Waggonbau Niesky gerettet - vorerst

Niesky | Dresden. Der Waggonbau Niesky kann weitermachen - eine gute Nachricht. Der Weg wurde frei, als am 29. April 2008 die Gläubiger im Amtsgericht Dresden dem Insolvenzplan zustimmten.

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Auftragsvolumen war zu hoch

Der Sächsische Wirtschaftsminister Thomas Jurk zeigte sich entsprechend beglückt darüber, dass in einem der wirtschaftlich finstersten Winkel seines Landes Arbeitsplätze gerettet wurden: „Die Gläubiger haben auf die Zukunft von WBN gesetzt. Das war eine wichtige Entscheidung. Ich habe mich über Jahre persönlich für dieses Unternehmen eingesetzt und freue mich jetzt mit den 250 Mitarbeitern und ihren Familien, deren Arbeitsplätze vorerst gesichert sind. Das namhafte Eisenbahnunternehmen ist wichtig für die Region und die Menschen hier.“ Jurk stammt aus Weißkeißel, das in der Nähe von Niesky liegt.

Die Schieflage der Firma sei, so Jurk, nicht selbstverschuldet, sondern unter anderem durch gestiegene Stahlpreise entstanden. So musste man Verluste hinnehmen, die existenzgefährdend waren. Diese Gefahr sei nun erstmal gebannt.

Hintergrund

Die WBN Waggonbau Niesky hatte sich erst im Jahr 2005 zur Messe "transport logistic" am Markt zurück gemeldet.

Unter der Bedingung der Insolvenzplanannahme wollte die Deutsche Bahn Gruppe Geschäftsanteile der insolventen WBN Waggonbau Niesky GmbH übernehmen. Das Unternehmen hatte Mitte Oktober 2007 einen Insolvenzantrag gestellt, um einen
Insolvenzplan zur Sanierung umzusetzen. Seit 2008 wickelt die Geschäftsleitung die Insolvenz in Eigenverwaltung ab.

Ursache der Krise war, dass für das gebundene Auftragsvolumen von 310 Mio. EUR die Kapitalausstattung deutlich zu gering ist und die Lieferverträge in Teilen ohne Preisgleitklauseln verhandelt worden sind.

Die WBN Waggonbau Niesky GmbH produziert ein breites Sortiment aller Güterwagentypen sowie Komponenten für Güterwagen. Mit rund 250 Mitarbeitern zählt das sächsische Unternehmen zu den größten Arbeitgebern in der Region.

History

1835: Gründung des Vorläufer-Unternehmens, ein Handwerksbetrieb
ab 1863: Bau von Dampfmaschinen, Brücken und Holzhäusern
1898: Gründung der Christoph & Unmack AG
1917: Beginn der Produktion von Schienenfahrzeugen
1945-1948: Beseitigung von Kriegsschäden und Verstaatlichung
ab 1950 Spezialisierung und Beginn der Produktion von Güterwagen und Güterwagendrehgestellen
1972: Eintritt in ds NSW (nichtsozialistisches Wirtshaftsgebiet / Westeuropa)
1978: Eingliederung in das DDR Kombinat Schienenfahrzeuge
1990: Als Waggonbau Niesky GmbH Teil der DWA - Deutsche Waggonbau AG
1996: Verkauf der DWA-Holding an Advent International (USA)
1998: Verkauf der DWA-Holding an Bombardier Inc. (Kanada)
2001: Europäisches Güterwagenzentrum innerhalb Bombardier Transportation
2005: 30. April - Herauslösung aus Bombardier - Start als eigenständiges Unternehmen
2008: Neustart

Mehr:
http://www.waggonbau-niesky.com


Kommentar

Paradox erscheint das schon - weil das gebundene Audftragsvolumen zu hoch war, geht eine Firma pleite. Insgesamt riecht der Niedergang des nach der Wende regelrecht trotzig überlebenden und im jahr 2005 erneut hoffnungsfroh gestarteten Unternemens nach Managementfehlern.

Als Glücksgriff erwies sich der Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Jörg Spies, durch dessen ausgewiesene Qualitäten die Eigenverwaltung in der Insolvenzphase möglich wurde. Er ist ein erfahrener Firmen-Restrukturierer.

Allerdings erhält die gute Nachricht für Niesky einen faden Beigeschmack, wenn Sachsens Wirtschaftminister als Ursache der Zahlungsunfähigkeit unter anderem die gestiegenen Stahlpreise anführt.

Die gehören nämlich zu den Rahmenbedingungen, die für alle Unternehmen gleich sind,

meint Ihr Fritz R. Stänker

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  • Quelle: /FRS
  • Erstellt am 30.04.2008 - 07:48Uhr | Zuletzt geändert am 30.04.2008 - 08:20Uhr
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