Wo bleibt die Hygiene?

Wo bleibt die Hygiene?Görlitz, 22. September 2022. Von Thomas Beier. Unter vier Augen befragt versichern jeder und jede, der Hygiene große Aufmerksamkeit zu widmen. Die beobachtbare Praxis allerdings sieht völlig anders aus.

Abb.: Jedes Kind lernt, dass gründliches Händewaschen wichtig ist. Warum vergessen viele Erwachsene das wieder?

Foto: ivabalk, Pixabay License

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Selbst einfachste Hygieneanforderungen häufig missachtet

Eigentlich hat die Corona-Pandemie die Vorteile von mehr Hygiene und Ansteckungsschutz eindrucksvoll bewiesen: Vor allem die Mund-Nase-Bedeckungen und wohl auch häufigeres Händewaschen und die Nutzung von Desinfektions-Spendern haben zur Eindämmung der Pandemie beigetragen und etwa die gewohnte Grippesaison vollends ausfallen lassen.

Das aktuell einsetzende Herbstwetter – da sind sich alle Experten einig – wird die Infektionszahlen mit unterschiedlichen Viren wieder ansteigen lassen. Doch was machen die Görlitzer? "Was nicht zwingend vorgeschrieben ist, das ist nicht nötig", scheint die Devise zu sein. So kann jeder beobachten, dass etwa im Einzelhandel die Desinfektionsspender – wenn sie denn überhaupt funktionieren – kaum genutzt werden und auch die Träger einer FFP2-Maske sind eher Ausnahme als Regel.

Andere zeigen, wie man es besser macht

Offenbar gibt es einen Effekt des kollektiven Nicht-Lernen-Wollens: Wenn andere keine Schutzmaßnahmen ergreifen, dann brauche ich es auch nicht! Statt von asiatischen Gesellschaften, wo das Tragen einer Atemwegsbeweckung Ausdruck der Rücksicht auf andere ist, zu lernen, regiert Rücksichtslosigkeit insbesondere gegenüber vulnerablen Gruppen, die von Infektionen ganz besonders gefährdet sind.

Während in anderen Kulturen, etwa in den USA, seit jeher im öffentlichen Raum auf den Abstand zwischen Personen geachtet wird, ist in Ostdeutschland das schon immer unhöfliche Händeschütteln wieder eingezogen. Ja, unhöflich, denn die Etikette besagt: Ab fünf Personen gibt man sich nicht mehr die Hand. Doch offenbar ist es im Osten unausrottbar, dass auch in weit größeren Gruppen, etwa bei Vereinszusammenkünften, jeder jedem die Hand gibt.

Besondere Risiken in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen

Es ist nicht nachvollziehbar: Da wird etwa auch die Gefahr von Krankenhauskeimen diskutiert, man möchte nicht betroffen sein, aber auch Besucher in Krankenhäusern nutzen die dort aufgestellten Spender für die Handdesinfektion kaum. Das macht es gefährlichen Krankenhauskeimen wie Clostridium difficile – ein Merkblatt gibt Auskunft darüber – einfacher, sich zu verbreiten. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Einrichtungen der Altenpflege: Viele Besucher verhalten sich so, als ob ausgerechnet sie keine Krankheitserreger übertragen könnten. Welch eine Leichtfertigkeit!

Auf der Gegenseite arbeiten spezialisierte Anbieter, deren Ziel es ist, Infektionen – vor allem im Zusammenhang mit medizinischen Behandlungen – in Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu verhindern. So kann man im Hygiene Labor resistente Erreger nachweisen und mit dem gesammelten Knowhow zudem vorbeugend beraten. Außerdem können hier Risikopatienten auf multiresistente Erreger getestet werden. Erfolgversprechend ist vor allem das enge Zusammenwirken der Labore mit den Gesundheitsdienstleistern.

Tatsächlich sind Infektionen leichter möglich, als viele Laien glauben. Um sich das berüchtigte Norovirus – das ist die Kurzform des Norwalkvirus – einzufangen, reichen kleinste Mengen von infiziertem Kot oder Erbrochenem, die per Schmierinfektion weitergegeben werden. Kommt es zur Infektion mit dem Norovirus und den dadurch ausgelösten Brechdurchfall, so ist dagegen noch kein Kraut gewachsen: Wichtig sind vor allem die Flüssigkeitsaufnahme und strenge Hygiene.

Die Ferkel ansprechen

Im Alltag sind immer wieder haarsträubende Verhaltensweisen zu beobachten: In einem Discounter tastete ein schniefender und niesender Mann eine ganze Palette Tomaten ab, eher er sich dann für seine Auswahl entschied. Dass sich auf Toiletten in der Gastronomie die Hände oftmals nicht gewaschen werden, hat der Görlitzer Anzeiger schon mehrfach erwähnt. Offenbar hilft nur, in solchen Situationen die Leute direkt anzusprechen – peinlich ist das nicht allen Hygienesündern.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Czech / ivabalk, Pixabay License
  • Erstellt am 22.09.2022 - 12:48Uhr | Zuletzt geändert am 22.09.2022 - 13:16Uhr
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