Im Urlaub Land und Leute kennenlernen

Im Urlaub Land und Leute kennenlernenGörlitz, 18. Juli 2019. Große Urlaubsreisen gibt es solche und solche: Manche fliegen in eine fernes Land, wo sie vom Flughafen abgeholt werden, um ihre Urlaubstage in einem abgekapselten Ferienresort zu verbringen, das allenfalls nur für einen organisierten Ausflug verlassen wird. Andere ziehen einfach mit dem Rucksack auf eigene Faust los und lernen Land und Leute kennen. Eins steht fest: Individualtouristen erleben oft mehr.
Abbildung oben: Mit dem Motorrad ein Land zu erkunden macht vor allem dann Spaß, wenn das Wetter mitspielt und man – schon aus Sicherheitsgründen – in einer Gruppe unterwegs ist

Reisetipp: USA

Reisetipp: USA

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Leute, die ihre Siebensachen im Rucksack verstauen und losziehen, sogenannte Backpacker, trifft man an vielen Orten auf der Welt, ob man nun in Siebenbürgen, Marokko oder beispielsweise den USA unterwegs ist. Wichtig ist allerdings, dass es sich um freiheitliche Staaten handelt, in denen man "unorganisierten" Touristen nicht mit Misstrauen begegnet. In einigen Ländern, so die Erfahrung, wird man schnell der Spionage verdächtigt, wenn man am falschen Ort fotografiert oder filmt, in anderen Ländern kann man sich gar nicht frei bewegen, von Krisengebieten, die man meiden sollte, ganz abgesehen.

Formalitäten zur Einreise in die USA

Anders in den USA, die man möglichst in jungen Jahren einmal besucht haben sollte, weil das Land viele Erfahrungen bereithält, die für das ganze Leben prägen. So berichtet ein Bekannter noch heute: "Nie vergesse ich die Situation, als ich 1990 zum ersten Mal in die USA eingereist bin. Passkontrolle auf dem Flughafen in Los Angeles: Der Beamte ergreift meinen aufgeschlagenen DDR-Reisepass vorsichtig an den Ecken, hebt ihn hoch und schaut mich prüfend an. Dann seine Frage: 'Deutschland, das soll jetzt eins sein?' Als ich nicke, folgt ein Grinsen, ich bekomme meinen Pass zurück und mit einer Kopfbewegung des Beamten bin ich durch die Kontrolle durch. Das war weit einfacher als die ganze Bürokratie vor der Reise."

Wer heute als Tourist oder geschäftlich bis zu 90 Tage in die USA reisen möchte, muss einen ESTA Antrag stellen (ESTA steht für Electronic System for Travel Authorization, das elektronische System zur Reisegenehmigung). Hintergrund: Deutsche Staatsbürger sind vom Visa Waiver Programm (VWP) erfasst, das auf Antrag den Verzicht auf ein Einreisevisum ermöglicht. Anders gesagt: Ein Visum für die USA beantragen muss man nur, wenn die Regelungen des ESTA im persönlichen Fall nicht greifen.

Andere Länder, andere Sitten

Für einen Backpacker ist der alltäglichen Umgang miteinander im Gastland oft interessanter als die Sehenswürdigkeiten. Für die USA sind die Aufgeschlossenheit und die ausgeprägte Höflichkeit im Umgang miteinander zu erwähnen. Schon wer in Gebäuden die soziale Zone einer Person – das ist ein Abstand von reichlich einem bis etwa dreieinhalb Meter – durchquert, entschuldigt sich im Vorbeigehen mit einem "Excuse me!". Allerdings sollte man das freundliche "How are you?" bei der Begrüßung nicht sonderlich ernst nehmen und keinesfalls etwa zu einer Erklärung ansetzen, wie es einem geht – ein ""Fine, thank you, and you?" reicht aus.

Gut zu wissen ist auch, dass über Anliegen grundsätzlich schnell entschieden wird, wobei die Zahlungsfähigkeit des Reisenden oft im Mittelpunkt steht. Kurz gesagt: Ohne Kreditkarte steht man in den USA auf verlorenem Posten. Wer mit Kreditkarte zahlt, sollte bedenken, dass Servicepersonal – beispielsweise die Bedienung im Restaurant, Taxifahrer, Zimmermädchen – oft kaum Lohn erhält, sondern vom Trinkgeld lebt. Entsprechend sollte der sogenannte tip, das Trinkgeld, mit etwa 15 bis 20 Prozent großzügig ausfallen; ist man aber besonders zufrieden, darf es mehr sein. Kleinere Hilfen wie Tasche tragen oder das Auto parken werden üblicherweise mit ein bis zwei Dollar anerkannt.

Ausgesprochen höfliches Benehmen ist auch anzuraten, wenn man es mit offiziellen Personen zu tun hat. Gegenüber der Polizei sind die respektvollen Anreden wie "Officer", "Madam" oder "Sir" geradezu Pflicht und sollten im Gespräch häufig benutzt werden. Von Widerrede oder gar Witzen ist dringend abzuraten: Ein US-Polizist kann einen für 24 Stunden in Gewahrsam nehmen. Im "freiesten Land der Welt" sind Routinekontrollen der Polizei jedoch eher die Ausnahme, wenn man also kontrolliert wird, dann hat das gewöhnlich seinen Grund. Bei der Kontrolle sollte man passiv bleiben, den Anweisungen folgen und jede körperliche Bewegung vorher ankündigen.

Von der Maßgabe der annähernd gleichen Lebensverhältnisse in den Regionen, wie sie in Deutschland Maßstab ist, sind die USA weit entfernt. Wer auf eigene Faust unterwegs ist nuss wissen, dass bestimmte Stadtviertel oder Landstriche gefährlich sein können. Kriminalität wird in den USA zwar teils härter als in Deutschland bestraft, was jedoch die abschreckende Wirkung kaum steigert. Die fehlende soziale Grundabsicherung und die großen sozialen Unterschiede sind eine Quelle für die mancherorts ausgeprägte Kriminalität. Manche Ratgeber empfehlen sogar, auf individuelle Einzelreisen oder Reisen in kleinen Gruppen ganz zu verzichten und sich nur an Reiseveranstalter und sichere Routen zu halten.

Vor der Reise bedenken

Auch wenn man am liebsten einfach drauflosziehen möchte: Ein wenig Planung vor dem Besuch des riesigen Landes ist sinnvoll. Wer möglichst viele Regionen der USA erleben möchte, verbringt mehr Zeit mit Reisen als dem Erleben des Landes, weist eine Website zum Backpacking in den USA hin, auf der auch viele wertvolle Detailinformationen zu finden sind.

Und noch etwas: In den USA mit dem Auto oder dem Motorrad unterwegs zu sein heißt nicht zwangsläufig, auf Miete zu setzen. Kaufen und verkaufen heißen die Stichworte, wenn der Aufenthalt etwas länger als nur wenige Tage ist. Wem das aber zu aufregend ist, der lebt am ruhigsten, wenn er über einen Reiseveranstalter bucht.

Aber aufgepasst: Deutsche Kraftfahrer sind ja oft der falschen Meinung, dass die Straßenverkehrsordnung einen gewissen Ermessensspielraum enthält, besonders was die Geschwindigkeit betrifft. Wer auf deutschen Autobahnen unterwegs ist weiß zudem, dass man nicht selten mit der aggressiven Fahrweise anderer konfrontiert wird. Für die USA gilt unbedingt der Rat zu einer defensiven, absolut regelkonformen Fahrweise, die Polizei erscheint wie aus dem Nichts und schneller als mancher sich vorstellen kann klicken die Handschellen.

Dass trotz aller Easy-Rider-Euphorie ganz besonders Motorradfahrer vorsichtig sein sollten, liegt an den Eigenheiten des US-amerikanischen Straßenverkehrs. Riesige Trucks, mehr Ölspuren als in Deutschland und das vermeintliche Recht des Stärkeren führen zu ungewohnten Situationen.

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  • Quelle: TEB | Foto Motorrad: judithscharnowski / Judith Scharnowski, Foto Landschaft: rauschenberger / René Rauschenberger, beide Pixabay und Lizenz CC0 Public Domain
  • Zuletzt geändert am 18.07.2019 - 08:51 Uhr
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