Liegt der Erfolg über den Wolken?

Liegt der Erfolg über den Wolken?Görlitz, 21. Januar 2022. Von Thomas Beier. Viele Klischeebilder ranken sich noch immer um das, was geschäftlicher Erfolg genannt wird: Dicke Autos, Privatjets, riesige Yachten und mondäne Anwesen etwa. Andere Klischees sind längst verblasst: Zigarrenrauchende Herren in schweren Ledersesseln mit einem gutem Cognac in der Hand etwa, umgeben von hinreißenden klugen, fein lächelnden und lachenden Frauen – hm, schön war die Zeit…

Abb.: St. Tropez – Komm, wir fliegen schnell mal hin!

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Erfolg basiert auf Leistung, wofür die Leistungsträger Motive benötigen

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Charterflugzeuge machen den Luftverkehr flexibel

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Der Witz ist doch folgender: Alle wollen irgendwie erfolgreich sein. Fragt man sie jedoch daraufhin, was Erfolg denn eigentlich sei, dann kommen fast immer ratlose Blicke. Deshalb hier zunächst die Erfolgsdefinition, wie sie Beier Consulting – bei Zitaten bitte angeben – auf den Punkt gebracht hat:

Erfolg ist immer das Maß, in dem man seine herausfordernden Ziele erreicht.

Dabei müssen Ziele nach den üblichen Kriterien – wie Termin, überprüfbare Kriterien und Erreichbarkeit nicht ohne Anstrengung – definiert sein. Erreicht man seine Ziele, so hat man Erfolg; übertrifft man seine Ziele gar, hat man großen Erfolg. Gelingt es allerdings nicht, ein Ziel zu erreichen, dann ist der Erfolg ausgeblieben – und nur Narren faseln dann von Teilerfolgen.

Woran bemisst sich der Erfolg einer Region?

Nun bleibt es jedem selbst überlassen, diese Gedanken auf die wirtschaftliche Entwicklung etwa in einer Region wie Görlitz zu übertragen. Hier gibt es zweifelsohne Erfolge, wenn man etwa an die Errungenschaften der Görlitzer Wirtschaftsförderung denkt, doch wie sieht es unterm Strich aus?

Beschäftigt man sich ein wenig mit Wirtschaftstheorie, dann stößt man auf die Hypothese, dass wirtschaftliche Prosperität im weitesten Sinne des Wortes mit Bewegung korreliert: Wirtschaft brummt oder findet beste Voraussetzungen immer dort, wo viel Bewegung stattfindet, wobei mit Bewegung nicht Abwanderung gemeint ist. Das Kriterium "Bewegung" kann extrem weit gefasst werden: Wo viele Daten übertragen werden oder Breitbandanschlüsse kurzfristig möglich sind, wo viele Taxis genutzt werden oder bereitstehen, wo ein gutes Angebot im öffentlichen Nahverkehr gegeben ist und auch genutzt wird, wie viele Flugzeuge fliegen oder ob man unkompliziert einen Privatjet mieten kann… Stopp!

Ist viel Verkehr nicht klimaschädlich und angesichts von Home Office kein guter Indikator mehr? Das gleicht der Indikator Datenübertragung aus, worüber man allerdings diskutieren kann. Und Flugzeuge und Privatjets? Das ist im wahrsten Sinne des Wortes nicht aus der Luft gegriffen: Als Westhydraulik im Jahr 2010 nach Bautzen kam, war der dortige Flugplatz ein ganz wesentlicher Standortvorteil. “Ich steige 6.45 Uhr in Köln/Bonn in den Flieger und sitze bereits 8.30 Uhr am Schreibtisch in Bautzen”, so wurde damals die Geschäftführerin Dr. Vieweg im Bautzner Anzeiger zitiert.

Die analoge Welt wird nicht untergehen

Es gehört zu den Mythen der Digitalisierung, dass mit Online Systemen alles nur Erdenkliche aus der analogen Welt ersetzt werden könne: Das ist rundweg falsch: Der Kontakt unmittelbare Kontakt von Angesicht zu Angesicht wird ebenso notwendig bleiben wie etwa der Anspruch, Dinge mit seinen Händen zu begreifen oder sich überhaupt einen persönlichen Eindruck zu verschaffen.

Um noch einmal auf den Privatjet zu kommen: Der mag zwar kein sonderlich umweltzutägliches Fortbewegungsmittel sein, doch wer ihn chartert, folgt ganz anderen Prämissen. Ganz oben im Ranking steht sicherlich Zeit. Nun ist Zeit ein sehr gerecht verteiltes Gut, denn für jeden hat der Tag 24 Stunden und die Woche sieben Tage. Allerdings kann man seine Zeit verdödeln, auf Zeit spielen und dazu seinen Hintern auf einem Schreibtischstuhl möglichst lange festkleben oder seine Zeit eben nutzen. Wer seine Zeit nutzt, für den wird sie schnell knapp und es bleibt nicht aus, Prioritäten setzen zu müssen, wie man seine Zeit verbringt – ob man etwa mit der Bimmelbahn durch die Landschaft zuckelt oder sich eben doch lieber den Flieger leistet.

Eine Frage des Alterozentrismus

Und es gibt noch eine Wahrheit: Sogenannte Leistungsträger müssen spüren, dass ihnen ihre Leistung auch zum persönlichen Vorteil gereicht, sonst würden sie schnell die Lust daran verlieren, etwa als Top-Manager Leistung zum Wohle anderer zu erbringen. Das Gefühl, sich mit einem Privatjet etwas leisten zu können, wovon andere nur träumen, gehört dazu.

Ob ein Philanthrop, der aus Liebe zu seinen Mitmenschen persönliches Erfolgsstreben in den Hintergrund stellt, seinen Zeitgenossen mehr Nutzen bringt als jemand, der für seinen persönlichen Erfolg auch anderen ihren ganz persönlichen Erfolg ermöglichen muss? Motive sind ein weites Feld.

Kulturzuschlag – wenn die Kultur zuschlägt:
Carmen Geiss: Jet Set

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto Hafen: dendoktoor / Freddy, Pixabay License, Foto Flugzeug: Scottslm / Scott, Pixabay License
  • Erstellt am 21.01.2022 - 14:28Uhr | Zuletzt geändert am 21.01.2022 - 15:32Uhr
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