Sanierungs- und Neubaustau am Wohnungsmarkt in Görlitz
Görlitz, 17. November 2025. Das Pestel‑Institut legt eine neue Wohnungsmarkt‑Untersuchung für den Kreis Görlitz vor. Im Landkreis gibt es rund 95.200 Wohnungen, die älter als 55 Jahre sind – das entspricht etwa 65 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes. Der Neubau und die Sanierung verlaufen nach Einschätzung der Forscher „mit angezogener Handbremse“.
Wenn Bauen so kinderleicht wäre: Das Sanieren und Bauen von Wohnungen ist im Landkreis Görlitz vor allem teuer und kompliziert.
Foto: Tobias Seifert
Altbestand, Rückgang der Haushalte und sinkende Erwerbsfähigkeit
Damit im Landkreis Görlitz wieder mehr Wohnungen saniert und auch gebaut werden können: „Günstige Baukredite vom Bund mit höchstens 2 Prozent Zinsen. Dazu das komplette Abräumen aller Auflagen und Vorschriften, die der Bund dem Wohnungsbau in den letzten 10 Jahren verordnet hat. Dann kommt auch im Landkreis Görlitz der Wohnungsbau wieder in Gang“, sagt Katharina Metzger vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB).
Foto: Tobias Seifert
Die Studie zeigt, dass viele Wohnungen im Kreis Görlitz vor 1970 errichtet wurden – damit gelten sie nach heutiger Definition als „Ü55‑Wohnungen“. Ein Großteil dieser Bestände brauche dringend eine Sanierung. Gleichzeitig prognostiziert das Institut, dass die Zahl der Haushalte in den nächsten 15 Jahren um rund 8.000 sinken wird – das sind etwa 6 Prozent weniger gegenüber heute.
Die Zahl der Erwerbsfähigen werde im gleichen Zeitraum um rund 23 Prozent auf voraussichtlich 103.100 Menschen zurückgehen. Parallel werden im Jahr 2040 etwa 73.200 Menschen im Rentenalter erwartet, was rund 37 Prozent der Bevölkerung des Landkreises entspricht.
Neubau, Leerstand und Sanierung – Handlungsbedarf erkannt
Im Landkreis stehen laut Untersuchung etwa 12.400 Wohnungen seit einem Jahr oder länger leer. Viele dieser Wohnungen eigneten sich nicht wirtschaftlich zur Sanierung – für sie komme nur Abriss und Neubau in Frage. Die Autoren stellen fest, dass sowohl Sanierung als auch Neubau „mit angezogener Handbremse“ liefen. Die Forscher sehen daher einen dringenden politischen Handlungsspielraum:
Ein zentrales Instrument sei günstiges Baugeld. Das Pestel‑Institut verlangt ein Zinsprogramm des Bundes mit maximal 2 Prozent Zinsen für Baufinanzierungen, um private Hausbesitzer, Bauherren und Investoren wieder zu motivieren.
Zudem kritisieren die Wissenschaftler die Vielzahl der Vorschriften der letzten zehn Jahre. „Wenn der Bund alle Auflagen und Vorschriften der letzten zehn Jahre komplett zurücknehmen würde, dann könnten … deutlich mehr Wohnungen saniert und neu gebaut werden“, heißt es. Teilweise führten überzogene Energiespar‑Auflagen zu deutlich höheren Wohnkosten bei nur geringer Umweltwirkung.
Branche fordert stärkere Signale der Politik
Die Analyse wurde im Auftrag des Bundesverband Deutscher Baustoff‑Fachhandel (BDB) erstellt. Dessen Präsidentin, Katharina Metzger, kritisiert, dass bei der aktuellen Bundesregierung zu wenig in Sachen Wohnungsbau passiere: Die angekündigten Maßnahmen wirkten nur mittel‑ bis langfristig, während kurzfristige Effekte fehlten. Die Baustoff‑Branche warne, dass ohne eine deutliche – und schnelle – Aufbruchsstimmung der Wohnungsbau weiter absinken werde: „Bauunternehmen gehen in die Insolvenz. Bauarbeiter verlieren ihre Jobs“, so Metzger.
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- Quelle: red / PM Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB)
- Erstellt am 17.11.2025 - 10:19Uhr | Zuletzt geändert am 17.11.2025 - 10:25Uhr
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