Digitalisierung in Unternehmen: Welche Chancen und Risiken ergeben sich dadurch?

Digitalisierung in Unternehmen: Welche Chancen und Risiken ergeben sich dadurch? Görlitz, 16. März 2020. Wenn man in der Oberlausitz an den Strukturwandel, also den Verzicht auf die karbonbasierte Wirtschaft denkt, dann geht es vor allem um eines: Digitalisierung. Längst hat die Digitalisierung zahlreiche Branchen erreicht und ist aus vielen Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Aber warum wird das Thema immer wichtiger und welche Chancen und Risiken birgt diese Umstellung für Unternehmen? Gibt es konkrete Maßnahmen, die Betriebe in Bezug auf die Digitalisierung umsetzen müssen?

Zu den ersten Opfern der Digitalisierung zählt die Analogfotografie, die nahezu vollständig durch digitale Aufnahme-, Speicher- und Drucktechniken abgelöst wurde. In Görlitz bewahrt das Museum der Fotografie auf der Löbauer Straße die Erinnerung an den einst bedeutenden Kamerabau- und Optik-Standort Görlitz und widmet sich mit wechselnden Ausstellungen zugleich den unterschiedlichen Genres der Fotografie

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Rationalisierungspotenzial der Digitalisierung noch immer enorm

Bestehende Unternehmen und auch Gründungsvorhaben müssen abwägen, an welcher Stelle auf Digitalisierung gesetzt wird und wo nicht. Ein Beispiel, wo Digitalisierung möglich wäre, aber in vielen Fällen weder notwendig noch zweckmäßig, ist die Gastronomie. Selbstverständlich könnte der Gast seine Auswahl per Handy oder Tablet-PC treffen, die Bestelldaten könnten, automatisch ergänzt um die Zutatenliste und Kochanweisungen, direkt an die Küche übertragen werden, wo dann vielleicht auch noch die Auslastung der einzelnen Geräte und Arbeitsplätze per Software optimiert wird – aber etwas übertrieben wäre das in den meisten Fällen schon, oder? Deshalb lohnt es sich, beim Schlagwort "Digitalisierung" etwas genauer hinzuschauen.

Was ist unter der Digitalisierung zu verstehen und warum wird diese für Unternehmen immer wichtiger?

Als Digitalisierung wird der zunehmende Einsatz digitaler, vernetzter Technologien in allen Lebensbereichen, etwa in der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Verwaltung, bezeichnet. Im Grunde ist damit die digitale Abbildung, Umgestaltung oder Einführung von Prozessen, Ereignissen und Objekten gemeint als Folge der zunehmenden Möglichkeiten und Nutzung digitaler Techniken. Das digitale Zeitalter bietet damit insbesondere Unternehmen völlig neue Möglichkeiten, Arbeitsabläufe zu vereinfachen und zu automatisieren.

Viele Unternehmen werden vor allem durch die flächendeckende Verfügbarkeit des Internets zum Umdenken veranlasst. So lassen sich, das Einverständnis vorausgesetzt, unter anderem Kunden und Geschäftspartner jederzeit und direkt per Smartphone erreichen. Für Unternehmen wird die Nutzung digitaler Geräte und Tools generell immer wichtiger, denn nur so können sie konkurrenzfähig bleiben. Davon sind Unternehmen in nahezu allen Bereichen und Branchen betroffen.

Welche Chancen und Risiken birgt die zunehmende Digitalisierung?

Digitale Steuerungsprozesse übernehmen in etlichen und vor allem in den fortschrittlich geführten Unternehmen in der Region Görlitz schon jetzt einen großen Teil der Aufgaben. Das führt dazu, dass der Mensch nicht wie bei der Automatisierung nur eine kontrollierende oder überwachende Funktion übernimmt, weil die manuelle Steuerung entfällt, sondern er wird für bestimmte Prozesse, wenn sie erst einmal eingeführt sind, überhaupt nicht mehr benötigt.

Zudem sind durch die Digitalisierung bereits vollkommen neue Wirtschaftszweige entstanden. So war es für Firmen niemals zuvor wichtiger, Ihre Dienstleistungen und Produkte digital zu vertreiben. Heutzutage verfügen viele Betriebe über einen eigenen Onlineshop, so dass der Kunde jederzeit Produkte oder Dienstleistungen erwerben kann. Längst hat auch das Bewerben der Angebote über Social-Media-Kanäle, Suchmaschinen und Vergleichsportale stark an Bedeutung gewonnen. Hierdurch sind wiederum neue Unternehmen entstanden, die sich dieser Aufgaben annehmen. Es ist also insgesamt beachtlich, wie stark die Digitalisierung das Wachstum eines Unternehmens und der Wirtschaft insgesamt beeinflusst.

Allerdings gibt es auch Schattenseiten der Digitalisierung. Insbesondere kleinen und mittelständischen Betrieben fehlt es oftmals an den nötigen finanziellen und personellen Ressourcen, die nötig sind, um mit den großen internationalen Spielern der Wirtschaft mithalten können.

Warum werden Daten oft als "Rohstoff der Zukunft" bezeichnet und wieso sind diese so wichtig für Unternehmen?

Das Internet der Dinge (engl.: Internet of Things, kurz IoT) ermöglicht es, virtuelle Einrichtungen und physische Geräte miteinander zu vernetzen, damit sie mit Hilfe von Informationstechnik zusammenarbeiten. Doch um das große Potenzial ausschöpfen zu können, müssen im Unternehmen immer größere Datenmengen erfasst, ausgewertet und gespeichert werden, was nur noch mit speziellen Lösungen möglich ist. Aus den großen Datenmengen, die meist im Internet und in den Unternehmen selbst gewonnen und als "Big Data" bezeichnet werden, können unterschiedlichste Rückschlüsse gezogen werden, die zu einem optimierten, effizienteren Geschäftsablauf beitragen und damit den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens sichern.

Für welche Branchen wird das Thema Digitalisierung besonders wichtig und warum?

Die Digitalisierung ist nicht nur im IT-Bereich aktuell von hoher Relevanz, sondern auch im produzierenden Bereich, etwa im Automobilbau sowie im Maschinenbau. In diesen beiden und anderen Bereichen wird mit Hochdruck an Systemen gearbeitet, die sich optimal implementieren lassen und den Automatisierungsgrad in den Unternehmen deutlich anheben.

Der Umgang mit den großen Datenmengen ist ein Aspekt, der bei der Umstellung unbedingt beachtet werden muss. Sollen in einem Unternehmen Geschäftsprozesse digitalisiert werden, müssen Systeme vorhanden sein, die dazu in der Lage sind, die enorm großen Datenmengen möglichst effizient auszuwerten und zu verarbeiten. Wichtige und aktuelle Informationen stellen längst eine essenzielle Ressource dar, die von sehr großer Bedeutung für den Erfolg eines Unternehmens sind.

Welche Maßnahmen stehen dem Unternehmen in Bezug auf die steigende Digitalisierung zur Verfügung und worauf kommt es dabei an?

Damit Unternehmen letzten Endes von einer erfolgreichen Transformation in die digitale Welt profitieren können, muss mit Hilfe einer strukturierten Vorgehensweise eine zugeschnittene und nachhaltige Digitalisierungsstrategie entwickelt werden. Im Idealfall stellt das Unternehmen dafür ein Team aus fähigen und motivierten Mitarbeitern zusammen, so dass sich dieser Mitarbeiterkreis umfassend und intensiv mit der digitalen Umstellung beschäftigen kann. Gemeinsam im Team werden dann sowohl kurzfristige Maßnahmen als auch langfristige Ziele ausgearbeitet, die für den künftigen unternehmerischen Erfolg wichtig sind.

So ist es unter anderem wichtig, das Thema Bürobedarf und damit die Senkung der Bürokosten durch automatisierte Abläufe, die der künstlichen Intelligenz nahekommen, durch den Einsatz von umweltfreundlichen Verpackungsmaterialien, durch günstiges Druckerzubehör wie Tintenpatronen oder die Reduzierung des allgemeinen Papierverbrauch zu diskutieren. Oft lässt sich eine überraschend große Kostenersparnis durch die konsequente Digitalisierung von Prozessen, die oft über Jahre eingespielt sind und zunächst als unveränderbar erscheinen, erzielen.

Das betrifft auch Folgekosten, wenn man allein an den Platz für die Lagerung gedruckter Unterlagen denkt, der bei durchgängigen IT-Lösungen inklusive digitalem Dokumentenmanagement nicht mehr notwendig ist. Für ausgereifte Lösungen kann der Kontakt zu leistungsfähigen Herstellern und Dienstleistern im IT-Bereich aufschlussreiche Informationen liefern. Hier sind vor allem spezielle IT-Messen eine hervorragende Anlaufstelle.

Fazit

Für deutsche Unternehmen aller Größenordnungen hält die Digitalisierung ein gigantisches Rationalisierungspotential bereit. Vor allem für die Optimierung der Geschäftsprozesse ist sie längst unerlässlich geworden. Es ist wichtig, dass sich Unternehmen zeitnah mit dem Thema auseinandersetzen, um hier nicht den Anschluss zu verpassen. Der Unternehmensberater Thomas Beier aus Markersdorf bei Görlitz hat noch einen abschließenden Tipp: "Immer dann, wenn Kunden in digitalisierte Prozesse einbezogen werden sollen, sollte bei der Gestaltung und Programmierung der Abläufe ein Experte für Kundenpsychologie hinzugezogen werden, damit beispielsweise teilautomatisierte Informations- und Bestellprozesse auf Interessenten nicht abschreckend wirken, obgleich oder gerade weil sie aus IT-Sicht perfekt umgesetzt wurden."

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  • Quelle: red | Foto: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 16.03.2020 - 08:51Uhr | Zuletzt geändert am 17.03.2020 - 08:05Uhr
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