Meldet euch, ihr Hunde!

Meldet euch, ihr Hunde!Görlitz, 28. September 2020. Das Coronavirus schadet den Bronchien, aber auch dem Stadtsäckel: Verbuchen die örtlichen Unternehmen weniger Gewinn, so geht die Gewerbesteuer schmerzhaft zurück. Da ist es nur verständlich, dass die Neißestadt unter dem Mantel der Steuergerechtigkeit verstärkt gegen jene vorgeht, die sich vor der Hundesteuer sowie der Zweitwohnungssteuer drücken wollen. Auch "Hinweise aus der Bevölkerung" – eine üble Redewendung, die den Tippgeber verschweigt – spielen dabei ein Rolle.

Spricht man den Redaktionshund des Görlitzer Anzeigers Rudi Rabauke auf die Hundesteuer an, so guckt er leicht unwirsch und rechnet den Betrag sofort in Leckerli-Einheiten um, die er sich dann einfordert

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Görlitz intensiviert die Erfassung bislang steuerlich nicht registrierter Hunde und Zweitwohnungen

Hundesteuer, na gut: Immerhin hält die Stadt eine gewisse Hundekot-Entsorgungsinfrastruktur vor – aber eine Zweitwohnungssteuer in einer Stadt, in der tausende Wohnungen leerstehen? Die Zweitwohnungssteuer trifft besonders Studenten, die noch zu Hause als Hauptwohnsitz gemeldet sind, aber auch am Studienort ein Dach über dem Kopf benötigen. Ergo wird der heimatliche Wohnungssitz abgemeldet und die Bindung an die alte Heimat geht zurück. Leidet da nicht Görlitz selbst darunter?

Sei es, wie es sei: Ab Oktober 2020 kontrollieren Außendienstler wieder stärker, um nicht angemeldete Hunde sowie nicht angemeldete Zweitwohnungen zu ermitteln. Es bestehen durchaus Erfolgsaussichten, denn Einzelkontrollen haben immer wieder nicht angemeldete Hunde festgestellt. Dass dazu auch "Hinweise aus der Bevölkerung" beitrugen, hat ein G'schmäckle, erinnert es doch an Denunziantentum und konstruierte Vorwürfe wie in "DDR"-Zeiten. Wenn jemand meint, gegen etwas vorgehen zu müssen, soll er doch die betreffenden Leute direkt ansprechen und wenn das nichts fruchtet, eine Anzeige erstatten – denn: Das größte Schwein im Land ist und bleibt der Denunziant!

Aber Geld stinkt bekanntermaßen nicht. Immerhin haben aufgeflogene nicht angemeldete Zweitwohnungen bei den jüngsten Kontrollen Nachzahlungen von mehr als 23.000 Euro in die Stadtkasse gespült. Angesichts der Gesamteinnahmen der Zweitwohnungssteuer in Höhe von rund 70.000 Euro für das Jahr 2020 ist ein erkleckliches Sümmchen.

Das der Druck der Görlitzer Stadtverwaltung Erfolge zeitigt, das belegt die Statistik: Vor Beginn der Hundebestandsaufnahme im Jahr 2015 waren 1.665 Hunde zur Hundesteuer angemeldet, gegenwärtig sind jedoch schon 2.314 Hunde zwecks Steuerzahlung registriert – entweder sind in den letzten Jahren sehr rasch viel mehr Bürger auf den Hund gekommen oder, was wahrscheinlicher ist, sind brave Hundesteuerzahler geworden. Aktuell betragen die Görlitzer Einnahmen aus der Hundesteuer runde 173.700 Euro im Jahr. Die Einnahmen aus Hunde- und Zweitwohnungssteuer fließen nicht zweckgebunden in den Haushalt der Stadt ein und dienen der Finanzierung der Allgemeinheit.

Allen Personen, die bislang ihren Hund oder ihre Zweitwohnung nicht angemeldet haben, werden seitens der Stadtverwaltung dringend gebeten, diese Anmeldung umgehend nachzuholen – und das mit erhobenem Zeigefinger: "Je länger eine Anmeldung hinausgezögert wird, umso höher fallen die Nachzahlungen und Bußgelder aus."

Tipp:
Alle Formulare, Ansprechpartner für Fragen und weitere Informationen sind unter www.goerlitz.de/steuern zu finden.




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  • Quelle: red | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 28.09.2020 - 15:04Uhr | Zuletzt geändert am 23.12.2020 - 10:55Uhr
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