Jetzt kommt's, das Deutsche Zentrum für Astrophysik

Jetzt kommt's, das Deutsche Zentrum für AstrophysikGörlitz, 30. September 2022. Gestern ist in der Bundeshauptstadt die Entscheidung über die beiden geplanten Großforschungszentren im mitteldeutschen Revier und in der Oberlausitz gefallen. Das "Deutsche Zentrum für Astrophysik – Forschung. Technologie. Digitalisierung." – kurz DZA genannt – kommt in die Landkreise Görlitz und Bautzen.

Abb., von links: Oberbürgermeister Octavian Ursu, Prof. Dr. Günther Hasinger und Landrat Dr. Stephan Meyer

Foto: © Stadtverwaltung Görlitz

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Görlitz greift nach den Sternen: Nationales Forschungszentrum entsteht

Bis zuletzt hatten sich der Landkreis und die Stadt Bautzen für ein anderes Projekt stark gemacht – das "Lausitz Art of Building" (LAB) – und das unter anderem mit dem höheren Mitarbeiterpotential und der beseren Anknüpfung an bestehende Wirtschaftsstrukturen begründet.

Der Görlitzer Landrat Dr. Stephan Meyer sieht die beiden bis zur Endrunde verbliebenen Projektmitbewerber LAB und ERIS nicht ganz aus dem Spiel, wie er in einem ersten Statement zum Ausdruck bringt: "Heute ist ein guter Tag für die Entwicklung der Oberlausitz zur Innovationsregion. Mit dem Deutschen Zentrum für Astrophysik kommt ein Großforschungszentrum mit weltweitem Alleinstellungsmerkmal in unsere Region und wird unsere Landkreise Görlitz und Bautzen in den nächsten Jahrzehnten voranbringen. Die Astrophysik ist ein starker Treiber für die Verarbeitung riesiger Datenmengen zur Entwicklung neuartiger Anwendungen insbesondere im Bereich der Digitalisierung. Unser tägliches Leben ist damit bereits jetzt und wird in den nächsten Jahren noch stärker davon berührt sein.

Das DZA bietet große Chancen, um junge Menschen in der Oberlausitz eine spannende Perspektive vor Ort aufzuzeigen. Gleichzeitig kommen Menschen aus der ganzen Welt in unsere Region, um diese einmalige Forschungslandschaft zu nutzen und hier zu arbeiten. Sie werden hier leben, Familien gründen und Ausgründungen sowie die Innovationsfähigkeit bereits bestehender Unternehmen stärken. Wir werden uns als weltoffene und lebenswerte Region präsentieren und möchten ihre Heimat sein.

Über den Einsatz von Forschungspersonal hinaus entstehen neue Arbeitsplätze für Facharbeiter technischer und kaufmännischer Berufe von Materialverarbeitung über Elektronik bis hin zu Einkauf und Administration. Das ist ein starker Beitrag zur langfristigen Strukturstärkung. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit Professor Hasinger und seinem Team und sichere bei der Umsetzung die bestmögliche Unterstützung seitens des Landkreises Görlitz zu.

Gleichzeitig sind wir gut beraten mit den Projektpartnern von ERIS und dem LAB ins Gespräch zu kommen, wie deren gute Ansätze mit in die Regionalentwicklung einfließen können. Sie haben sich unter über 100 Anträgen bis in die Endrunde durchgesetzt und bieten ebenfalls große Potentiale, um den Strukturwandel erfolgreich zu bewältigen.“

Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu zeigt sich ebenfalls hocherfreut über die Entscheidung zugunsten des DZA: "Herzlichen Glückwunsch an Professor Günther Hasinger und sein Projektteam. Die Forschungslandschaft entwickelt sich zu einem echten „Gamechanger“ und leitet den notwendigen Paradigmenwechsel für die mittel- und langfristige Entwicklung der Region ein. Wir bedanken uns bei allen, die sich dafür eingesetzt haben, insbesondere für die Unterstützung durch den Freistaat Sachsen und Ministerpräsident Michael Kretschmer. Wir freuen uns auf gute Zusammenarbeit."

Worum es geht

Das Deutsche Zentrum für Astrophysik - Forschung. Technologie. Digitalisierung. ist eine gemeinsame Initiative der Astronomie und Astroteilchenphysik in Deutschland. Zu den Antragstellern gehören etliche namhafte Wissenschaftler, unterstützt von den großen deutschen Wissenschaftsorganisationen. Das Forschungszentrum will Green Computing und insgesamt die ressourcensparende Digitalisierung voranbringen. Mit einem Zentrum für Innovation und Transfer (ZIT) will das DZA dabei neue Wege bei der Zusammenarbeit von Forschung und Wirtschaft gehen. Die Förderung sieht eine dreijährige Aufbauphase vor, bevor das Zentrum formal gegründet werden kann.

Mit Prof. Dr. Günther Hasinger hat das DZA-Projekt einen weltweit renommierten Wissenschaftler – unter anderem ESA-Direktor für Wissenschaft – als federführenden Anprechpartner, sein Statement: "Wir freuen uns schon riesig auf eine enge Zusammenarbeit mit Landrat Dr. Stephan Meyer und Oberbürgermeister Octavian Ursu. Dieser Wettbewerb eröffnete neue Perspektiven, für die Regionen in Sachsen und für unsere Gesellschaft - ein wichtiges Zeichen der Zukunft in einer schwierigen Zeit. Nach einem eineinhalbjährigen anspruchsvollen Verfahren, in dem unser Konzept auf Herz und Nieren geprüft wurde, sind wir glücklich, dass wir unser Vorhaben jetzt umsetzen können. Die sächsische Lausitz ist aus vielen Gründen ein idealer Ort dafür."

Auch Leipzig profitiert

Leipzig erhält das Großfotschungszentrum "Center for the Transformation of Chemistry", kurz CTC. Davon sollen das frühere Mitteldeutsche Braunkohlerevier, insbesondere die Chemiestandorte und weitere Wirtschaftsstrukturen, profitieren.


Kommentar:

Gute Nachrichten für Mitteldeutschland sind das und endlich Bausteine im Strukturwandel, die für die Wirtschaft wirken. Das ist umso wichtiger, weil andere Investitionsvorhaben aus der Wirtschaft angesichts der Teuerung und der Energiekrise Gefahr laufen, auf die Kippe zu geraten.

Görlitz bringt zudem einen Vorteil ins Spiel, der bei ähnlichen Ansiedlungen in anderen strukturschwachen Räumen nicht zum Tragen kam: Die Europastadt ist attraktiv zum Wohnen. Während in anderen Forschungszentren die High Potentials oft Pendler sind, die auf das urbane Umfeld im Privatleben nicht verzichten möchten, dürfte Görlitz für viele eine attraktive Alternative für den Lebensmittelpunkt darstellen.

Ein Treppenwitz der Entscheidung soll nicht erspart bleiben: Prof. Dr. Hasinger ist Experte für Schwarze Löcher. So nannte man auch die Braunkohletagebaue in der Ober- und der Niederlausitz. Doch angesichts der Renaturierungserfolge wie etwa am Berzdorfer, Olbersdorfer oder Bärwalder See dürfte sich die Verwirrung in Grenzen halten, meint

Ihr Thomas Beier

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  • Quelle: red | Kommentar: Thomas Beier | Foto: © Stadtverwaltung Görlitz
  • Erstellt am 30.09.2022 - 08:12Uhr | Zuletzt geändert am 30.09.2022 - 09:14Uhr
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