Frühjahrsputz im Bonehaus

Görlitz, 19. Juni 2016. Von Thomas Beier. Zu den Aufgaben eines Nachrichtenportals gehört es nicht etwa, ab und zu nach den Rechten zu schauen, sondern vielmehr nach dem Rechten - ganz besonders bei Angelegenheiten, die vielen Leuten am Herzen liegen. Deswegen gleich zu Beginn der ausklingenden Woche ein Besuch beim Görlitzer Dichter Steven Fabian Bonig in seinen Kunsträumen im "Bonehaus" genannten Haus am Görlitzer Obermarkt 26. Im März und April dieses Jahres stand die Existenz dieser nicht nur weltweit bekannten, sondern vor allem auch anerkannten Kunstinstallation auf der Kippe (der Görlitzer Anzeiger berichtete). Inzwischen ist wieder Ruhe eingezogen im Haus des Dichters, wenn auch die Kunstinstallation im vorderen Teil des Hauses sichtlich gelitten hat. Doch Bone - so der Name unter Freunden - sieht das gelassen und denkt in weit größeren Zusammenhängen von Raum und Zeit.

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Treffen am Nudeltopf

Diesmal stand das Wetter auf der Kippe, als ich am Montagabend im Hof des Bonehauses an der Verrätergasse eintreffe. Der Dichter, der wie stets in Stiefeln und schmalen Hosen, mit Lederjacke und Hut einen standesgemäß aristokratischen Eindruck macht, sitzt in der Bullitür, auf dem Gasbrenner dampft das Nudelwasser. Viel reden wir zunächst nicht, erst muss ich die Welt da draußen hinter mir lassen, abstreifen, wieder ankommen in Bones Reich.

Doch da setzt auch schon der Regen ein. Der hätte den Dichter sicherlich nicht im Geringsten gestört, doch aus Höflichkeit verziehen wir uns nach innen in die Küche und der Nudeltopf wandert auf die Feuerstelle. Die Küche im Bonehaus ist ein wahrhaft mystischer Ort, man meint, die Gespräche ohne Hast durchlebter Nächte, die leise Musik der Gitarre hätten den Raum nie verlassen.

Auf die Entwicklung nach der einsetzenden Zerstörung der Kunstinstallation gefragt bringt es Bonig kurz auf den Punkt: "Es ist wieder Ruhe eingezogen." Um die aus seiner Sicht unrechtmäßige Kündigung des Mietvertrages, seinen Widerspruch und die zwischenzeitliche gewaltsame Zerstörung eines Teils der bei Görlitz-Besuchern beliebten Kunstinstallation im vorderen Teil des Hauses macht er nicht viel Worte: Es herrscht wieder Frieden im Haus.

Dann kommt doch die Wehmut durch, als er von den Zeiten berichtet, als das Haus ein Treffpunkt vieler Künstler, Musiker, Handwerker und der Bohème war. Das sei längst vorbei: "Schon aus Rücksicht auf die Nachbarn." Heute sind es meist die "Freien Künstler Görlitz", die sich in der Küche treffen, um Projekte wie die diesjährige zweite Auflage von "Bohemian Crossings / Crux Bohemica" zu diskutieren (mehr: Bohemian Crossings Webseite).

Und sonst? Dichter Bonig mit einem sehr feinen Lächeln: "Frühjahrsputz." Wie, jetzt mitten im Sommer? "Hier ist viel zu tun. Da geht der Frühjahrsputz bis in den Oktober." Wer nachdenkt, kann da was lernen vom Dichter: Den Frühling des Lebens bis ins Alter erhalten.

Was schön und romantisch klingt, braucht jedoch auch Grundlagen. Deshalb sind Spenden für das Bonehaus - Brennholz, Baumaterial, Geld - und für die Projekte der Freien Künstler Görlitz (die tun schließlich auch was dafür, Stichwort 23. Juni 2016) stets willkommen. Wer hier helfen möchte und den Dichter nicht im Haus Obermarkt 26 antrifft (er wohnt nicht dort), für den stellt der Görlitzer Anzeiger gern den Kontakt her.

Ach ja, und der Nudeltopf? Der köchelte vergessen die halbe Nacht vor sich hin und ward nie mehr geöffnet...

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  • Quelle: Thomas Beier | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 19.06.2016 - 09:29Uhr | Zuletzt geändert am 19.06.2016 - 10:55Uhr
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