Digitalisierung in der Entsorgungswirtschaft

Digitalisierung in der EntsorgungswirtschaftGörlitz, 17. Januar 2019. Zu den kommunalen Dienstleistern, die im Landkreis Görlitz zuverlässig ihren Job machen, gehört die Abfallwirtschaft, wobei eine zentrale Rolle der Regiebetrieb Abfallwirtschaft des Landratsamtes und die beiden von ihm beauftragten Entsorger – die Entsorgungsgesellschaft Görlitz-Löbau-Zittau mbH für den südlichen und die Niederschlesische Entsorgungsgesellschaft mbH für den nördlichen Landkreis – spielen. Während noch vor wenigen Jahrzehnten das "Müllauto" den "Müll" lediglich auf die Kippe brachte, spielt heute die Technologie eine wichtige Rolle in der Abfallwirtschaft. Dabei trägt die fortschreitende Digitalisierung dazu bei, die Prozesse der Abfallsammlung und der Recyclingaktivitäten erheblich zu optimieren. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz des Internets der Dinge (Internet of Things, kurz IoT).
Abbildung oben: Ein typischer Absetzcontainer, wie er vielerorts in Größen von drei bis zehn Kubikmetern Fassungsvermögen für Entsorgungszwecke verfügbar ist. Die robusten Stahlcontainer haben nur auf den ersten Blick nichts mit Informations- und Kommunikationstechnologie zu tun. Tipp: Der Preis ist stark von den Vorgaben des Entsorgers zur Abfalltrennung abhängig: Grundsätzlich zahlt weniger, wer seinen Abfall besser sortiert.

Abfall- und Entsorgungswirtschaft vor großen Herausforderungen

Abfall- und Entsorgungswirtschaft vor großen Herausforderungen

Schon seit 2005 sind reine Hausmülldeponien für unbehandelte Abfälle unzulässig. Mit Hilfe biogisch-mechanischer Abfallaufbereitungsanlagen wie auf dem Dresdner Heller könnten aus Altdeponien Wertstoffe geborgen werden

Die Digitalisierung hat sich in allen Bereichen des industrialisierten Lebens durchgesetzt. So ist es beispielsweise heute schwer, sich das Leben am Arbeitsplatz oder zu Hause ohne Smartphones vorzustellen. Viele industrielle Anwendungen arbeiten bereits digital und in Netzwerken. Dabei spielt die Cloud eine wichtige Rolle, da sie es ermöglicht, Daten, Ressourcen und Anwendungen stärker vernetzt als je zuvor zu nutzen. All dies bietet Unternehmen die Möglichkeit, weltweit erfolgreich zu sein.

So steht beispielsweise die Entsorgungswirtschaft weltweit vor großen Herausforderungen. Durch die zunehmende weltweite Industrialisierung, die Globalisierung des Handels und den damit verbundenen Anstieg des Wohlstands entsteht heute mehr Abfall als je zuvor. Abfallcontainer in verschiedenen Größen dienen der Sammlung und dem Transport. Schrumpfende Verpackungsgrößen, immer komplexere Verpackungen und vor allem funktionale Verbundverpackungen sind wichtige Faktoren, in deren Folge die Arbeit der Entsorger immer umfangreicher, komplizierter und teurer wird.

Zunehmender Wettbewerb

Gleichzeitig nimmt der Wettbewerb zwischen den Entsorgungsunternehmen zu, so dass der Bedarf an wettbewerbsfähiger Infrastruktur und Prozessen in der Abfallwirtschaft immer mehr zur Herausforderung für die Informationstechnologie wird. Die gesetzlichen Anforderungen an Unternehmen und Kommunen, die ordnungsgemäße Verwertung von Abfällen sicherzustellen, nehmen drastisch zu; ein Beispiel ist die seit dem 1. August 2017 geltende Neufassung der Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV). Zu den immer umfangreicheren Anforderungen der Behörden kommt noch der natürliche Wettbewerbsdruck, was insgesamt eine verbesserte Datenqualität und bessere Einblicke in die Abfallströme im laufenden Betrieb erfordert.

Die vor vielen Jahren eingeführte Abfallhierarchie wird nun konsequent umgesetzt und die Kreislaufwirtschaft ist in vielen Bereichen bereits Realität geworden. In einer zunehmend vernetzten Branche bedeutet dies, dass eine eventuell später notwendige Entsorgung schon bei der ersten Planung berücksichtigt und zu gegebener Zeit entsprechend durchgeführt werden muss. Dies gilt beispielsweise für Autos, wo es nötig ist, das Nutzungs- und Recyclingpotenzial von Verbundwerkstoffen bereits während des Konstruktionsprozesses zu berücksichtigen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Verbundwerkstoffe sind schwer zu trennen und daher nur mit mehr Aufwand recycelbar als Komponenten aus einem einzigen Material.

Einbeziehung der Entsorgung in den Entwicklungsprozess

Dies gilt auch für Gebäude, da die Pläne alle notwendigen Informationen für den späteren Abbruch enthalten und den Entsorgern Hinweise für die Verwendung von Materialien und potenziell gefährlichen Stoffen geben müssen. Auch die Hersteller von Kunststoffverpackungen sind am Engagement beteiligt, die Entsorgung von Kunststoffabfällen im Meer zu verhindern. Ebenso sind Branchen wie die Metall-, Glas- oder Papierherstellung, die bereits wertvolle Stoffe sammeln und recyceln, um die eigene Rohstoffversorgung zu kontrollieren und sicherzustellen, betroffen.

Die digitalisierte Arbeitswelt ermöglicht es Unternehmen und Behörden in diesem Umfeld, ihren Kunden und der Gesellschaft immer bessere Dienstleistungen anzubieten. Mobile Geräte, die direkt mit dem zentralen ERP-System (Enterprise Resource Planning, vereinfacht die bedarfsgerechte Steuerung von Ressourcen) verbunden sind, sorgen für eine reibungslose Kommunikation zwischen der Zentrale und dem Fahrzeug. Das direkte Feedback aus den Fahrzeugen ermöglicht dann schnelle Reaktionen und wirkt sich damit direkt auf die Prozesse aus.

Verknüpfte Daten ermöglichen bessere Entscheidungen

Hier kommen Technologien wie die prädiktive Instandhaltung ins Spiel, die nur noch sehr wenig mit der früher verbreiteten "Planmäßig-vorbeugenden Instandhaltung" (PVI) zu tun hat. Heutzutage werden die Erfahrungen zahlreicher Anwender von Maschinen, Geräten und Fahrzeugen zu Wartungsvorschlägen zusammengefasst, so dass die Bereitstellung von Ersatzteilen und Reparatur- oder Wartungsressourcen proaktiv werden kann. Es können Maßnahmen ergriffen werden, bevor ein Vorfall tatsächlich eintritt, ohne damit voreilig zu handeln. Mit Business Intelligence können Daten aus verschiedenen Bereichen gesammelt, verknüpft, ausgewertet und angezeigt werden. So können Entscheidungen schneller und effektiver getroffen werden.

Dabei schafft das Internet der Dinge (IoT) völlig neue Verbindungen zwischen Hard- und Software. Beispielsweise kann ein Abfallcontainer in verschiedenen Größen den Grad des Abfalls messen. Im ERP-System können Entsorgungsaufträge angelegt und Entleerungswege mit einer Optimierungslösung effizient geplant werden, um eine optimale Nutzung aller Ressourcen zu gewährleisten.

Die direkte Kommunikation mit Endkunden und Geschäftspartnern über Webplattformen ermöglicht den Kunden über eine solche Plattform direkt Container für Entsorgungsaktivitäten zu buchen oder die Auftragserfassung zu stornieren. Die Entsorger nutzen die selbe Plattform, um diese Aufträge zu finden, zu bestätigen und zu bearbeiten. Auch die Abrechnung geschieht zentral über das ERP-System.

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  • Quelle: red | Foto Container: succo, Foto Müllkippe: Prylarer / Pasi Maänpää, beide Pixabay und Lizenz CC0 Public Domain
  • Zuletzt geändert am 17.01.2019 - 12:53 Uhr
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