Wegen der Corona-Krise den Beruf wechseln und sich selbständig machen?

Wegen der Corona-Krise den Beruf wechseln und sich selbständig machen?Görlitz, 25. Oktober 2020. Von Thomas Beier. Beim Blick in den Rückspiegel ist man stets schlauer: “Ja, wenn ich das damals gewusst hätte…” Stimmt! Wer als Görlitzer Existenzgründer im Jahr 1990 das Know-how von heute gehabt hätte, stünde jetzt höchstwahrscheinlich weit besser da.

Abb.: Die Krise ist nicht die Zeit für den Panikknopf, sondern Anstoß, Reserven aufzudecken und Veränderungen anzugehen

Foto: © BeierMedia.de, Motiv: Im soziokulturellen Zentrum Werk I in Görlitz

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Prioritäten bei der Zeitnutzung setzen

Prioritäten bei der Zeitnutzung setzen

Die Landeskrone ist der Görlitzer Hausberg und liegt zwischen der Großgemeinde Markersdorf und der Neißestadt. Die Flurgrenze beider Kommunen verläuft durch das Gewerbegebiet "Am Hoterberg"

Foto: © BeierMedia.de

Aber es hilft nichts: Man muss immer in seiner Zeit, in der Gegenwart, für die Zukunft entscheiden. Solche Entscheidungen werden gerade heute, mitten in der Corona-Krise, von immer mehr Menschen abverlangt. Welche Auswirkungen die Pandemie mit ihren gegenwärtig rasant gestiegenen und vorerst wohl weiter steigenden Infektionszahlen haben wird, dieser Gedanke beschleicht immer mehr Bürgerinnen und Bürger auch im Landkreis Görlitz, der sich scheinbar urplötzlich in die sächsische Spitzenliga des Infektionsgeschehens geboomt hat.

Die Auswirkungen der Corona-Krise spüren insbesondere jene, die in einem der Berufe, die auf Publikum angewiesen sind, arbeiten. In Görlitz wurde bereits im Jahr 2008 ein Konzert ohne Publikum gegeben, allerdings aus ganz anderem Anlass. Heute sind auch Außendienstler betroffen, denn immer, wenn es auf persönliche Kontakte ankommt, ist die Corona-Pandemie mit im Boot. Und im Grunde an jedem, der seinen Beruf wegen Ansteckungsgefahren nicht oder nur eingeschränkt ausüber kann, hängen Arbeitsplätze bei Dienstleistern und Lieferanten.

Nun hilft es wenig, abzuwarten, immerhin gibt es Branchen, die von der Corona-Pandemie profitieren. Doch wer sein berufliches Schicksal mit einer selbständigen Tätigkeit in die eigenen Hände nehmen möchte, steht vor völlig neuen Herausforderungen: Plötzlich ist man für alles selbst – und damit sehr allein – verantwortlich. Das wird von vielen Existenzgründern unterschätzt.

Akquisition, Verhandlungen, rechtliche Änderungen und Anforderungen der Behörden, Angebotserstellung und Rückfragen von Kunden, Aufzeichnungspflichten und Steuererklärungen fordern ihren Zeitaufwand. Das Problem dabei: Von der gesamten aufgewendeten Arbeitszeit bleiben oft nur um die 40 Prozent oder weniger für die eigentliche Leistungserbringung, die schließlich in Rechnung gestellt werden kann. Folge: Bei vielen Selbständigen ist Freizeit weitgehend abgeschafft, was besonders in Familien Probleme mit sich bringt.

Logische Schlussfolgerung: Der Anteil der nicht bezahlten Arbeitszeit muss reduziert werden. Das geht entweder mit entsprechender Software oder indem das Unternehmen Aufgaben wie etwa das Anfertigen der Steuererklärung, die Lohn- und Gehaltsabrechnung oder andere sich wiederholende Aufgaben externalisiert, also an Dienstleister überträgt. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile, aber das Outsourcing von Prozessen ist besonders für kleinere und mittlere Unternehmen generell unverzichtbar.

Eine professionelle Software muss immer wieder aktualisiert beziehungsweise angepasst werden, außerdem werden Mitarbeiter benötigt, die sich in die immer wieder in die oft nicht ganz unkomplizierten Programme einarbeiten. Externe Dienstleister hingegen haben den Vorteil, dass sie das, was sie tun, selbst verantworten – ein für viele ausschlaggebender Vorzug. Außerdem: Hat man seine Daten übergeben, hat man den Kopf wieder frei für das, auf das es im Geschäft wirklich ankommt.

Einnahmen wichtiger als Kostensenkung

In der Tat ist es ein großer Anfängerfehler, auf möglichst geringe Kosten zu achten, denn von Einsparungen kann niemand leben. Auf die Einnahmen kommt es an! Deshalb müssen Unternehmer die Prioritäten richtig setzen: Kostensenkung ist schön und gut, wo aber die Einnahmen sprudeln, ist Schmalhans nicht mehr Küchenmeister. Anders gesagt: Zuerst kommen die Einnahmen, durch Kostensenkungen können sie nicht ersetzt werden.

Für Unternehmer heißt das zugleich, Strategien zu entwickeln, mit denen man den Preiswettbewerb hinter sich lassen kann. Teurer zu sein als Mitbewerber, das kann sehr vorteilhaft sein. Man hat zwar vielleicht weniger Kunden, dafür aber immer wieder die besseren. Folge: Weniger Preisdiskussionen, weniger Zahlungsausfälle, nicht zuletzt mehr positives Feedback, weil man die bessere Bezahlung für noch höhere Qualität und damit letztlich immer mehr Kundenbegeisterung, die zu Weiterempfehlungen führt, aufwenden kann.

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  • Quelle: red | Fotos: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 25.10.2020 - 08:08Uhr | Zuletzt geändert am 25.10.2020 - 09:10Uhr
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