Europamedaille an Zglobicki und Krick

Görlitz-Zgorzelec. Am Donnerstag, dem 6. Mai 2010, kamen die Stadträte von Görlitz und Zgorzelec im Görlitzer Rathaus zu ihrer ersten gemeinsamen Stadtratssitzung in diesem Jahr zusammen. Im Mittelpunkt der Arbeitsgespräche standen die Fortschritte bei der Entwicklung von Strategien für die wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit in der Europastadt. Die Stadträte ehrten zudem verdiente Persönlichkeiten mit der Europamedaille 2010.

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Projekte für Landesausstellung liegen im Plan

In ihren Eröffnungsansprachen verdeutlichten der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick und sein Zgorzelecer Amtskollege Rafał Gronicz die große Bedeutung der gemeinsamen Stadtratssitzungen als Anlass für alle politisch Verantwortlichen in der Europastadt, die guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu pflegen und weiter auszubauen.

Mehr als Symbolpolitik

Mit zahlreichen Beispielen aus der Bürgerschaft, der Verwaltungszusammenarbeit und von gesellschaftliche Institutionen zeichneten beide Stadtoberhäupter ein ermutigendes Bild der gemeinsamen Anstrengungen, um Europa konkret und vor Ort erlebbar zu machen. So ist der enge Kontakt zwischen den Berufsfeuerwehren ein Beleg dafür, dass es in der Europastadt mittlerweile "um mehr als um reine Symbolpolitik" gehe, auch zahlreiche bürgerschaftliche Initiativen arbeiten grenzüberschreitend und auch mit den jeweiligen Verwaltungen zusammen, beispielsweise "Frauen auf dem Weg nach Europa e.V.", der "Ideenfluss e.V.", der "Meeting Point Messian" oder auch der "Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec e.V. (FVKS)". In der regelmäßig tagenden Steuerungsgruppe beider Städte, dem so genannten Lenkungsaussschuss, werden zudem aktuelle Themen der Wirtschafts- und Kulturpolitik in der Europastadt erörtert.

Arbeitsgruppen aktiv

Um die gemeinsame Wirtschafts- und Kulturpolitik voran zu bringen, richteten beide Städte im vergangenen Herbst zwei Arbeitsgruppen ein, die sich fortan mit Details der Thematiken beschäftigen und auf Basis einer Situtionsanalyse nunmehr Vorschläge zur besseren Koordination und Umsetzung von Aktivitäten auf beiden Seiten der Neiße erarbeiten. Entsprechend berichteten anlässlich der gemeinsamen Stadtratssitzung die Sprecher der Arbeitsgruppen, der Geschäftsführer der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH Lutz Thielemann ("Wirtschaftsentwicklung"), sowie der Leiter des Lausitz-Museums (Muzeum Łużyckie) Piotr Arcimowicz ("Kulturstadt") über den aktuellen Stand.

Beide verdeutlichten sehr konkret die Fortschritte, aber auch die aktuellen Problemlagen in der Zusammenarbeit beider Stadthälften. Noch bessere Information und Kommunikation zwischen den Verantwortlichen, das seien die Herausforderungen für ein Gelingen der gemeinsamen europastädtischen Wirtschafts- und Kulturpolitik, so Thielemann und Arcimowicz unisono und nannten Beispiele.

Alles im Plan für die Landesausstellung

Die 3. Sächsische Landesausstellung unter dem Motto "viaregia - 800 Jahre Bewegung und Begegnung" soll vom 21. Mai bis zum Reformationstag, dem 31. Oktober 2011, die Europastadt in Bewegung bringen. Projektleiterin Bettina Probst von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die im Auftrag des Freistaates Sachsen die offizielle Ausstellung konzipieren und federführend umsetzen, berichtete über aktuelle Entwicklungen und den Stand der Planungen.

Sehr zur Freude von Oberbürgermeister Paulick und Kulturbürgermeister Dr. Michael Wieler liegen die Arbeiten am Kaisertrutz und die Kooperationsprojekte mit Akteuren aus der Europastadt im Plan.

Weiter vertieft werde die Einbindung der Zgorzelecer Seite, so Bettina Probst. Hierzu setze sie in Kürze die Reihe der Konsultationen mit der Stadtverwaltung Zgorzelec und weiteren Akteuren zielorientiert fort, denn ein wichtiges Ziel der Ausstellung sei es, den Bogen vom Mittelalter bis zum heutigen Verständnis konkret vor Ort zu ermöglichen.

Begelitprogramm von Landkreis und Stadt

Ein wichtige Rolle spiele hierbei auch das Begleitprogramm zur offiziellen Ausstellung, das der Landkreis und die Stadt Görlitz derzeit unter Einbindung der Bürgerschaft vorbereiten. Hierzu hatte der Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec e.V. (FVKS) einen Ideenwettbewerb durchgeführt, bei dem die Einreichfrist für Vorschläge am 30. April mit 66 Einsendungen aus der Euroregion endete.

Engagement gewürdigt

Zum Ende der gemeinsamen Sitzung Görlitzer und Zgorzelecer Stadträte wurden Persönlichkeiten geehert, die sich mit ihrem Wirken um die Europastadt verdient gemacht haben. Die Europamedaille, verbunden mit Ehrentitel „für Verdienste um die Europastadt Görlitz-Zgorzelec“ wird von beiden Städten seit dem Jahr 2005 numehr zum sechsten Mal vergeben. In diesem Jahr erhielten den Ehrenpreis Prof. Dr. Matthias Krick, Vorstand des Fördervereins Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec e.V., und Prof. Roman Zglobicki, auf der Kenntnisse über das Kriegsgefangenenlager Stalag VIII A zu Tage brachte. Der Begriff "Stalag" entstammt dem nationalsozialistischen Sprachgebrauch und steht für "Mannschaftsstamm- und Straflager”, die entsprechend der 2. Genfer Konvention eingerichtet wurden.

In seiner Laudatio für Roman Zglobicki hob der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick auch das Lebenswerk des pensionierten Zgorzelecer Lehrers hervor. Eine Lebensleistung, vor der sich der gesammte Saal demonstrativ verneigte.

Das Zgorzelecer Stadtoberhaupt Rafał Gronicz würdigte bei seiner Ansprache zu Ehren von Matthias Krick dessen jahrelangen Einsatz für viele deutsch-polnische Projekte, die durch den Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec e.V. initiiert, mit vielen Partnern gemeinsam durchgeführt und unterstützt wurden. In seiner sehr emotionalen Dankesrede zeigte der mittlerweile achzigjährige Roman Zglobicki die Perspektiven für Görlitz-Zgorzelec auf: Europa.Konkret.Gemeinsam, Matthias Krick nickte sichtlich berührt.


Mehr:
http://www.viaregia.europastadt.org).

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  • Quelle: red
  • Erstellt am 10.05.2010 - 14:42Uhr | Zuletzt geändert am 10.05.2010 - 15:16Uhr
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