wie Bürgermeister Rafał Gronicz zur Eröffnung der ersten Coolinaria im Jahr 2020 versprochen, findet die Winter-Edition des deutsch-polnischen Wein- und Genussfestes an diesem Tag von 14 bis 19 Uhr zum ersten Mal im polnischen Teil von Görlitz-Zgorzelec statt. Der passende Ort ist die zum Hotel und Restaurant umgebaute Villatoro auf der ul. Wolności 9 in 59-900 Zgorzelec, wer die Angaben für's Navi braucht. Update: Auf polnischer Seite haben sich Ansprechpartner geändert, deshalb findet die Winter Coolinaria nun in der Weinbar Benigna, ehemals Vino e Cultura, am Untermarkt 2 in 02826 Görlitz statt.

"Das kann so weitergehen", kann man dem Coolinaria-Erfinder Krüger ein innerliches Frohlocken unterstellen, denn er hofft auf einen jährlichen Standort-Ping-Pong links und rechts der Neiße. Während mancher noch von einem Wechsel zwischen beiden Städten spricht, hat Krügers Gehirn längst Tatsachen geschaffen: Görlitz-Zgorzelec ist eins. Und während tief im Westen, wo die Sonne versinkt, deutsche und französische Weinbauregionen verschmelzen, muss der Wein-Krüger erst einmal Basisarbeit leisten – mit Erfolg: Schon haben drei polnische und zwei deutsche Weingüter für die Coolinaria zugesagt, doch der notorische Optimist Krüger will mehr, denn mindestens acht Weingüter sollen auf der Coolinaria ausstellen.

Am 15. Juli 2022 hatte der Görlitzer Anzeiger dem Wein-Krüger die in der Redaktion geborene Idee einer deutsch-polnischen Cuvée – Verschnitt riecht dann doch zu sehr nach billigem Weinrand – untergejubelt. Ob der Görlitzer Anzeiger zur Pflichtlektüre der deutschen Botschaft in Paris gehört, ist der Redaktion unbekannt, doch justament am 26. September 2022 verkündete der Südwestdeutsche Rundfunk eine deutsch-französische Cuvée, entstanden auf Anregung der deutschen Botschaft in Paris. Alten Militär- und Geheimdienstfunkern ist der Satz "The quick brown fox jumps over the lazy dog" geläufig, er hat nicht nur in der Funkerei seinen Wert.

Diese Experten für gute Tröpfchen haben bereits zugesagt:


    • Das Weingut Turnau, das seinen Namen vom Chef Jacek Turnau hat und östlich von Schwedt inmitten der polnischen Toskana liegt. Das Örtchen heißt heißt Marienthal (Baniewice), das rbb-Fernsehen war schon da.

    • Das Weingut Groß Salze (Wieliczka) aus Kleinpolen, südlich von Kraków (Krakau), das Bioweine der Extraklasse aus ökologischem Anbau verspricht.

    • Das Winnica Saganum liegt östlich von Bad Muskau / Mužakow im Bobertal in Eckersdorf (Bożnów), nicht weit entfernt von Sagan (Żagań). Seit 2017 wird hier Wein angebaut, wobei der Weinbau sich in der Region bis ins 13. Jahrhundert nachweisen lässt.

    • Das Weingut Matthias Schuh ist bei Meißen zu Hause. Der junge Winzer steht im Ruf, ein Weinvisionär zu sein.

    • Das Weingut Christoph Hammel kommt aus der Pfalz und produziert den Wein konventionell.


Tipp:
Den Genusspass kann man in der Görlitz-Information auf dem Obermarkt 32 kaufen oder per E-Mail an willkommen@europastadt-goerlitz.de sowie telefonisch unter 03581 - 4 75 70 bestellen.

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  • Quelle: red | Foto: © Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH
  • Erstellt am 29.09.2022 - 13:09Uhr | Zuletzt geändert am 20.11.2022 - 11:02Uhr
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