Alles App oder was?

Alles App oder was?Görlitz, 9. August 2021. Von Thomas Beier. Es gibt Fragen, die man als Digitalunternehmer auf seriöse Weise nicht beantworten kann, etwa: "Was kostet es mich, wenn Sie mir eine Webseite machen?" Es bleiben nur zwei Möglichkeiten für eine Antwort, entweder die Standard-Handwerkerreaktion "Oi, oi, oi, das wird teuer!" oder grundehrlich "Das weiß ich nicht." Allerdings gewinnt man mit beiden Reaktionen keine Kunden, weshalb man schnell nachschieben sollte: "Darüber müssen wir reden!"

Abb.: Apps machen das Leben leichter – neben unmittelbarem Zugriff versprechen sie schnelle Ergebnisse

Foto: Firmbee, Pixabay License (Bild beschnitten)

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Worüber man reden muss

Thema: Ratgeber

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Wenn ein Unternehmen im Internet erfolgversprechend agieren möchte, will eine Vielzahl von Aspekten bedacht sein.Sicher ist nur: Einfach nur eine Webseite zu haben ist ein Aufwand, der nur selten einen befriedigenden Nutzen für den Webseiteninhaber erzeugt. Welche Punkte sollten also geklärt werden?

Grundfrage ist, was mit der Webseite erreicht werden soll. Soll sie dazu animieren, erstmals den Kontakt zum Webseitenbetreiber aufzunehmen? Soll sie möglichen Kunden, die auf anderem Wege aufmerksam geworden sind, weitere Informationen bieten? Soll über die Webseite verkauft werden? Oder soll sie als sogenannte Landing Page für eine eng umrissene Zielgruppe dienen, um diese anhand ihrer spezifischen Bedürfnisse abzuholen? Will sich etwa eine Kommune präsentieren, als Lebensmittelpunkt oder als Wirtschaftsstandort?

Davon abhängig beispielsweise sind Layout und Design sowie die Menüführung. Auch die Branche des Webseitenbetreibers spielt eine wesentliche Rolle, ebenso, ob er sich an Geschäfts- oder Privatkunden wendet. Dass die Webseite im Responsive Design erstellt wird, um sich den unterschiedlichen Anzeigeformaten von mobilen Endgeräten automatisch anzupassen, sollte selbstverständlich sein – viele Webseitenbetreiber stellen fest, dass deutliche mehr als die Hälfte aller Zugriffe über Mobilgeräte erfolgt.

Der ungebrochene Trend zum mobilen Internet bringt die nächste Fragestellung mit sich: Ist es zweckmäßig, eine eigene App zu entwickeln? Dabei geht es um Applikationen, also Anwendungsprogramme, die keinen Internetbrowser benötigen, sondern per Fingertipp auf ein Symbol auf dem Bildschirm aufgerufen werden können – jeder Smartphonebenutzer kennt das, ebenso die Nutzer eines Tablet-PCs.

Strategien für das Web

Wer Nutzer über Apps erreichen will, um ihnen einen zugeschnittenen Service zu bieten, muss neben einfacher und übersichtlicher Bedienung in aller Regel erst einmal damit beginnen, die eigenen Geschäftsprozesse zu überdenken. Ein "So haben wir das schon immer gemacht!" in die digitale Welt zu übertragen blendet die nahezu regelmäßig die Potentiale der Digitalisierung aus.

Natürlich gibt es unterschiedliche Wege und Strategien zum Erfolg im Web. Zu den Basics aller Aktivitäten im Web gehört es aber, von möglichen Interessenten überhaupt erst einmal gefunden zu werden. Dazu gehört als Teilgebiet der Suchmaschinenoptimierung (SEO) die technische Aufbereitung von Webseiten, damit sie von den Suchmaschinen bevorzugt erfasst werden. Unverzichtbar sind zudem hochwertige und einzigartige Textinhalte.

Was vor Jahren als das Nonplusultra des Internetmarketings galt, das "viral gehen" von Beiträgen – insbesondere Videos – in den sozialen Netzwerken, ist heute eher die Ausnahme. Das Geschäftsmodell einzelner Internetriesen beruht nämlich darauf, dass Beiträge der Nutzer nur dann nennenswerte Reichweiten erzielen, wenn sie – gegen Gebühren, versteht sich – beworben werden.

Nutzerinteressen und Nutzerverhalten beachten

Dabei entwickelt sich das Instrumentarium des Internet-Marketings immer weiter. Unternehmen und Werbeagenturen sollten sich stets an der Sicht aus der Perspektive der Nutzer orientieren.

Zum Beispiel: Je mehr E-Mails auf einen Nutzer hereinprasseln, umso weniger Lust wird er haben, noch einen E-Mail-Newsletter zu abonnieren – es sei denn, der Newsletter liefert einen hohen Nutzen. Generell aber führen zu oft verschickte plumpe Werbe-E-Mails nicht unbedingt dazu, dass sich davon genervte Nutzer aus dem Verteiler abmelden – sie markieren in ihrem E-Mail-Programm den ungeliebten Versender als Spamquelle und lassen die Mails automatisch löschen. Häuft sich das, ist der größte Adressverteiler für E-Mails kaum noch etwas wert. Deshalb gilt für Newsletter: Qualität entscheidet!

Immer öfter ist lokalisierte Werbung zu beobachten, ein – frei erfundenes – Beispiel wäre, wenn ein Werbebutton verspricht: "Die wärmsten Socken für Görlitz!" Klickt man das an und gelangt auf die Seite des Sockenanbieters, ist der lokale Aspekt nicht mehr zu finden. Hintergrund: Der Werbeanbieter hat den Standort des Internetnutzers ermittelt und suggeriert ihm auf Basis dieser Daten ein lokales Angebot. Da der durchschnittliche Internetnutzer aber gewiss nicht blöd ist, wird er über kurz oder lang auf solche Werbung nicht mehr reagieren.

Ein ähnliches Risiko bringen Chatbots – Programme, die einen menschlichen Ansprechpartner suggerieren – mit sich: Wenn sie nicht perfekt funktionieren, wird der Besucher der Webseite woanders weitersurfen. Auch die immer wieder auftauchende Frage nach der Genehmigung von sogenannten Push Nachrichten – die auch dann angezeigt werden, wenn man nicht auf einer Webseite unterwegs ist oder die entsprechende App aktiviert hat – wirkt auf Dauer abtörnend. Und wurde solchen Benachrichtigungen zugestimmt und erweisen sich diese weitgehend als sinnfrei – umso schlimmer.

Zielgruppe sind – noch – immer Menschen

Merke: Begabte Programmierer, die alle technischen Möglichkeiten ausreizen, können Nutzer durchaus verprellen. Wirkliche Experten für Web- & Appentwicklung werden technische Möglichkeiten eher sparsam, dafür aber sehr gezielt einsetzen, also beispielsweise sehr genau überlegen, unter welchen Umständen ein Nutzer Push Nachrichten als wertvoll empfindet. Digitalagenturen sollten deshalb nicht nur die nötigen programmtechnische Kompetenzen besitzen, sondern auch eine gehörige Portion Marketingerfahrung mitbringen.

Natürlich gibt es bereits Systeme, kein Kaufentscheidungen selbsttätig treffen. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Welt.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Firmbee, Pixabay License (Bild beschnitten)
  • Erstellt am 09.08.2021 - 06:49Uhr | Zuletzt geändert am 09.08.2021 - 07:20Uhr
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