Mode macht Görlitz noch anziehender

Mode macht Görlitz noch anziehenderGörlitz, 18. April 2018. Gestern sind sie angereist: Die Modemacher und die Models, die dem EURO FASHION AWARD in Görlitz Leben einhauchen werden. Von Freitag bis Sonntag (20. bis 22. April 2018) bietet das berühmte Jugendstilkaufhaus der Neißestadt die Kulisse für ein ganz besonderes Modesspektakel.

Abbildung oben: Für ein langes Wochenende wird das auf der Ecke Demiani-/Marienplatz gelegene Kaufhaus Görlitz zu einer Kathedrale junger Mode

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EURO FASHION AWARD lässt neue Zielgruppen Görlitz entdecken

EURO FASHION AWARD lässt neue Zielgruppen Görlitz entdecken

Ein Hauch von Catwalk-Feeling für Andrej Baranow, den Künstlerischen Leiter des Görlitzer Modepreises, im Knipsgewitter der Fotografen

Als Modedesigner ausstudiert – und nun? Dann greift mit etwas Glück der EURO FASHION AWARD, um den sich in Görlitz junge Modemacher bewerben können. Der vom Mediziner und Unternehmer Prof. Dr. med. Winfried Stöcker initiierte und als Hauptsponsor finanzierte Modewettbewerb wird am kommenden Wochenende nach 2016 zum zweiten Mal ausgetragen. Unter den Bewerbern für die Teilnahme waren erstmals Modedesigner aus den klassischen Modeländern Italien und Frankreich, allerdings konnten sie die Hürde der Auswahljury nicht nehmen. Sogar aus den USA gabe es zwei Anfragen: "Dürfen wir an einem Fashion Award, der sich Euro nennt, überhaupt teilnehmen?" Sure, you are welcome.

Der Görlitzer Modepreis weist Besonderheiten auf, die jungen Modemachern zugute kommen. So wird schon mit 1.000 Euro prämiert, wer in den Teilnehmerkreis vordringt. Damit wird der hohe Aufwand, der für die Präsentation zum Award nötig ist, unterstützt. Auch die Preisgelder können sich sehen lassen: 25.000 Euro für den Erstplatzierten, 15.000 Euro für den zweiten Platz und 10.000 Euro für den Dritten – ausreichend Geld für junge Modemacher, sich wirtschaftlich auf eigene Beine zu stellen. Gefördert mit den Preisgeldern werden also nicht die vorgestellten Kollektionen, sondern die Modemacher. Neu ist beim EURO FASHIO AWARD 2018 der am Freitag vergebene Publikumspreis. Hier bestimmen die Veranstaltungsbesucher, quasi als Vertreter der Endverbraucher, aus der Auswahl der neun präsentierten Kollektionen, wer gewinnt.

Vom Konzept des EURO FASHION AWARDs ist auch Andrej Baranow, der Ende März zum Art Director berufen wurde, begeistert. Wie er schildert, erfolgte die Auswahl der Wettbewerbsteilnehmer von einer hochschulorientierten Jury, für die wohl eher visionäre Aspekte im Fokus standen. Die eigentliche Wettbewerbsjury*) achte eher darauf, dass die gezeigten Stücke für Endverbraucher adaptierbar sind. Neben hochästhetischen Präsentationsstücken besteht beim Görlitzer Award eher die Chance, die erlebte Mode in ähnlicher Form tatsächlich kaufen zu können – vielleicht sogar im brandneuen Modehaus am Postplatz, das noch in dieser Woche eröffnet wird? Immerhin soll es hier besonders hochwertige, bislang in Görlitz kaum verfügbare Mode geben, darunter auch für Otto und Ottilie Normalverbraucher erschwingliche Stücke, falls die Freude am Kauf stärker wiegt als der Schmerz, dafür bezahlen zu müssen.

Baranow verweist auf neue Aspekte junger Mode, zu denen Nachhaltigkeit zähle. Für ihn macht Nachhaltigkeit nicht ein teures Bio-Label aus, sondern die Wertschätzung für Stoffe aus natürlichen Materialien. Wenig Abfall beim Zuschnitt oder klassische Wirktechniken seien ein Beitrag, die Umwelt vor den Auswirkungen der Billig- und Chemiefaserproduktion zu schützen.

Für Kaufhaus-Projektleiter Dr. Jürgen Friedel ist Görlitz mit seinem zentral gelegenen Kaufhaus für Mode wie geschaffen. Art Director Baranow geht sogar soweit, an die Geschichte der Görlitzer Tuchindustrie anzuknüpen. Stefanie Eggers, Projektmanagerin im Kaufhausteam, bestätigte, Görlitz habe die Teilnehmer des Awards, Modemarken und weitere Partner schnell überzeugt. Für Eva Wittig, Prokuristin und Marketingleiterin der als Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH firmierenden städtischen Wirtschaftsförderung, ist der EURO FASHION AWARD ein weiterer Baustein, der beispielsweise den Schlesischen Christkindelmarkt und das Altstadtfest ergänzt, um Besucher aus ganz neuen Zielgruppen als den bisherigen in die Stadt zu ziehen.

Und so ist es auch: Je Abend des Mode-Awards werden 420 Gäste erwartet, ein Kartenkontingent war trotz der großen Nachfrage extra für die Görlitzer zurückgehalten worden. Außerdem sind ungefährt 150 Helfer dabei, um die Veranstaltung in jeder Hinsicht zum Erfolg werden zu lassen. Zu den Sponsoren des Modewettbewerbs zählen auch viele Hotels, die Zimmer sponsern, um den Gästen des Awards einen angenehmen Aufenthalt zu bieten.

*) Jury und Auswahlkriterien



Kommentar:

Der Mensch als solcher – jedenfalls die meisten Vertreter dieser Spezies – ist ja überaus veränderungsunwillig, der Urgörlitzer vielleicht ganz besonders. Kommt Neues, wird gern zunächst der Haken am Projekt, die Fliege in der Suppe, die mancher vielleicht am liebsten ganz für sich allein kochen würde, gesucht. Zu elitär, zu teuer ist diese neue Entwicklung in Sachen Mode in der Stadt? Mitnichten.

Wenn das Modehaus am Postplatz seine Waren im oberen Preisbereich positioniert, wird nicht nur Kaufkraft in der Region gehalten, sondern auch die Voraussetzung für höhere Einkommen geschaffen – oder glaubt jemand, ein Billigheimer würde ganz besonders hohe Anforderungen an seine Beschäftigten stellen und diese sehr gut bezahlen? So gesehen wäre nur zu wünschen, dass noch viel mehr Anbieter mit hochwertigen Sortimenten die Görlitzer Innenstadt (zurück)erobern,

meint Ihr Thomas Beier




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  • Quelle: Thomas Beier | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 17.04.2018 - 21:52Uhr | Zuletzt geändert am 18.04.2018 - 00:12Uhr
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