Kulturinsel Einsiedel in Insolvenz - Freizeitpark und Holzgestaltung arbeiten weiter

Kulturinsel Einsiedel in Insolvenz - Freizeitpark und Holzgestaltung arbeiten weiterKulturinsel Einsiedel, 1. Februar 2013. Im Guten wie im Schlechten kennt man in der Wirtschaft selbstverstärkende Prozesse. Bei der Kulturinsel Einsiedel, die als Wirtschaftsbetrieb mit der Fa. Künstlerische Holzgestaltung Jürgen Bergmann in einem Boot sitzt, kam es Schlag auf Schlag: Hohe Investitionen in das KRÖNUM, ein ins Wasser gefallenes FOLKLORUM, Aufträge, deren Abwicklung sich schwierig gestaltete. Nun das Unausweichliche: Der durch Gründer, spiritus rector und Inhaber Jürgen Bergmann am 31. Januar 2013 beim Amtsgericht Dresden - trotz guter Auftragslage - gestellte Insolvenzantrag.

Gleich neben der Kultuirinsel Einsiedel befindet sich der östlichste Punkt Deutschlands

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Bergmann: "Ich wollte nie ein Kapitalistenschwein sein!"

Bergmann: "Ich wollte nie ein Kapitalistenschwein sein!"

Überraschung, Spaß und einzigartige Erlebnisse – dafür steht die Kulturinsel Einsiedel

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Thema: Turisede

Turisede

Die frühere Kulturinsel Einsiedel ist inzwischen aufgegangen in der Geheimen Welt von Turisede, dem wenige Kilometer nördlich von Görlitz gelegenen Ferienresort für Abenteuer und Kultur für Kinder und Erwachsene. Hier gibt es viele Übernachtungsmöglichkeiten, vom 1. Deutschen Baumhaus-Hotel bis zum Vögelbaumbett und zum Campingplatz. Einige der Angebote: Das KRÖNUM ("Theater zum Essen"), Spiellandschaften, Turisede-Museum, Zauberschloss, Geheimgänge, Schatzsucherspiel, Piratenschiff, Feuerschenke, Galeriecafé, Erlebnisdorf Bielawa Dolna mit Seh-Café und geheimem VERSTECKUM, Baumhausgalerie u.v.a.m. Thematische Höhepunkte sind das Auenlandorakel und die Feuerlohen der Wünsche zur Sommensonnenwende, das FUNKELORUM zur Walpurgisnacht, das FOLKLORUM – Festival der Turisedischen Festspiele, das HÖLLOWUM und das SPIELUM.

Ältere Beiträge:

Zuletzt war Bergmann durch einen Beitrag in einer lokalen Zeitung ins Gerede gekommen, in dem – in völliger Verkennung der Situation – der Eindruck eines ausbeuterischen Arbeitgebers erweckt wurde. In einem daraufhin mit dem Görlitzer Anzeiger geführten Gespräch schilderte Bergmann den Ernst der wirtschaftlichen Lage und sein Bestreben, die Arbeitsplätze auf der Kulturinsel Einsiedel für die Mitarbeiter unbedingt zu erhalten.

Für ihn selbst war das ein tiefer innerer Konflikt: Einesteils die Verantwortung für die Mitarbeiter, andererseits der Zwang, um jeden Preis Kosten zu sparen, um finanzielle Liquidität zu gewinnen. Das kennt jeder Betriebswirt als das kleine EInmaleins: Liquidität erhöhen lässt sich am wirkungsvollsten durch rapide Einsparungen bei Löhnen und Gehältern und die verzögerte Bezahlung von Lieferantenrechnungen. "Ich wollte nie ein Kapitalistenschwein sein", sagte Bergmann damals, als es unter dem Druck der Sachzwänge um den Erhalt des Betriebes insgesamt ging.

So gesehen dürfte die heute beantragte Insolvenz ein Befreiungsschlag sein, die Chance für einen Neuanfang.

Betrieb der Kulturinsel Einsiedel läuft weiter

Das vorläufige Insolvenzverfahren über das Vermögen von Jürgen Bergmann als Inhaber der Firmen Künstlerische Holzgestaltung Bergmann und Kulturinsel Einsiedel ist vom Amtsgericht Dresden Donnerstag, dem 31. Januar 2013, eröffnet worden. Vom Gericht wurde der Rechtsanwalt Lars Birkigt , ein ausgewiesener Sanierungsexperte von der Kanzlei Heumann Rechtsanwälte aus Dresden, zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Arbeitnehmer sollen schnellstmöglich Geld bekommen

Birkigt hat heute mittag die Mitarbeiter der Kulturinsel über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens, den weiteren Verfahrensablauf sowie über den Stand der seit zehn Tagen fälligen Löhne informiert. Und Birkigt traf eine für die Arbeitnehmer wichtige Aussage: "Hinsichtlich der Lohnzahlungen bin ich bereits im Gespräch mit der Bundesagentur für Arbeit. Ich möchte eine Vorfinanzierung der fälligen Löhne durch die Bundesagentur erreichen, damit schnellstmöglich die Arbeitnehmer ihr Geld bekommen.“

Hohe Verluste – Freizeitpark und Restaurant arbeiten wie gewohnt weiter

Die Verluste resultieren aus größeren Bauprojekten und summieren sich auf mehrere hunderttausend Euro. Da Bergmann sein Geschäft als Einzelunternehmer nach und nach aufgebaut hat, sind die Kulturinsel Einsiedel und die Künstlerische Holzgestaltung rechtlich nicht voneinander getrennt.. Deswegen erstrecke sich das Insolvenzverfahren automatisch auch auf den Freizeitpark, erläutert Birkigt. Es geben jedoch keinerlei Einschränkungen bei den Angeboten des Freizeitparks, der erstmalig in diesem Winter das Baumstammlokal und den Skulpturenpark geöffnet hält und an den Wochenenden zu Veranstaltungen einlädt.

Ziel: Sanierung

"Wir werden den Geschäftsbetrieb des Freizeitparkes und des Restaurants wie gewohnt fortsetzen“, stellt Sanierer Birkigt nochmals klar. Ziel sei, die Sanierung des Unternehmens im Zuge des Insolvenzverfahrens zu erreichen. Seine Referenzen deuten darauf hin, dass dieses Ziel durchaus realistisch ist.

Auftragsbuch ist gut gefüllt


Birkigt weiter: "Nach meinen ersten Erkenntnissen ist das Auftragsbuch der Künstlerischen Holzgestaltung sehr gut gefüllt. Deshalb muss ich zunächst prüfen, wie das Unternehmen in die Schieflage gekommen ist und wie wir diese wieder beheben.“ Unterm Strich kamen die Künstlerische Holzgestaltung und der Freizeitpark im Jahr 2012 auf einen Umsatz von insgesamt etwa sieben Millionen Euro.

Der Selfmade-Man


Angefangen hat Jürgen Bergmann am 1. Juli 1990 als Kleinunternehmer. Er hatte die Zeichen der Zeit erkannt und sich auf thematische Spiellandschaften für Gemeinden, Zoos und Freizeitparks konzentriert. Der Erfolg gab ihm recht, 1992 eröffnete Bergmann die Kulturinsel Einsiedel, die sich von einer anfänglichen Produktschau zu einem beliebten Abenteuer-Freizeitpark entwickelte.

Der schließlich 50.000 Quadratmeter große Freizeitpark, an der Neiße zwischen Görlitz und Rothenburg/O.L. gelegen, erhielt im jahr 2006 den Deutschen Tourismuspreis. Viele höchst kreative und verrückte Ideen locken Besucher immer wieder auf die Kulturinsel Einsiedel, um Neues zu entdecken. Hier ist auch das "Erste Deutsche BH-Hotel" (BH = Baumhaus) entstanden.

Der Sanierer

Lars Birkigt ist als Rechtsanwalt seit 2006 als Fachanwalt für Insolvenzrecht und als Insolvenzverwalter tätig und widmet sich der Sanierung von zahlungsunfähigen Unternehmen.

Die Kanzlei Heumann Rechtsanwälte umfasst insgesamt vier Rechtsanwälte und 18 Mitarbeiter, die in Büros in Dresden, Leipzig und Chemnitz arbeiten. Ein weiteres bekanntes Unternehmen, das aktuell von der Kanzleich betreut wird, ist die Sächsische Sandsteinwerke GmbH aus Pirna.


Kommentar:

Das ist Wirtschaft, das ist der Kapitalismus – der starke Triebkräfte freisetzt, aber auch allem Handeln seine Regeln aufzwingt. Genau das hat der Holzgestalter und Freizeitdienstleister Jürgen Bergmann zu spüren bekommen. Ein Mann mit der begnadeten Fähigkeit, Visionen zu entwickeln, Träume wahr werden zu lassen, Menschen zu begeistern.

Die jetzt eingeleitete Insolvenz ist die Lektion, auf deren Wirkung hin ein gesundetes Unternehmen entstehen wird, das Mitarbeiter wieder sicher in Lohn und Brot, wie man so schön sagt, bringen wird.

Was können Sie dafür tun? Gehen sie wieder - oder zum ersten - mal ins Baumstammlokal, besuchen Sie das fantastische KRÖNUM und betten Sie sich im Ersten Deutschen BH-Hotel - denn ohne alles das würde uns etwas Wichtiges fehlen,

meint Ihr Thomas Beier


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  • Quelle: red / Kommentar: Thomas Beier | Fotos: BeierMedia.de
  • Erstellt am 01.02.2013 - 19:25Uhr | Zuletzt geändert am 10.06.2020 - 10:35Uhr
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