Totengedenken in Görlitz
Görlitz, 15. November 2018. Seit fast 40 Jahren laden die Mitarbeiter des Städtischen Friedhofes Görlitz anlässlich des auch Totensonntag genannten Ewigkeitssonntags zu einer Gedenkfeier ein. Die ursprünglich sehr weltlich orientierte Feierstunde, zu der nur wenige Leute kamen, hat sich über die Jahre etabliert: Familien, die im zurückliegenden Jahr jemanden verloren haben, sind genauso dabei wie Menschen, die gerne immer wieder kommen, weil sie wissen, dass ihnen Worte und Musik guttun. Es sprechen Pfarrer und andere Redner, Stadträte und Politiker über Leben und Sterben und das, was sie bewegt an diesem Tag. Im vergangenen Jahr war statt einer Rede das Literaturtheater Dresden zu Gast. Es ist tröstlich, an diesem Tag innezuhalten, sich zu besinnen, zu erinnern, ja, auch dankbar auf gemeinsam verbrachte Zeit zurück zu blicken.
Tod & Technik
Viele Friedhofsbesucher verbinden den Gang zu den Gräbern an diesem Tag mit der Feierstunde im Krematorium. Bereits vor Beginn erklingt festliche Bläsermusik durch zwei Bläserchöre – im Wechsel, damit die einen die Hände ein wenig wärmen können, während die anderen spielen. Und wer schon immer wissen wollte, was in einem Krematorium passiert, ist um 11 Uhr zu einem Blick hinter die Kulissen – dorthin, wo für Besucher sonst kein Zutritt ist – eingeladen. "Wir nennen die Führung seit vielen Jahren Tod und Technik", so Evelin Mühle, die Leiterin des Eigenbetriebs Städtischer Friedhof Görlitz.
Die konfessionellen Totengedenktage sind Allerheiligen am 1. November, Allerseelen als Tag des Gedenkens an alle verstorbenen Gläubigen am 2. November und der Ewigkeitssonntag, der 2018 auf den 25. November fällt. Der Volkstrauertag als staatlicher Gedenktag, begangen zwei Sonntage vor dem 1. Advent (im 2018 also am 18. November) dient dem Gedenken an die Kriegstoten und die Opfer von Gewaltherrschaft aller Nationen, in jüngerer Zeit werden auch die Opfer terroristische Anschläge einbezogen. Entgegen der häufig anzutreffenden Auslegung dient der Volkstrauertag längst nicht mehr der Ehrung, sonden dem Gedenken und der Trauer, verbunden mit der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern.
Beisetzung der Sternenkinder
Auf dem Städtischen Friedhof zu Görlitz gibt es eine weitere Zeremonie: Die Beisetzung der Urne mit den Sternenkindern, die bei ihrem Tod weniger als 500 Gramm wogen, und das Gedenken an verstorbene Kinder, von den ganz kleinen bis zu den großen, am 1. Advent. Gemeinsam mit Mitarbeitern des Hospizdienstes wird für Eltern, Geschwister, Großeltern und Freunde eine Feierstunde mit guten Worten und Musik und meist auch etwas zum selber tun ausgerichtet. Dieses Selbertun ist für Herz, Kopf und Hände gut und hilft in der Trauer. Tröstlich für Betroffene ist das Erlebnis, dass auch andere Familien das gleiche Schicksal teilen. Seit vor einigen Jahren der Platz in der kleinen Feierhalle zu eng wurde, findet die Veranstaltung in der großen Feierhalle statt. Für die Angebörigen ist es gut zu wissen, wo ein Sternenkind seinen Platz auf dem Friedhof hat.Ein guter Brauch ist es, nach einer Trauerfeier noch ein wenig beieinander zu bleiben und nicht gleich alleine nach Hause zu gehen. Hospizdienst und Friedhofsmitarbeiter laden deshalb nach der Beisetzung der Sternenkinder am 1. Advent zum Zusammensein bei Kaffee, Tee und Kuchen ein.
Totensonntag, 25. November 2018
- 11 Uhr: "Tod & Technik"
Führung durch das Krematorium mit Besichtigung des Anbaus und der Einäscherungsanlage - 13.30 Uhr: Festliche Bläsermusik am Krematorium
- 14 Uhr: Gedenkfeier zum Totensonntag, gestaltet von Felicitas Baensch und Evelin Mühle
Sonntag, 2. Dezember 2018
- 14 Uhr: In der großen Feierhalle des Krematoriums Gedenkfeier für verstorbene Kinder und Beisetzung der Urne mit den Sternenkindern, im Anschluss tröstliches Zusammensein bei Kaffee, Tee und Kuchen
Ergänzung durch die Redaktion:
Falls der Besuch des Grabs vor Ort entfernungsbedingt nicht möglich ist, kann dennoch aus der Ferne an die Verstorbenen gedacht werden. Tipps für das Gedenken am Totensonntag aus der Ferne erhalten Sie hier.
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- Quelle: red | Foto: Martin Eichler
- Erstellt am 15.11.2018 - 11:40Uhr | Zuletzt geändert am 21.07.2021 - 15:16Uhr
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