Glas reparieren: Was ist möglich?

Glas reparieren: Was ist möglich?Görlitz, 29. September 2022. Glas ist zerbrochen – und nun? Viele denken, dass Glas nicht repariert werden kann, aber das stimmt so nicht. Mit den richtigen Werkzeugen und Materialien sowie etwas Knowhow und Geschick kann man Glas in vielen Fällen problemlos reparieren. Der Görlitzer Anzeiger zeigt, wann es sinnvoll sein kann und welche Möglichkeiten es gibt.

Abb.: Wie das Brötchen auf die belegte Seite scheinen Smartphones bevorzugt auf das Display zu fallen

Foto: Volker Glätsch, Pixabay License

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Glas ist zerbrochen – was jetzt?

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Das kommt wohl bei jedem nicht nur einmal im Leben vor: Ob beim Putzen, Spielen oder Aufräumen – irgendwann landet ein Trinkglas oder ein anderer Glasgegenstand auf dem Boden oder eine Scheibe geht zu Bruch. Dann kommt es darauf an, ob man mit einer reparierten Bruchstelle leben kann oder ob eventuell zunächst eine provisorische Reparatur angesagt ist.

Dazu ein Beispiel: Geht ein Fenster zu Bruch, dann muss die Bruchstelle meist zeitnah verschlossen werden, bevor die gesamte Scheibe – heutzutage fast immer mehrlagiges Glas, vielleicht sogar Verbundglas mit zwischenliegender Folie für den Einbruchschutz – ausgetauscht wird. Nur in Ausnahmefällen, vielleicht bei einem untergeordneten Kellerfenster, wird man einen Sprung im Glas reparieren. Moderne Wohnungsfenster jedoch, die zwecks Wärmedämmung vakuumiert sind, müssen im Schadensfall ausgewechselt werden.

Was nicht gerade in tausend Teile zersplittert ist, kann durchaus bis zur Erneuerung oder auf Dauer gerettet werden. Typisch ist etwa der abgebrochene Stil an einem schönen Trinkglas, der unaufffällig wieder befestigt werden kann. Mit ein paar einfachen Tipps und Tricks ist das jedenfalls einen Versuch wert, vor allem, wenn es nur wenige und klare Bruchkanten gibt.

Wege zur Glasreparatur

Was man zu Hause zur Glasreparatur nutzen kann, sind Klebstoffe. Hier empfehlen sich spezielle Klebstoffe für Glas auf Silikonbasis, die transparent sind und auf glatten Oberflächen haften. Je nach Funktion und Belastung könne auch bestimmte Kleber auf Polymerbasis, Alleskleber oder Montagekleber benutzt werden. Viele schwören auf Acrylat-Klebstoffe, die unter UV-Licht aushärten; manchmal werden sie im Set mit UV-Lampen angeboten.

Über die Möglichkeit, bei bestimmten Formen Glas anzuschmelzen und so wieder zu "verschweißen", verfügen wohl nur professionelle Glasbläser und entsprechend spezialisierte Betriebe, wie man sie etwa aus der früheren Glasperlenproduktion in Gablonz an der Neiße kennt.

Sprung in der Scheibe – und nun?

Ist eine Glasscheibe gesprungen, dann geht es meist darum, Folgeschäden – etwa entweichende Wärme oder Schnittverletzungen – zu vermeiden. Meist sind Fenster, Türscheiben, Spiegel oder verglaste Bilder betroffen. Probates Mittel für die "erste Hilfe" ist in solchen Fällen Panzerband, wie man Gewebeklebeband umgangssprachlich nennt. Damit lassen sich Risse überkleben und gegebenenfalls freistehende scharfe Kanten abdecken, bis die Scheibe ausgetauscht wird.

Manchmal ist es sinnvoll, bei gesprungenen Scheiben den Riss zu stabilisieren. Kraftfahrer kennen das, wenn die Frontscheibe nach einem Steinschlag einen Sprung hat. Ist der nicht durchgehend, wird das Ende angebohrt, damit sich die wirkenden Kräfte verteilen und der Sprung nicht weiterwächst. Aber Achtung: Elektronische Geräte nicht anbohren! Auf die gereinigte Scheibe wird dann entlang des Risses ein Spezialkleber aufgetragen, der in den Riss eindringt und dann mit wie erwähnt mit ultravialettem Licht gehärtet wird. Beim Auto sollte man das jedoch einer Autoglaserei überlassen, zumal die Kosten oft von der Versicherung gedeckt werden.

Fachleute gefragt

Bei technischen Geräten, wertvollen Glasgegenständen oder Verletzungsgefahr ist grundsätzlich der Weg zum Glaserei-Fachbetrieb anzuraten. Das empfiehlt bei einem Glasschaden auch der Glasengel der Glaserei in Hamburg, vor allem dann, wenn man nicht weiß, wie man im konkreten Fall vorgehen sollte.

Merke:
Gläser, die vor Gefahren schützen sollen, gehören in die Hände von Fachleuten!

Häufige Selbsthilfe

Ein häufiger Schaden ist das gesprungene Display eines Smartphones, Tablets oder Laptops. Besonders Smartphones, die in der Hosentasche mitgenommen werden, sind gefährdet und so mancher akzeptiert lieber ein gesprungenes Display, als eine vermutlich nicht ganz günstige Reparatur zu beauftragen.

Wenn das Displayglas beschädigt ist, muss jedenfalls nicht unbedingt gleich ein neues Gerät angeschafft werden – in vielen Fällen lohnt eine Reparatur und das Austauschen des Displayglases oder des Displays. Das sollte man grundsätzlich Profis überlassen, wenn man nicht über die nötigen Kenntnisse, entsprechendes Geschick und – nicht unwichtig – Geduld verfügt. Was man selbst machen kann und ob man bei Dienstleitern, denen man die Arbeiten überlässt, Geld sparen kann, hat sich SWR Marktcheck angeschaut.

Oft jedoch funktioniert das Gerät trotz Sprung im Display noch und man kann – so man will – mit dem Schönheitsfehler leben. Das liegt am Verbundglas, bei dem ein Folie dafür sorgt, dass das Display nicht gleich vollends auseinanderfällt.

Vorsicht heißt die Mutter der Porzellankiste

Man muss sich wirklich überlegen, wo man als Laie selbst Hand anlegen will. Geht der Reparaturversuch schief, tritt schnell eine "Verschlimmbesserung" ein. Schon deshalb sollte man eigene Reparaturversuche auf einfache Fälle beschränken.

Als grundsätzliche Vorgehensweise bei Rissen oder Sprüngen kann man sich an diesen Punkten orientieren:
  1. Das Glas sorgfältig mit einem weichen Tuch und einem geeigneten Glasreinigungs- oder Lösungsmittel reinigen, es muss absolut fettfrei sein. Für sehr empfindliche Gläser sind Brillenputztücher, wie sie der Augenoptiker verwendet, geeignet.
  2. Manchmal ist es hilfreich, den Riss beiderseits mit Klebeband einzugrenzen.
  3. Ein für die Reparatur von Rissen geeigneter Kleber wird entlang des Risses gleichmäßig aufgetragen.
  4. Die vorgeschriebene Einwirkzeit beachten, der Kleber braucht Zeit, um in den Riss zu wandern. UV-härtende Kleber haben den Vorteil, dass der Aushärtungsprozess nach der UV-Belichtung definiert beendet ist.

Welchen Kleber sollte man wählen?

Das lässt sich pauschal nicht sagen, auf dem Markt sind viele unterschiedliche Produkte verfügbar. Da hilft nichts anderes, als sich zu informieren und gegebenenfalls beraten zu lassen.

Je anspruchsvoller die Reparatur ist und je haltbarer – der Fachmann spricht von Dauerfestigkeit – sie sein soll, umso mehr ist Qualität gefragt. Besondere Anforderungen bestehen außerdem, wenn die Reparatur- oder Verbindungsstellen wie bei einem Aquarium ständig Wasser, vielleicht sogar Salzwasser, ausgesetzt sind oder wie etwa bei einem Ofenglas eine besondere thermische Beanspruchung und Schutzfunktion des Glases vorliegt – Gläser, die der Sicherheit dienen, müssen bei Schäden grundsätzlich ausgetauscht werden.

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  • Quelle: red | Foto: Glavo / Volker Glätsch, Pixabay License
  • Erstellt am 29.09.2022 - 16:31Uhr | Zuletzt geändert am 29.09.2022 - 19:23Uhr
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