Wirtschaftsförderung Görlitz unterstützt Mehrwegsystem

Wirtschaftsförderung Görlitz unterstützt MehrwegsystemGörlitz, 26. Januar 2021. Nachhaltigkeit ist Thema allerorten und die Bundesregierung zieht mit: Mit dem seit Anfang 2019 gültigen Verpackungsgesetz wurde die Tür geöffnet, um künftig etwa Getränkeverpackungen, die bislang in der Gelben Tonne oder im gleichfarbigen Sack landeten, per Pfand einem Rücknahmeautomaten zuzuführen.

Millionenfach hergestellt: unnötige Einweg-Verpackungen aus Kunststoff

Foto: Mogens Petersen, Pixabay License

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Mehr Nachhaltigkeit erfasst auch Gastrononomie

Nun hat das Bundeskabinmett eine Novelle des Verpackungsgesetzes beschlossen. Die darin vorgesehene Pfandpflicht ab 2022 auf alle Getränkeflaschen aus Einwegkunststoff, die Verwendung von mindestens 25 Prozent Recyclingkunststoff bei der Herstellung von PET-Getränkeflaschen ab 2025, das zusätzliche Angebot von Mehrwegtassen beziehungsweise -behältern ab 2023 in der Gastronomie sind vernünftige Schritte zur Entlastung der Umwelt – wenn Bundestag und Bundesrat zustimmen.

Wo Licht, da auch Schatten: Anzumerken ist die Vielzahl der Ausnahmen. So hat etwa der Milchindustrieverband eine Ausnahme bei PET-Flaschen, in die Milch abgefüllt wurde, durchgesetzt. Kritisiert werden zudem die teils langen Übergangsfristen.

Allerdings steht es Anbietern, gerade bei der Einführung von Mehrwegsystemen, in vielen Fällen frei, selbst die Initiative zu ergreifen und so nicht nur zur Müllvermeidung beizutragen, sondern – aus kaufmännischer Sicht sogar noch wichtiger – auf die Interessen und die Nachfrage ihrer Kunden zu reagieren. Allerdings bedeutet die Einführung von Mehrwegsystemen auch Aufwand: Erst einmal will investiert sein, in Zeiten dürrer Geschäfte im coronabedingten To-go-Lockdown der Gastronomie ein fast wahnwitziges Unterfangen. Diesen Engpass hat die Görlitzer Wirtschaftsförderung, die als Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH firmiert, erkannt und setzt genau hier – am wirkungvollsten Punkt – den Hebel an.

So läuft das in Görlitz

Auch in der Neißestadt sind die Gastronomen und ihre Gäste auf Mitnahme-Angebote angewiesen, was in aller Regel ein abfallträchtiges Geschäft ist, jedoch nicht in jedem Einzelfall: Mehrweg-Behälter im Pfandsystem werden schon jetzt im beachtlichen Umfang vom Kochwerk Görlitz und von Bio im Bahnhof erfolgreich eingesetzt.

Auf Initiative der IHK Zittau unterstützt die Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH die Umstellung auf Mehrwegsysteme und stellt den Gastronomen weitere Pfandboxen des Systems "Frilich Eco Take out" unkompliziert zur Verfügung. Auf diese Weise konnte kurzfristig die hohe Nachfrage der Kunden bedient werden. By the way: Weniger Abfall ist ein Beitrag zum Klimaschutz und damit auch zum ambitionierten Görlitzer Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2030.

Dem eh ins Haus stehenden gesetzlichen Regelungen vorzugreifen ist das Anliegen auch der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH, wie Geschäftsführerin Andrea Behr unterstreicht: "Wir würden es begrüßen, wenn weitere Gastronomen diesem Trend folgen und somit frühzeitig auf das gesetzliche Verbot von Einwegplastik reagieren und nachhaltige Alternativen anbieten." Interessierte Gastronomen haben es einfach: Sie können sich bei der Wirtschaftsförderung melden und diese koordiniert die Bestellung und Ausgabe von weiteren Pfandboxen des Mehrwegsystems.

Kunden erhalten ihre Speisen in Mehrweg-Essensboxen, wenn sie dafür einen Pfandbetrag beim Gastronomen hinterlegen. Das Pfandgeld gibts beim nächsten Restaurantbesuch im Austausch gegen die Box zurück – oder es wird zur Freude des Gastronomen erneut bestellt und die Box einfach ausgetauscht. Das hohe Interesse an Essen to go in Mehrwegboxen wird durch die durchweg positive Resonanz auf einer Blitzumfrage in der mehr als 4.200 Mitglieder starken Facebook-Gruppe "Görlitz to go – Die Gastroangebote zum Lockdown" belegt. Mit dieser Gruppe unterstützen die fünf ehrenamtlichen Administratoren Mike Altmann, Ina Altmann-Oettel, Stefan Hoffmann, Axel Krüger und Katrin Piorko – allesamt der Gastronomie vor allem als Gäste verbunden – gemeinsam mit den Mitgliedern der Gruppe die Görlitzer Gatronomen dabei, ihre Angebote bekanntzumachen. In einem Extra-Album sind die Mitnehm-Angebote der Gastronomen zusammengefasst, quasi als Speisekarte der Stadt.

To do:
Kunden sollten von sich aus bei ihrem Gastronomen nach Mehrwegboxen fragen und ihm so verdeutlichen, dass das System gefragt ist.

Kontakt zur Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH:
Tel. 03581 - 4757-0 oder willkommen@europastadt-goerlitz.de

Kulturzuschlag:
Wenn wegen des umfassenden Pfandsystems keine Flaschen mehr herumliegen, birgt das gewissen Risiken für Schiffbrüchige: Wie will man ohne Flaschenpost den Rest der Welt über seine missliche Situation informieren?

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  • Quelle: red/TEB | Foto: mp1746 / Mogens Petersen, Pixabay License
  • Erstellt am 26.01.2021 - 07:34Uhr | Zuletzt geändert am 26.01.2021 - 08:52Uhr
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