Auf dem Weg zur Kulturhauptstadt Europas
Vielleicht gehören Sie ja zu jenen, die es noch heute bereuen, sich am Tag des Mauerfalls nicht ins Auto gesetzt zu haben und nach Berlin gefahren zu sein.
Sie bekommen eine neue Chance: Kommen Sie nach Görlitz.
Einladung in die Stadt, in der sich aus dem alten Europa das neue Zusammenleben kristallisiert
Was ist es, das Görlitz/Zgorzelec so spannend macht? Nirgends prallen das „alte“ (West)Europa und „junge“ Europa(Ost) so unvermittelt aufeinander. Gehen Sie über eine der Stadtbrücken. Nein, da kommen Sie nicht einfach aus Deutschland und da gehen Sie nicht einfach nach Polen.
Der deutsche Teil der Doppelstadt vermittelt mit seiner von der „Görlitzer Renaissance“ geprägten Altstadt italienisches Flair, und der polnische Teil, das heutige Zgorzelec, da spüren Sie sofort das osteuropäische Lebensgefühl. Hier ist die Straße nicht nur verkehrs-, sondern vor allem auch Lebensraum, hier wirbt der Händler lauthals persönlich um seine Kunden und die Werbeschilder an den Häusern scheinen greller als gewohnt. Vielleicht ist dieser Eindruck einer etwas anderen Lebensart besonders stark, weil es hier keine „Alteingesessenen“ gibt - die Menschen wurden aus den Gebieten gebracht, die nach dem Krieg an die Russen fielen, dazu tausende Griechen, die als Asylanten kamen.
Baulich ist Görlitz/Zgorzelec dem Krieg entgangen und heute weitgehend restauriert,
das macht es sehenswert. Liebenswert wird es durch die Menschen. Im deutschen Stadtteil leben heute neben den Alt-Görlitzern allesamt Flüchtlinge: Die Kriegsflüchtlinge aus Schlesien, Ostpreußen und Galizien, und nach ´89 auch die Wirtschaftsflüchtlinge aus den alten Bundesländern, auf der Flucht vor eingefahrenen Gleisen und Karrierestau. Alle haben sie ihre Chance in Görlitz gesucht und irgendwie auch gefunden.
Die Stadt profitierte schon immer von den Zugereisten, während die Einheimischen oftmals lieber „fortmachten“. Das war das geflügelte Wort vor der Wende des Jahres ´89. Wer heute hier wohnt, will nicht mehr weg: Gebunden durch Immobilien, Alter, Gewohnheit. Oder aus Liebe zu dieser Stadt und zu der sie umgebenden Landschaft.
Diese Landschaft. Wo schon finden Sie hohe Gebirge, romantische Flusstäler und die endlose Weite der Heide und Teichlandschaft so eng beieinander? Und all das ohne Massentourismus und Verkehrsstau? Ein Landstrich mit verwunschenen Schlössern und einer Kultur, die schon immer nur das Erlesene gelten ließ.
Zurück nach Görlitz/Zgorzelec, von wegen nur deutsch und polnisch. Da ist auch das Heilige Grab, originaler als das Original, weil seit einem halben Jahrtausend unverändert. Willkommen also auch in Jerusalem. Und da ist die Synagoge, unzerstört. Merke: In Görlitz ließ man sich noch nie die Substanz von der Politik kaputt machen.
Während in Görlitz die Wirte in den Hallenhäusern und Kellern der Altstadt den Gast die Zeit vergessen lassen sind es in Zgorzelec die kleinen Kneipen am Neißefluss, der die Stadt noch trennt und doch Bindeglied zugleich ist. Bei Pirogen und polnischem Bier hinüber schauen auf das alte Europa; der ungewohnte Blickwinkel macht bewusst, was „Osterweiterung“ bedeutet. Kulturhauptstadt Europas 2010 - die gemeinsame Bewerbung von Görlitz und Zgorzelec ist Ausdruck eines neuen Selbstverständnisses.
Fast müßig zu erwähnen, dass die touristische Infrastruktur stimmt. Das beste Radwegenetz. Kleine Hotels und Pensionen. Renaissance und Gründerzeit, Besinnlichkeit und Aufbruch.
Folgen Sie einfach der alten Handelsstraße nach Osten, der via regia. Sie wollen doch nichts verpassen, oder?
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- Quelle: tb
- Erstellt am 03.03.2006 - 01:17Uhr | Zuletzt geändert am 03.03.2006 - 01:26Uhr
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