Mikromobilität für den ländlichen Raum

Mikromobilität für den ländlichen RaumGörlitz, 15. April 2021. Von Thomas Beier. Es gibt Geschäftsideen, für die ist der ländliche Raum geradezu prädestiniert: Um überhaupt erst einmal auf die Idee zu kommen, sie dann auch umzusetzen und schließlich anzuwenden. Besonders einfach ist es, wenn bereits realisierte neuartige Ideen – man nennt das Innovationen – adaptiert werden können. Für eine ländlich geprägte Region im Strukturwandel wie den Landkreis Görlitz sind solche Denkansätze besonders interessant.

Abb.: Platzsparend, jederzeit verfügbar, preiswert – mietbare eScooter haben die Städte längst erobert. Für den ländlichen Raum, sprich Dörfer und Kleinstädte, sind die Mietmodelle allerdings nicht geeignet. Dank gesunkener Preise spielen eScooter jedoch auch hier ihre Vorteile aus, etwa für den Weg zum Bus oder in den nächsten Ort

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Bestehende Lösungen auf neue Anwendungen übertragen

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Die Schattenseite der Mietroller in den Städten: Überall stehen oder liegen sie herum, manchmal tagelang. Auf dem Lande besteht dieses Problem nicht, weil hier nur privat angeschaffte eScooter sinnvoll sind.

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Erst gestern hat der Görlitzer Anzeiger über Fahrradabstellanlagen für Pendler am Görlitzer Bahnhof berichtet. Während die Radfahrer-Lobby mehr solche Anlagen, insbesondere Möglichkeiten zum sicheren Abstellen der Drahtesel fordert, geht diese Diskussion an modernen Mobilitätskonzepten ein Stück weit vorbei. Insbesondere für die Anreise zum Bahnhof, die Berufspendler mit dem Fahrrad vornehmen sollen, ist dieses in vielen Fällen wenig geeignet: Es ist sperrig, muss abgestellt und zurückgelassen werden und wird dadurch – Abstellanlagen hin oder her – leicht zur Diebesbeute.

Wichtigster Vorteil: zusammenklappen, mitnehmen, jederzeit mobil sein

Zwar kann man mit dem Rad einiges transportieren, sogar einen Kinderanhänger anhängen, was im Straßenverkehr wegen des Risikos eines Auffahrunfalls allerdings schlichtweg unverantwortlich ist – mit einem modernen eScooter mit Straßenzulassung hat man jedoch einen für viele entscheidenden Vorteil: Man kann sein Gefährt binnen Sekunden zusammenklappen, einfach mitnehmen und ist am Ankunftsort der Zugfahrt sofort wieder mobil, völlig unabhängig von anderen Verkehrsträgern. Einen Drahtesel mitzuschleppen wäre deutlich aufwendiger, außerdem: Ohne Fahrrad entfällt der teure Aufwand für größere Fahrradabstellanlagen wie überhaupt das Risiko, jetzt in solche Anlagen zu investieren, während sich die Mobilität weiterentwickelt, indem das Fahrrad zumindest teilweise durch andere Fortbewegungsmittel abgelöst wird.

Doch was hat das nun mit dem ländlichen Raum zu tun? Ganz einfach: Hier wurde die Idee geboren, für kurze Pendelfahrten wie vor Ort beispielsweise auf der Strecke von Holtendorf nach Görlitz, wo es abschnittsweise nicht einmal einen Gehweg gibt, oder für den Verkehr zwischen Ortschaften wie in Markersdorf einen speziellen eScooter anzupassen – der Streetbooster eScooter mit Straßenzulassung war geboren. Zwar sind tief im Osten rund 30 Jahre nach Produktionsende noch immer die Simson-Mopeds beliebt, aber, wie gesagt, zusammenklappen und mitnehmen geht auch da nicht, zumal die Fahrer der kleinen. nicht gerade umweltfreundlichen Zweitakter den öffentlichen Personenverkehr eher umgehen als ihn zu nutzen.

Wer nun meint, so ein Roller sei eher ein Spielzeug, muss sich nur anschauen, wie die eScooter die Städte erobert haben, allerdings als flexible Mietgeräte per App. Dass diese Scooter dann einfach irgendwo stehenbleiben, bis sie manchmal erst nach Tagen jemand einsammelt und wieder startklar macht, verschönert das Stadtbild allerdings nicht. Im ländlichen Raum steht die Frage nach Miet-Scootern nicht, dazu ist die Bevölkerungsdichte viel zu gering. Wer hier mit einem straßenzugelassenen eScooter mobil sein will, muss kaufen, was angesichts günstiger Preise nicht schwerfällt. Es ist schon eine Überlegung wert, wenn man für den Preis eines E-Bikes vielleicht drei oder sogar vier gute eScooter bekommt.

eScooter in der Praxis

Praktikabel sind die modernen kleinen E-Roller allemal: Der Streetbooster eScooter, dessen Straßenzulassung im ländlichen Raum unverzichtbar ist, bringt es auf reale 26 Kilometer Reichweite (80 Prozent der Akkukapazität sind nach zwei Stunden geladen, batterieschonend wird die volle Ladekapazität nach fünf Stunden erreicht), ist auf seinen Luftreifen bis zu 22 Stundenkilometer schnell, wiegt gerade einmal schlappe 13,5 Kilogramm und ist mit einem reichlichen Meter Gesamtlänge kompatibel für Bus, Bahn und Kofferraum. Die Diebstahlsorgen der Radfahrer kennen eScooter-Besitzer so nicht: Zum einen braucht man das Gefährt nicht im öffentlichen Raum abzustellen, zum anderen ist eine automatische Wegfahrsperre integriert, die nur per passwortgeschützter Handy-App gelöst werden kann.

Klar ist auch: So ein Elektroroller löst nicht alle Verkehrsprobleme, ist aber eine preiswerte und sorgenfreie Möglichkeit, in vielen Situationen auf das Auto zu verzichten und sich zugleich nicht vom Fahrplan eines öffentlichen Verkehrsmittel abhängig zu machen. Generell kann man preiswerten Lösungen für die Mikromobilität im ländlichen Raum mit elektrischen Antrieben einen gewissen Charme nicht absprechen, ob es nun zum Seniorentreff mit dem straßenzugelassenen Elektro-Quad geht oder eben mit einem E-Scooter zur Bushaltestelle, zum Bahnhof oder in den nächsten Ort.

Tipp:
In Sachsen wird effiziente Mobilität gefördert.

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  • Quelle: Thomas Beier | Fotos: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 15.04.2021 - 07:49Uhr | Zuletzt geändert am 15.04.2021 - 08:23Uhr
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