Haben Sie unsere Pressemitteilung erhalten?
Görlitz, 8. Februar 2023. Von Thomas Beier. Manchmal läuft einem schon am Vormittag die Laus über die Leber. Diesmal kam sie in Form eines wohl bei allen Redaktionen dieser Welt beliebten Anrufs, die immer wieder auf die Frage hinauslaufen: "Haben Sie denn unsere Pressemitteilung erhalten?", je nach persönlicher Chuzpe oder Naivität des Anrufenden ergänzt um die Frage: "Wann können wir denn mit einer Veröffentlichung rechnen?"
Erfolgreich ist, wer auf Interesse stößt?
Besonders groß ist die Freude immer dann, wenn eine eingegangene sogenannte Pressemitteilung plumpe Werbung ist. Leute, denen man bislang – manchmal, so der Eindruck, demonstrativ – völlig egal war und wohl auch in Zukunft sein wird, erwarten dann einen erheblichen redaktionellen Aufwand, damit sie ihre Werbekosten sparen.
Den Steuerzahler doppelt abzocken?
Wenn man dann Klartext redet, kommt hin und wieder der Einwand: "Aber wir werden doch gefördert!" Besser kann man die Situation nicht eskalieren, denn die Fördermittel kommen aus den Steuern, die alle, auch wir als Unternehmen und als Privatpersonen, nicht zu knapp zahlen. Fördermittel kassieren und aus diesem Grund vom Steuerzahler auch noch kostenlose Leistungen einfordern, geht's noch?Spaß und Geld – beides muss sein
Unser Geschäft betreiben wir aus zwei Gründen: Weil's Spaß macht und um – in der Mathematik würde man sagen: als notwendige Bedingung – Geld zu verdienen. Würden wir auf eine Großteil derartiger Ansinnen eingehen, könnten wir den Laden zumachen – es sei denn, jemand hat einen Tipp, wie man ohne Bezahlung und ohne Zuschüsse aus den privaten Kassen der Reptiloiden überlebt, haha.Die Tageszeitung wird's schon richten
Natürlich heißt das nicht, dass wir nicht auch über geförderte Projekte berichten. Aber wie in allen Bereichen konzentrieren wir uns besonders gern auf Leute und Vorhaben, mit denen wir etwas anfangen können, die uns seit Jahren bekannt oder in ihrem Engagement einfach nur sympathisch sind. Für mehr ausgewogene Quantität und zuweilen auch Qualität sind die großen Tageszeitungen da, von denen man mindestens eine getrost abonnieren sollte.By the way: Dass jene, die ihre Meldungen auf eigenen Plattformen und in den Internet-Netwerken lieber selbst hinausdallern, zunehmend weniger Beachtung finden, ist doch logisch, oder?
Schweig fein still...
Allerdings gibt es auch Meldungen, die wir ohne einen vernichtenden Kommentar nicht veröffentlichen würden. In jüngerer Zeit fallen beispielsweise Projekte zur Existenzgründungsförderung auf, die mit öffentlichen und manchmal weiteren Mitteln so sehr bezuschusst werden, dass sie sogar gratis angeboten werden. Entsprechend groß dürfte das Interesse der finanziellen Nutznießer sein. Allerdings, so zumindest der Eindruck, ist das Teilnahmeinteresse von Leuten mit potenten Gründungsvorhaben eher gering. Mögliche Folge: Teilnehmerplätze werden um jeden Preis besetzt, schließlich will das Projekt abgerechnet werden. Mancher sollte froh sein, wenn wir nicht berichten.Unternehmerischer Rat braucht Erfahrung
Das eigentliche Problem: Unternehmerisch unerfahrene Leute übernehmen die Begleitung von Gründungsinteressenten und suggerieren zuweilen tolle Chancen, um sie bei der Stange zu halten – obwohl manche der Ideen nicht einmal einer anfänglichen einfachen Plausibilitätsprüfung standhalten.Die Erfahrung zeigt: Leute mit potenten Gründungsideen verzichten eher darauf, ihre Zeit in einem Projekt zu vertun; sie vergewissern sich lieber über ihr Vorhaben, entwickeln eine Strategie – das ist etwas anderes als ein "Businessplan" – und fangen an, um als ersten Meilenstein möglichst schnell die wirtschaftliche Tragfähigkeit zu erreichen.
Erfolg hat klare, überprüfbare Kriterien
Das Kriterium der Wahrheit beziehungsweise des Erfolgs bei Projekten zur Gründungsförderung ist: Wer hat sich im Vollerwerb selbständig gemacht und vor allem, welches Unternehmen nach drei Jahren noch existiert und vielleicht sogar Beschäftigte eingestellt hat. Es hilft jedoch nichts, wenn Gründungsinteressenten mit formalem Wissen ausgestattet werden, aber keinen Marktzugang finden und es schon als Akquisitionserfolg verbuchen, wenn jemand sagt, er finde das Vorhaben interessant.Die ganze Wahrheit
Außerdem muss man Gründern reinen Wein einschenken über die Konsequenzen der Gründung, die gewöhnlich bis tief in den privaten Bereich hinein wirken. Persönlichkeitsentwicklung findet weniger in einem Projekt als vielmehr in der unternehmerischen Praxis statt. Wer sich das nicht antun möchte, dem sollte man besser von einer Gründung abraten, auch das gehört zum Beratungsgeschäft – und wer es nicht wirklich will, sollte sich morgens lieber gleich noch einmal rumdrehen und möglichst lange ausschlafen; vielleicht stellt sich ja noch ein schöner Traum ein.Unterm Strich
Bitte sehen Sie es uns nach, wenn wir weder für Meldungen aus der Wirtschaft noch aus Politik oder Gesellschaft die Kategorie "gequirlte Scheiße" eröffnen möchten. Und als Redaktion haben wir keineswegs die Absicht, uns für nicht berücksichtigte Pressemitteilungen zu rechtfertigen.


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- Quelle: Thomas Beier | Foto: ykaiavu / Yves, Pixabay License
- Erstellt am 08.02.2023 - 09:46Uhr | Zuletzt geändert am 08.02.2023 - 14:19Uhr
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