33. Schlesisches Musikfest zwischen Görlitz und Breslau

33. Schlesisches Musikfest zwischen Görlitz und BreslauGörlitz, 9. September 2022. Es scheint wie ein kleines Wunder: Vom 17. September bis zum 3. Oktober 2022 findet das 33. Schlesisches Musikfest – vermutlich das älteste Musikfestival überhaupt – in niederschlesischen Städten statt. Erwartet werden Künstler aus sechs Ländern.

Abb.: Der gebürtige Görlitzer Stefan Rauhut ist Bundesvorsitzender der Landesmannschaft Schlesien, Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen und Geschäftsführer der Schlesische Musikfeste gGmbH

Foto: Martin Wehnert Photos

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Rauhut: Gekommen, um zu bleiben

Rauhut: Gekommen, um zu bleiben

V.l.: Prof Matthias Eisenberg, Eleni Ioannidou, Pfarrer Dr. Matthias Paul, Stephan Rauhut und Waltraud Simon auf der Pressekonferenz zum 33. Schlesisches Musikfest am 7. September 2022 in Görlitz

Foto: Martin Wehnert Photos

1830 fand in Görlitz das erste Schlesische Musikfest statt, dann mal öfter hintereinander, aber auch mal jahrzehntelang nicht. In der sowjetischen Besatzungszeit, als Schlesien aus dem Bewusstsein getilgt werden sollte, fand das Fest – zentral verwaltet aus Berlin – noch bis 1957 als "Görlitzer Musikwoche" statt. Nach der Implosion der "DDR" gab es zunächst zwei Neustarts, die jeweils im Sande verliefen.

Träger ist nun die Schlesische Musikfeste gGmbH

Im Jahr 2019 schließlich fand sich ein Initiativkreis aus etlichen Interessierten zusammen, der 2021 ein kleines Fest unter dem Titel "Präludium" in Vorbereitung auf das Musikfest des Jahres 2022 organsierte. Aus dieser Gruppe gründete sich Anfang 2022 die Schlesische Musikfeste gGmbH als juristische Person für das Fest.

Neben drei Privatpersonen stieg auch die Schlesische Landsmannschaft mit deren Bundesvorsitzenden Stephan Rauhut mit ins Boot, wobei alle vier Partner jeweils 25 Prozent der Gesellschafteranteile halten. "Nach dem Rücktritt des ersten Geschäftsführers vor rund drei Monaten standen wir schon vor einem kleinen Scherbenhaufen", blickt Waltraud Simon von der Görlitzer Erika-Simon-Stiftung zurück, doch sie hatte zugleich die Lösung: "Von der Gesellschafterversammlung wurde auf meinen Vorschlag hin Stephan Rauhut einstimmig zum neuen Geschäftsführer ernannt. Er hatte dann knapp zwei Monate Zeit, neben seiner eigentlichen beruflichen Tätigkeit, ein Programm auf die Beine zu stellen."

33. Schlesisches Musikfest ist deutsch-polnisches Festival

Das 33. Schlesische Musikfest findet unter dem Motto "Musik baut Brücken" statt. Zu den Spielstätten gehören unter anderem die Friedenskirche in Jauer (Jawor), Schloss Fürstenstein (Zamek Książ), die St.-Christophori-Kirche in Breslau (Wrocław), die Peterskirche in Görlitz sowie die einst für die Austragung der Musikfeste erbaute Görlitzer Stadthalle. "Wir haben unsere Aufgabe erfüllt und 16 wundervolle Konzerte von Görlitz bis Breslau organisiert", freut sich Rauhut, "Neben dem Eröffnungskonzert in der Friedenskirche Jauer mit Ludwig Güttler erwarten uns auch zwei Konzerte in der Görlitzer Stadthalle, deren Bau Graf Bolko von Hochberg maßgeblich als Spielort der Schlesischen Musikfeste unterstützte."

Viel Unterstützung

Für die Görlitzer Evangelische Innenstadtgemeinde stand die Unterstützung des Musikfestes nie in Frage. "Wir sind und waren immer Netzwerker in Sachen Schlesien. In diesem Jahr dürfen wir unsere Bachtage in das Musikfest mit einbringen und damit einer größeren Öffentlichkeit präsentieren", so Pfarrer Dr. Matthias Paul. Eleni Ioannidou vom Ars Augusta e.V. bringt sich ebenfalls gerne ein: "Früher waren neben großen Künstlern auch Chöre und Musiker aus der Region dabei. Da wollen wir wieder hin – die Schlesier sollen ‚ihr‘ Musikfest durch uns wieder zurückbekommen. Aus einem Workshop junger Musiker aus den Hochschulen Leipzig, Dresden, Kattowitz und Breslau heraus werden wir die Besten in Konzerten erleben dürfen."

Eisenberg spielt schlesische Orgelmusik

Prof. Matthias Eisenberg, Organist aus Leidenschaft, ist Gesellschafter der gGmbH geworden, um so die Wiederauferstehung der Schlesischen Musikfeste mit zu ermöglichen. Er habe für sein Konzert schlesische Orgelmusik herausgesucht, die sonst kaum noch gespielt wird.

Großartige Kulturzeit in der Lausitz und Niederschlesien

"Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu den anderen großen Festivitäten wie dem Lausitz-Festival", stellte Waltraud Simon klar. Abgestimmt ist alles aufhöchster Ebene, Simon: "In einem Gespräch mit Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer einigten wir uns darauf, das 33. Schlesische Musikfest einen Tag nach der Abschlussveranstaltung des Lausitz-Festivals zu eröffnen und so die große kulturelle Zeit in der Region zu verlängern."

Wer zahlt?

Da kann Rauhut Auskunft geben: "Außer ein paar Zuwendungen für einzelne Konzerte haben wir keinerlei Fördermittel für dieses Jahr bekommen." Man sei stolz darauf, dennoch mit Hilfe von Stiftungen und Privatspenden ein Programm auf die Beine gestellt zu haben, dass sich sehen lassen kann. Bei einer einmaligen Auflage soll es nicht bleiben, denn Rauhut verpricht: "Und, es soll für uns ein Sprungbrett für die nächsten Jahre sein – schließlich sind wir gekommen, um zu bleiben. Alle sind eingeladen, deren Herz an Schlesien hängt – und auch die, die ihr Herz noch an Schlesien verlieren wollen"

Programm und Hintergrundinformationen:
www.schlesische-musikfeste.eu

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  • Quelle: red | Fotos: Martin Wehnert Photos
  • Erstellt am 09.09.2022 - 06:29Uhr | Zuletzt geändert am 09.09.2022 - 07:21Uhr
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