Kunst auf dem Friedhof
Görlitz. Wer in diesen Tagen über den Städtischen Friedhof in Görlitz geht, wird vielleicht eine Frau bemerken, die, mit einer Schubkarre ausgestattet, über den Friedhof zieht und Zweige sammelt. Hauptsächlich werden es heruntergefallene Lindenzweige sein. Der Name der fremden Frau ist Evette Sunset und was sie tut, soll ein Kunstwerk werden.
Australische Künstlerin arbeitet auf dem Städtischen Friedhof in Görlitz
„Evette kommt aus Adelaide in Südaustralien. Ich habe sie dort im botanischen Garten kennengelernt, als sie dabei war, Skulpturen aus Naturmaterialien zu bauen - interessante Kunstwerke aus herabgefallenen Zweigen und Blättern, Früchten und Samenkapseln. Jetzt ist Evette für drei Monate in Europa und macht bis Ende Juli Halt in Görlitz und Königshain.“, berichtet Evelin Mühle, Leiterin des Eigenbetriebes Städtischer Friedhof.
Ein Spaziergang in der vergangenen Woche über den Friedhof, einen Ort, der sich in Deutschland so ganz von vergleichbaren Orten in Australien unterscheidet, inspirierte sie zu einer Idee, die sie nun - ohne Geld dafür zu bekommen - umsetzen will. Ihre Arbeit wird aus mehreren Kreisen bestehen, die alle zusammen einen Zyklus ergeben, einen großen Kreis. Jeder Kreis ist wichtig, gehört er doch zum Ganzen. Und viele Gedanken kann man damit verbinden: Tage und Nächte fügen sich zur Woche, zum Monat, zum Jahr . . . jedem noch so kalten Winter folgt ein Frühling . . . ein kleines Samenkorn wird zum großen Baum und trägt wieder Früchte . . . den eigenen Gedanken sind keine Grenzen gesetzt. Auch unser Leben selbst ist wie ein Kreis, der sich irgendwann vollenden wird. Evette nennt ihre Arbeit: „In the house of my father there are many rooms“ – „Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen“ (Johannes, 14, 2)
Die Skulptur soll im Urnenhain des Friedhofes aufgebaut werden, unterhalb des Krematoriums, wo aus Terrassen und Treppen, Wiesen und gepflegten Gräbern eine ganz besondere Landschaft entstanden ist. „Evette spricht natürlich englisch. Aber seit einigen Tagen lernt sie auch deutsche Wörter und wendet sie an. Fragen Sie sie also: What are you doing here? Und wenn Evette Sie dann anschaut mit ihren braunen Augen und dem aufgeschlossenen Lächeln im Gesicht, dann wird sie gar nicht mehr fremd sein, obwohl sie englisch spricht.“, erklärt Evelin Mühle.
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- Quelle: /StVGR
- Erstellt am 19.07.2006 - 13:49Uhr | Zuletzt geändert am 19.07.2006 - 13:49Uhr
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