Adoptiere eine Litfaß-Säule in Görlitz!

Adoptiere eine Litfaß-Säule in Görlitz!Görlitz, 16. März 2019. Diskussionen in der Redaktion: Ist das nun Wirtschaft oder Kultur? Es geht darum, dass die 58 Görlitzer Litfaßsäulen werbewirtschaftlich an Bedeutung verlieren und, um sie zu erhalten, von der Stadt Görlitz eine neue Nutzung angestrebt wird. Wer zu nichtkommerziellen Zwecken beherzt zuschlagen möchte: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt!
Symbolfoto: Natürlich sind die historischen Görlitzer Litfaßsäulen viel schöner!

Das Erbe des Herrn Litfaß soll weiterleben

Die Stadtverwaltung Görlitz hat sich gestern umfassend zu den Litfaßsäulen im Stadtgebiet geäußert. 52 der 58 Litfaßsäulen sind bis Ende des Jahres 2021 an die Neuwerbung GmbH vermietet – doch nur 15 der an die Firma vermieteten Säulen werden aktuell auch genutzt.

Bevor der Mietvertrag abläuft sieht sich die Stadt in der Pflicht, das weitere Schicksal der Litfaßsäulen auf die Reihe zu bringen. Das wird schwierig, denn nicht nur in Görlitz sind im Laufe der letzten Jahre Litfaßsäulen als Werbemedium von aus Marketingsicht attraktiveren Varianten wie elektronischen Großwerbetafeln abgelöst worden. "Deshalb wird es nicht einfach werden, über eine Ausschreibung wieder einen Mieter für alle städtischen Litfaßsäulen zu finden", resümiert die Stadtverwaltung, bekräftigt aber: "Die Stadt wird vor Ablauf des Vertrages ein Konzept für den weiteren Umgang mit den Litfaßsäulen erarbeiten. Ein Angebot an die Görlitzer Bürgerräte und Vereine zur Nutzung einzelner Säulen wird aus heutiger Sicht dabei genauso eine Rolle spielen wie zum Beispiel der Abbau von Litfaßsäulen, die nicht genutzt werden und nicht unter Denkmalschutz stehen." Dazu werde es natürlich eine Bürgerbeteiligung geben.

Nachdem in den letzten Jahren Bürgerräte die gute Idee hatten, Litfaßsäulen für ihre Arbeit zu nutzen, gibt es mittlerweile für drei Litfaßsäulen in der Innenstadt Ost, Rauschwalde und Biesnitz Nutzungsverträge zwischen derStadtverwaltung und den Bürgerräten. Dass diese Säulen nicht gerade die für die Werbevermarktung lukrativsten sind – logisch.

Das Angebot

Sollte es weitere Interessenten geben, die eine der nicht genutzten Litfaßsäulen zur Nutzung adoptieren möchten, können sie sich gerne per E-Mail beim Bau- und Liegenschaftsamt melden.

Wer zum Ltifaßsäulennutzer werden möchte, muss beachten:
  1. Benennung der genauen Säule und der Nutzungsidee für die Litfaßsäule. Die Stadt würde sich dann mit der Neuwerbung GmbH in Verbindung setzen und versuchen, diese Säule für den gewünschten Zweck zurückzubekommen.

  2. Ebenso wichtig: Die Litfaßsäule darf nicht für kommerzielle Werbung genutzt werden, weil die Stadt damit eine Konkurrenzsituation für den jetzigen Mieter schaffen würde.

  3. Außerdem ist derjenige, der die Säule für seine Idee adoptiert, dafür zuständig, dass sich die Litfaßsäule auch in einem ordentlichen Zustand befindet. Diese Aufgabe übernimmt für alle gemieteten Säulen derzeit die Neuwerbung GmbH.

Kommentar:

Überlegungen, einen Teil der Litfaßsäulen aus dem Stadtbild zu entfernen, hatten zu einem – vielleicht ganz bewusst provozierten? – Aufschrei gesorgt. Manchmal rücken die Dinge eben erst dann in den Fokus des Interesses, wenn sie weggenommen werden sollen.

Während andere noch Verschwörungstheorien entwickelten (was immer geschieht, wenn jemand die Fakten nicht auf die reihe bekommt) hat Jana Krauß, die eine Buchhandlung in der Innenstadt von Görlitz betreibt, schnell reagiert und kurzerhand eine Online Petition "Erhaltet die Litfaßsäulen!" an den Görlitzer Stadtrat gestartet. Oberbürgermeisterkandidatin Franziska Schubert schätzt die Litfaßsäulen im Stadtbild und ist von Bürgerinnen und Bürgern auf den drohenden Verlust angesprochen worden; ihre Meinung: "Ich möchte mich dafür einsetzen, dass die Litfaßsäulen der Stadt Görlitz, die sich die Bürgerinnen und Bürger wünschen, bestehen bleiben." Als erfahrene Realpolitikerin, die abseits von purer Kritik und unhaltbaren Versprechungen agiert, sagt sie aber auch: "Mit Sicherheit muss geschaut werden, ob der Erhalt aller 58 Säulen finanziell machbar ist, welcher Zustand vorhanden ist und wie man mit Vandalismus umgeht. Ich möchte aber, dass die Bürgerräte und potenzielle Interessenten einer Nutzung einbezogen werden, die auszuwählen, die von besonderer Bedeutung sind."

Und was sagen die anderen teils aussichtsreichen Oberbürgermeisterkandidaten? Von Momo Riedmüller (Die PARTEI) kursiert das unbestätigte Gerücht, er fordere mehr Litfaßsäulen. Jana Lübeck ist die Oberbürgermeisterkandidatin der Linkspartei und hat eine Website. Von Ingolf Fendt, parteilos-unabhängiger Oberbürgermeisterkandidat, ist online fast nichts aufindbar. Auf der Website von Octavian Ursu (CDU) ist dato unter "Aktuelles" der jüngste Eintrag vom 9. März 2019 "Infostand mit Michael Kretschmer am Marienplatz" zu finden, was Problemlösungen zumindest vermuten lässt. Die Website von Sebastian Wippel (AfD) ist mit einem Eintrag vom 14. März 2019 ein wenig aktueller, doch der Beitrag titelt "Schüler für Klimademo freizustellen, ist das völlig falsche Signal!".

Zum Glück hören nicht nur die Völker, sondern vor allem junge Leute die Signale, und das nicht nur beim Klima,

meint Ihr Thomas Beier

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  • Zuletzt geändert am 15.03.2019 - 21:56 Uhr
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