Christopher-Street-Day und HIV

Christopher-Street-Day und HIVGörlitz, 4. August 2022. Von Tina Beier. "Um was geht es hier eigentlich?" - Diese Frage stellte ein Teilnehmer einer Parade zum Christopher-Street Day (CSD). Für den außenstehenden Betrachter allerdings ist das verwirrend: Kritisiert der Teilnehmer die Veranstaltung oder fühlt er sich nicht ausreichend über die Thematik informiert? Auf jeden Fall gibt es die kritische Auseinandersetzung von Demonstranten auch innerhalb der queeren Bewegung.

Abb.: Auf einer CSD-Parade in Hamburg

Foto: rihaij, Pixabay License (Bild beschnitten)

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Der Ursprung des Christopher-Street-Days

Am 28. Juni 1969 fand in der Stonewall Bar in der Christopher Street in New York eine sehr große Razzia der amerikanischen Polizei statt. Das Besondere an dieser Razzia war, dass Schwule und Lesben zum ersten Mal das gegen sie gerichtete diskriminierende Vorgehen nicht mehr akzeptierten und sich gegen die Staatsgewalt wehrten. Die später sogenannten Stonewallaufstände waren der Anlass, diesen ganz besonderen Tag zum Gedenk-, Fest- und Protesttag für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben zu erklären.

1984 schwappte diese Welle des Protestes über nach Europa. Damals fand am 29. Juni In der Wiener Innenstadt der erste “Gay Pride Day” im Zuge der “Warmen Woche” statt. Mittlerweile wird die Erinnerung an der CSD weltweit gefeiert, wenn auch nicht unbedingt im Juni. Allein in Deutschland sollen im Jahr 2022 an die 120 Demonstrationen stattfinden.

Die Beteiligung an den Paraden ist enorm

Die größte deutsche CSD-Parade findet nicht in der Bundeshauptstadt Berlin, wie man vermuten könnte, statt, sondern in Köln. Dort feierten zuletzt 950.000 Besucher selbstbewusst und in farbenprächtigen Kostümen den Christopher Street Day. Einer echter Hingucker, bei dem auch heterosexuelle Menschen nicht ausgeschlossen, sondern willkommen sind. Berlin zählte 600.000 Besucher, Hamburg 250.000, Stuttgart 200.000 und Frankfurt 60.000.

Die größte Parade Europas fand allerdings mit anderthalb Millionen Besuchern in Madrid statt; im brasilianischen São Paulo waren es gar um die drei Millionen Teilnehmer. Aber noch immer werden in einigen Ländern die Christopher-Street-Day Paraden verboten und Menschen mit diversen Geschlechtern politisch verfolgt.

Tipp:
Wer sich für den LSVD Sachsen interessiert, findet aus dessen Webauftritt Beiträge aus den Landesverbänden.

Sachsen feiert den Christopher-Street-Day

In Dresden findet die diesjährige Parade am 3. September 2022 statt. Sie startet um 12 Uhr am Terrassenufer und soll dort gegen 16 Uhr wieder enden. Das genaue Programm und die Forderungen des CSD Dresden findet man auf der Webseite des Verbandes.

Tipp:
Übersicht über die CSD Termine in Deutschland und weltweit


Leipzigs Parade fand bereits während einer Aktionswoche, die vom 8. Juli bis zum 16. Juli 2022 dauerte, statt und brachte es auf rund 20.000 Besucher. Der CSD Leipzig trat unter anderem mit der Forderung an, dass niemand körperliche, psychische, verbale, staatliche und/oder gesellschaftliche Gewalt befürchten sollen müsse. Außerdem wurde das Ende der Stigmatisierung und Diskriminierung von mit dem Human Immunodeficiency Virus (HIV) Infizierten sowie am Acquired Immunodeficiency Syndrome (AIDS, das erworbene Immunschwächesyndrom) Erkrankter gefordert.

Ein weiteres Anliegen, das bei CSD jedoch – wenn überhaupt – nur am Rande eine Rolle spielt, ist die Aufklärung zu Fragen rund um die Sexualität, insbesondere das richtige Verhalten angesichts der Infektionsgefahr mit HIV, Hepatitis und Geschlechtskrankheiten. In Görlitz etwa hat man den Welt-AIDS-Tag zum Anlass genommen, um Jugendliche der siebten Klassen den als “Besonders wertvoll” eingestuften Film "Fickende Fische" im Kino sehen zu lassen.

HIV und AIDS in Deutschland

Das Robert Koch Institut (RKI) hat genaue Daten darüber veröffentlicht und mitgeteilt, dass bis Ende 2019 die Anzahl der erkrankten Menschen in Deutschland auf 90.700 gestiegen ist.

Von den 90.700 Betroffenen wurde die Erkrankung mit dieser Infektion bei 10.800 Menschen bislang noch nicht festgestellt. Das stellt eine große Gefahr dar, denn die Sterblichkeit ist nach einer Spätdiagnose sehr viel höher und das Virus kann ohne das Wissen des bereits Infizierten weitergegeben werden.

Tipp:
Ansprechpartner für Fragen zu HIV und AIDS ist die Deutsche Aidshilfe, die zudem über Hepatitis und Geschlechtskrankheiten informiert.


380 Menschen sind im Jahre 2019 an der von HIV ausgelösten AIDS-Erkrankung verstorben. Eine steigende Tendenz haben Neuinfektionen auf heterosexuellem Weg, hier infizierten sich 650 Menschen binnen Jahresfrist. Weitere 360 Menschen infizierten sich durch nicht sterile Spritzen beim Gebrauch intravenöser Drogen; auch hier wächst die Zahl tendenziell weiter. Tendenz steigend. Anders bei Männern, die Sex mit Männern haben, hier gab es 1.500 neuinfizierte bei stark sinkender Tendenz.

Auf die HIV-Infektion testen

Immer wieder gibt es Situationen, nach denen Zweifel aufkommt, ob man sich infiziert hat, gerade wenn es um neue Partner oder riskante Sexualpraktiken geht. Dann ist es lebenswichtig, eine eventuelle Ansteckung mit dem HI-Virus schnell zu erkennen: Bei frühzeitiger Behandlung der Infektion kann der Ausbruch von AIDS grundsätzlich verhindert werden, bei einer unbehandelten Infektion hingegen beträgt die Lebenserwartung lediglich noch rund acht bis vierzehn Jahre.

Ähnlich wie bei Covid-19 steht ein unkomplizierter und sicherer HIV Selbsttest auf Speichelbasis zur Verfügung, der schnell Klarheit verschaffen kann. Seine Genauigkeit beziehungsweise Spezifität liegt bei 99,8 Prozent und die Sensitivität beträgt 100 Prozent. Das bedeutet, nur bei 0,2 Prozent der Auswertungen schlägt der Text falschen Alarm, andererseits werden Infektionen zuverlässig stets erkannt.

Auf einen Blick

Das Eintreten von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen – kurz LSBTI – gegen Diskriminierung hat zunehmenden Erfolg, das Verständnis für die ganze Bandbreite geschlechtlicher und sexueller Orientierungen in der Gesellschaft wächst. Nicht nachgelassen werden darf dabei im Bemühen, über sexuelle Risiken aufzuklären und an die Verantwortung jedes Einzelnen zu appellieren.

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  • Quelle: Tina Beier | Foto: Deutsch / rihaij, Pixabay License
  • Erstellt am 04.08.2022 - 07:50Uhr | Zuletzt geändert am 04.08.2022 - 08:41Uhr
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