Böttcher und Fischer sensibilisieren schon morgens für die Bierflasche

Dresden. "Kunde, hilf!", so der Ruf der kleinen und mittleren sächsischen Brauereien. Einst war die Standardisierung der Bierflasche samst kompatiblem Kasten eine vernünftige Errungenschaft, die nicht nur Kosten - die zum Schluss der Bierfreund zahlen müsste - spart, sondern auch ökologisch sinnvoll ist. Doch einige Branchengrößen stören das System durch eigene Flaschenkreationen, die aufwendig aussortiert werden müssen. Logisch, dass die Belastung daraus um so gravierender wird, je kleiner die Brauereien sind - bis hin zur Existenzbedrohung. Bier ist Kulturgut, aber nur so lange, wie kleinere Brauereien für Vielfalt sorgen. Um das zu erhalten, sollten Biertrinker ihre Kästen sortiert nach den zugehörigen Flaschen zurückgeben.

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Sächsischer Brauerbund startet Kampagne

Damit die Botschaft ankommt, hat sich der Sächsische Brauerbund mit dem Radiosender R.SA inklusive den als BöFi bekannten Blödelsachsen "Böttcher und Fischer" ein zielgruppenrelevantes Medium ausgesucht. Die Promotion unter dem Titel „Sortier dein Bier“ läuft vom 2. bis zum 15. Juli 2012 und soll die Sachsen schon am Morgen auf das Thema Bierflasche sensibilisieren. Ziel: In Zukunft soll möglichst jede leere Flasche schon beim Biertrinker im Kasten der jeweiligen Herstellerbrauerei landen.

Kleiner Aufwand - große Hilfe

Was dem einzelnen Leerflaschen-Bierkastenbefüller belanglos erscheinen mag, ist für die Sächsischen Brauer durchaus ein Riesenproblem. Der Präsident des Sächsischen Brauerbundes Steffen Dittmar, der in seiner Bergquell Brauerei Löbau vor Jahren selbst in eine teure Flaschensortieranlage investiert hat, glaubt an den Erfolg der Brauer-Kampagne: „Wir wollen mit unserem Problem viele Verbraucher erreichen. Und die Böfis treffen genau den richtigen Ton. Durchaus mit bierernstem Hintergrund, aber nicht lehrerhaft soll unsere Botschaft ankommen." Zielrichtung sei es, den sinnlosen zusätzlichen Aufwand für das Sortieren und den Austausch der Leerflaschen mit anderen Brauereien auf ein Minimum zu reduzieren. Ein weiteres Leergut-Chaos gefährde den brauwirtschaftlichen Mittelstand in Sachsen, so Dittmer.

Auch Deutschlands größte Brau-Manufaktur Landskron ist Mitglied im Sächsischen Brauerbund und macht sich ebenfalls für die Aktion stark, so Marketingleiterin Annett Gernhard.

Die Fakten

Mit Stand April 2012 wurden schon etwa 13 Millionen Hektoliter Bier pro Jahr - Tendenz steigend - in Individualflaschen abgefüllt. Davon müssen rund ein Drittel bis die Häfte, das sind etwa 1 Milliarde Individualflaschen, als Fremdflaschen in den Brauereien aussortiert, gesondert gelagert, im Tausch zu den Eigentümerbrauereien transportiert oder unter Wert an die Leerguthändler verkauft und auch von dort wieder zu den Eigentümerbrauereien transportiert werden. Das ist weder wirtschaftlich noch ökologsch.

Die kleinen und mittleren Bierbrauer sehen als Lösung des Problems die Möglichkeit, für die Standardflasche - in Fachkreisen Poolflasche genannt - einen anderen Pfandbetrag als für individuelle Brauereiflaschen zu verlangen. Damit würden die Flaschen schon im Handekl sortiert und die Brauereien hätten einen Anreiz, durch Verwendung von Standardflaschen das Mehrwegsystem effizient zu halten. Ob allerdings der mächtige Handel den Aufwand, den Flaschenpfand zu differenzieren, auf sich nehmen wird, scheint mehr als fraglich.

Mehr:
http://www.bier-aus-sachsen.de


Kommentar:

Na, ob das klappt? Am Morgen Sensibilität für die richtige Sortierung der Bierflaschen wecken - aber erst am Abend nach dem Biergenuss sein Bierflaschensortierverhalten entsprechend steuern? Zu wünschen wäre es den kleinen und mittleren sächsischen Brauereien jedenfalls.

Und wer sich über die manchmal als hoch empfundenen Preise sächsischer Qualitätsbiere ärgert, sollte den Preisvergleich zum Mineralwasser nicht scheuen: Oftmals ist das aufwendig und mit teuren Zutaten hergestellte Bier preiswerter als - Wasser.

Damit will ich sagen: Helft den Brauern! Bürger, sortiert Eure Bierkästen!

Wo bleibt eigentlich mein Mittagsbierchen?

Prost! Ihr Fritz R. Stänker

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  • Quelle: TEB | Fritz Rudolph Stänker
  • Erstellt am 29.06.2012 - 10:17Uhr | Zuletzt geändert am 29.06.2012 - 10:54Uhr
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