Schlesiens Wilder Westen

Schlesiens Wilder WestenGörlitz, 26. Oktober 2021. Schlesiens Wilder Westen, ein Begriff, der eher im Polnischen als im Deutschen geläufig ist: Dziki Zachód Slaska. "Wilder Westen", so nannte man in den ersten Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die von Polen verwalteten deutschen Gebiete, in denen die im Osten von der Sowjetunion vertriebenen Polen angesiedelt wurden.

Abb.: Polen ist anders, Schlesien ist anders. Autobahn bei Kattowitz (Katowice)

Foto: © BeierMedia.de

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Was ist Heimat? Ein Ort, ein Mensch, ein Gefühl, eine Erinnerung?

Die Geschichte der Begegnung der vertriebenen Polen mit den zu vertreibenden Deutschen im Zuge der "Westverschiebung" Polens hat Ute Badura (Drehbuch, Produktion, Kamera) im November 2002 veröffentlicht und sich damit dem so oft missbrauchten Begriff der Heimat genähert. Dem Schlesischen Museum zu Görlitz und insbesondere der Kulturreferentin für Schlesien Agnieszka Bormann ist zu danken, dass der Film, den die Berliner Zeitung als klug, sensibel und bei aller Poesie immens politischen Dokumentarfilm bezeichnete, nun im Museum zur Aufführung mit anschließendem Gespräch mit der Filmemacherin Ude Badura gelangt.

Baduras Film fokussiert auf Seifershau, das heute polnische Kopaniec, Teil der Landgemeine Altkemnitz (Gmina Stara Kamienica). Hier ist man die deutschen Einnerungstouristen gewohnt und inzwischen selbst neugierig auf die Geschichte der in den Nachkriegsjahren für Eltern und Großeltern neuen – ja, Heimat? Baduras Film greift die Erinnerungen und Sichtweisen der früheren und der heutigen Bewohner auf. Die deutschen Einwohner wurden ab dem Sommer 1946 vertrieben, doch schon 1945 kamen Vertriebene aus dem von der Sowjetunion annektierten Ostpolen an – der Begriff "Wilder Westen" dürfte viele der Realitäten widerspiegeln.

Oft genug lebten die alten und die neuen Bewohner mehrere Monate zusammen in einem Haus. Was sich abspielte, war die Bandbreite menschlichen Verhaltens, von Gewalt und Schikane bis zur Vernunft und sogar zu emotionaler Nähe. Auch über diese Erfahrungen erzählt der Film, in dem deutsch-polnische Begegnungen und Gespräche während des Besuchs einer deutschen Bus-Reisegruppe in Seifershau dokumentiert werden.

Tipp:
Im Dorf wohnte 20 Jahre lang Jacek Jaśko, 1955 in Hirschberg (Jelenia Góra) geborener Künstler und einer der Protagonisten im Film. Seine Schwarz-Weiß-Fotografien aus Seifershau und aus dem Riesengebirge sind noch bis Ende Oktober 2021in der Ausstellung "Streifzüge" im Museum der Fotografie in Görlitz zu sehen. Der Fotograf wird bei der Filmvorführung ebenfalls anwesend sein.

Prädikat: Angucken!
Sonnabend, 30. Oktober 2021, 17 Uhr,
Schlesisches Museum zu Görlitz, Brüderstraße 8, 02826 Görlitz:
"Schlesiens Wilder Westen" – Filmvorführung und Gespräch mit Ute Badura

Gut zu wissen:
Der Eintritt ist frei dank INTERREG-Förderung, jedoch ist die Besucherzahl auf 35 Personen begrenzt. da macht es Sinn, sich per E-Mail an kontaktx@xschlesisches-museum.de (Spamschutz: "beide "x" entfernen) oder Tel. 03581- 87 91-0 anzumelden.

Fördermittel im Spiel:
Gezeigt wird der Film innerhalb des deutsch-polnischen Projektes "Schlesien – gemeinsames Natur- und Kulturerbe", dessen Träger der Nationalpark Riesengebirge und das Schlesische Museums zu Görlitz sind. Der Eintritt ist frei, weil Fördermittel aus dem Kooperationsprogramm Interreg Polen-Sachsen 2014-2020 fließen.

Tipp:
Vor der Filmvorführung im Schlesischen Museum findet am 30. Oktober 2021 um 15 Uhr im Museum der Fotografie in Görlitz auf der Löbauer Straße 7 die Finissage der Ausstellung "Streifzüge" und ein Künstlergespräch mit Jacek Jaśko bei ebenfalls freiem Eintritt statt.

Mehr Heimat:
Mit dem Heimatbegriff beschäftigt sich das für den Schulunterricht und junge Leute entwickeltes Projekt "Stefan Heym HEYMAT". der als Helmut Flieg in Chemnitz aufgewachsene Heym musste über das Riesengebirge vor den Nazis fliehen und kehrte als Soldat der US Army nach Deutschland zurück. Vor diesem Hintergrund kommen in von ungeschönter und unverstellter Wahrheit gekennzeichneten Kurzvideos unter anderem Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und ein 1946 aus Österreichisch-Schlesien Vertriebener zu Wort.

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  • Quelle: red | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 26.10.2021 - 15:50Uhr | Zuletzt geändert am 27.10.2021 - 06:30Uhr
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