Wann lohnt sich der Kauf gebrauchter Maschinen und Anlagen?

Wann lohnt sich der Kauf gebrauchter Maschinen und Anlagen?Görlitz, 3. Januar 2023. Wird in den Maschinenpark investiert, können Unternehmer neue oder gebrauchte Maschinen anschaffen. Gefühlsmäßig würden wahrscheinlich sämtliche Entscheidungsträger den Kauf von neuen Maschinen bevorzugen. Doch es gibt gute Gründe, den Kauf von gebrauchten Maschinen zumindest zu erwägen. Die Vorteile von gebrauchten Maschinen sind dabei nicht nur im Preis begründet.

Abb.: Eine CNC Fräsmaschine. Der Görlitzer Anzeiger hat die Vor- und Nachteile des Kaufs von gebrauchten statt neuen Maschinen zusammengefasst und geschaut, unter welchen Umständen gebrauchte Maschinen die bessere Wahl für Unternehmen und Start-Ups sind.
Symbolfoto: Siegbert Pinger, Pixabay License
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Vorteile gebrauchter Maschinen und Anlagen

Vorteile gebrauchter Maschinen und Anlagen
Eine gebrauchte Gravurmaschine kann der Grundstock für eine eigene Werbemittelproduktion sein
Symbolfoto: oved abadi, Pixabay License

Schaut man sich im Gebrauchtmaschinenmarkt um, dann wird schnell klar, dass es nicht um vorsintflutliche oder verschlissene Maschinen geht, sondern so ziemlich alles von der typischen Werkstattmaschine über CNC-gesteuerte Maschinen bis hin zum Bearbeitungszentrum und zur Stahlbearbeitungslinie angeboten wird. Interessant ist das für alle, die Wert auf eine risikoarme Investition legen.

Das sind die wichtigsten Faktoren, die für eine Investition in gebrauchte Maschinen sprechen:


    • Günstiger Preis

      Maschinen aus zweiter Hand wie etwa gebrauchte Kaltenbach Maschinen sind deutlich günstiger als neue Maschinen. Kaltenbach, gegründet 1887 in Lörrach, stellt als einer der weltweit führenden Anbieter hochwertige Stahlverarbeitungs- und Konservierungsanlagen her. Die preislichen Vorteile von Gebrauchtmaschinen gegenüber neuen liegen abhängig von Alter und Zustand der Maschinen zwischen 30 und 70 Prozent. Auf diese Weise können Unternehmer in Zeiten knapper Kassen, von Lieferengpässen und gestiegener Preise zum Kauf von gebrauchten Maschinen greifen, um dank geschonter Liquidität den Weiterbestand ihres Unternehmens in sicherem Fahrwasser zu halten.

      Hinzu kommt, dass sich gebrauchte Maschinen und Anlagen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, rentabler verkaufen lassen. Ähnlich wie Neuwagen verlieren auch neue Maschinen im Moment des Kaufs deutlich an Wert – schon nach wenigen Wochen sind es oft 20 bis 40 Prozent –, weil sich ihr Status von neu auf gebraucht geändert hat. Bei gebrauchten Maschinen fehlt hingegen dieser Effekt, weswegen sich der Wertverlust in der Zeit nach der Anschaffung in Grenzen hält und ihr Wert unter bestimmten Umständen sogar steigen kann.

    • Ökologie und Reputation

      Recycling und Upcycling sind derzeit wichtige Trends und gelten als Antwort auf Herausforderungen wie die Umweltverschmutzung und die globale Erwärmung. Secondhandläden und andere alternative Verkaufskonzepte, die den Erhalt von Produkten anstreben, schießen im urbanen Umfeld wie Pilze aus dem Boden. Der ständige Kauf von neuen Produkten hingegen wird zunehmend kritisch gesehen.

      Unternehmen können von diesem ökologischen Wertewandel profitieren, indem sie sich als umweltbewusste Marktakteure präsentieren, die durch den Kauf von gebrauchten statt neuen Maschinen zeigen, wie wichtig ihnen die Schonung von Ressourcen ist.

    • Hohes Maß an Sicherheit

      Gebrauchte Erzeugnisse des Maschinen- und Anlagenbaus haben bereits bewiesen, dass sie über Jahre hinweg weitgehend fehlerfrei funktionierten und eventuelle Kinderkrankheiten behoben sind. Die Historie von Maschinen ist in aller Regel gut dokumentiert, was für Transparenz und Sicherheit beim Kauf sorgt. Wer gebrauchte Maschinen kauft und dabei auf positive Erfahrungswerte aus ihrem bisherigen Einsatz achtet, kann davon ausgehen, dass sie – ob nun als Werkzeugmaschine oder Sondermaschine – auch im neuen Umfeld das leisten, wofür sie angeschafft wurden.

      Der Wettbewerbsdruck ist auch im Maschinenbau enorm. Damit geht das Risiko einher, dass eine Neuentwicklung, die auf den Markt geworfen wird, noch nicht ausgreift ist. Für gebrauchte Maschinen hingegen gibt es Erfahrungswerte und einen weiteren Pluspunkt: Gebrauchtmaschinen sind ohne Vorlaufzeiten sofort verfügbar.

Nachteile gebrauchter Maschinen

Mit Nachteilen müssen Unternehmer bei der Entscheidung für oder gegen gebrauchte Maschinen ebenfalls kalkulieren. Die typischen Nachteile gebrauchter Technik dürften diese sein:


    • Weniger Leistung

      Grundsätzlich ist die Wirtschaft in Deutschland auf hochproduktive Maschinen angewiesen, aber es gibt etliche Anwendungsfälle, in denen dieser Aspekt in den Hintergrund tritt: Etwa dann, wenn die schnelle Verfügbarkeit der Maschine wichtig ist, obgleich sie nicht ausgelastet werden kann. Unter diesen Umständen wäre die Anschaffung einer fabrikneuen Maschine gegebenenfalls wirtschaftlich gar nicht darstellbar.

      Anders in der Smart Factory: Hier werden Maschinen digital gesteuert und sind miteinander vernetzt. Dabei kommt das Mooresche Gesetz zur Anwendung, das besagt, dass sich die Komplexität integrierter Schaltkreise bei denselben Kosten alle zwei Jahre verdoppelt. Laut manchen Quellen ist dieses Intervall mit 18 oder 12 Monaten sogar noch kürzer. Zwar stößt das Mooresche Gesetz angesichts der beginnenden Ausschöpfung der Möglichkeiten bei der Miniaturisierung von Bauteilen zunehmend an seine Grenzen, mit der Quantenmechanik verfügt die Informationstechnologie aber über einen Ansatz, dieses Problem zu umgehen. Dass neue Maschinen insgesamt eine bessere Performanz aufweisen als alte Maschinen, liegt in der Natur des technologischen Fortschritts, der auch hochfeste Materialien, steifere Konstruktionen und leistungsfähigere Antriebe mit sich bringt.

    • Weniger Funktionen

      Dank Digitalisierung steigt der Funktionsumfang bei nahezu allen Maschinen und Geräten, wie sie weltweit hergestellt werden, immer weiter an. Außergewöhnlich viele Features weisen regelmäßig Maschinen auf, die im Sinne der Smart Factory vernetzbar sind. Wer ältere Geräte kauft, muss gewöhnlich mit weniger Funktionen und Komfort rechnen.

      Die andere Seite: Wer vielleicht in einer Instandhaltungswerkstatt eine Leit- und Zugspindeldrehmaschine oder eine Fräsmaschine benötigt, kann sehr gut auf elektronische Vernetzungsfunktionen verzichten. Mit gebrauchten Maschinen ist es – unter Umständen ein weiteres Manko – wie mit gebrauchten Autos, denn Sonderausstattungen können nicht gewählt werden; man muss kaufen, wie angeboten.

Resümee: Neue Maschinen sind nicht immer die bessere Lösung

Was Produktivität und Funktionsvielfalt angeht, sind neue Maschinen weiterhin das Maß der Dinge. Dennoch müssen die neuesten Maschinen nicht immer die wirtschaftlich beste Lösung sein. Insbesondere bei der EInzel- und Kleinserienfertigung im Apparate- und Gerätebau wie auch im Sondermaschinenbau können die nötigen Funktionen bei ausreichender Produktivität auch von Gebrauchtmaschinen bereitgestellt werden. Zum Vergleich: Niemand würde einen hochtechnisierten und für seinen Einsatzzweck zugeschnittenen Sportwagen kaufen, um damit gelegentlich seinen Einkauf im Supermarkt zu erledigen.

Ein wichtiger Aspekt in Krisenzeiten ist die Vermeidung von Liquiditätsengpässen, wie sie mit teuren Anschaffungen einher gehen können – vor allem dann, wenn die erwartete Auslastung nicht eintritt. Gebrauchte Maschinen bieten Unternehmen oft mehr Flexibilität im Einsatz und zudem die Chance, dass der Weiterverkauf rentabler als bei neuen Maschinen ist. Außerdem liegt der Kauf gebrauchter Maschinen im Trend der grünen Energiewende und der Ressourcenschonung und kommt bei Kunden gut an – unter der Voraussetzung, dass das Unternehmen nicht nur das Gute tut, sondern auch darüber spricht, das heißt seine Investition in gebrauchte Maschinen entsprechend offensiv kommuniziert und vermarktet.

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  • Quelle: red | Foto Fräsmaschine: pinger / Siegbert Pinger, Pixabay License; Foto Gravurmaschine: israelil / oved abadi, Pixabay License
  • Erstellt am 03.01.2023 - 10:49Uhr | Zuletzt geändert am 03.01.2023 - 14:03Uhr
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