Rationalisierung im Fuhrpark

Rationalisierung im FuhrparkGörlitz, 3. Januar 2020. Im Grunde genommen haben es Unternehmen gut: Steigen die Kosten, werden sie auf die Abnehmer umgelegt und zum Schluss zahlt der Endverbraucher die Zeche. Wobei die Kosten nicht eins zu eins umgelegt werden, sondern oft genug als Anlass für eine saftige Preiserhöhung herhalten müssen. So ist es auch bei der drohenden Kohlendioxidbepreisung zu erwarten, sozialverträgliche Ausgestaltung hin oder her.

Bitte nicht wegrationalisieren! Oldtimer-Bus im Landkreis Görlitz

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Kohlendioxiderzeugung reduzieren durch optimierten Fahrzeugeinsatz

Kohlendioxiderzeugung reduzieren durch optimierten Fahrzeugeinsatz

Die Kohlendioxidbepreisung verteuert Kraftstoffe. Ob deshalb weniger oder signifikant sparsamer gefahren wird, daran zweifeln viele – immerhin lagen die Spritpreise in der Vergangenheit zuweilen deutlich höher als heute

Foto: © Görlitzer Anzeiger

Doch auch die Wirtschaft beargwöhnt die CO2-Bepreisung. So weist die vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. darauf hin, dass nationale Bepreisungssysteme für Kohlendioxid keine Klimaschutzwirkung haben. Gefordert werden hingegen "vergleichbare CO2-Preissignale bei den weltweit größten Treibhausgasemittenten (China, USA, EU, Indien, Russland und Japan)".

Den deutschen Unternehmen, die nicht in Länder ohne oder mit geringerer Kohlendioxidbepreisung ausweichen wollen oder können, bleibt nur, nach wirkungsvollen Ansatzpunkten zu suchen, mit denen die eigenen CO2-Emissionen gesenkt werden können. Ein solcher Ansatzpunkt ist der Kraftstoffverbrauch. Hier liegt die Lösung zumindest kurz- und mittelfristig nicht in neuen Technologien oder modernerer Technik, sondern in der weiteren Optimierung des Fahrzeugeinsatzes und der Fahrzeugauslastung. Mit einem modernen Telematiksystem lassen sich hier schnell Effekte erzielen, übrigens nicht nur in der Logistikbranche.

Solche Telematiksysteme können weit mehr als nur den aktuellen Standort eines Fahrzeugs feststellen. Je nach Ausbaustufe sind beispielsweise ein Diebstahlschutz mit automatischer Alarmmeldung, die Fahrererkennung und die Führerscheinkontrolle und ein elektronisches Fahrtenbuch integriert. Mit CANbus werden Fahrzeugdaten in Echtzeit übertragen, wodurch in einer Zentrale die Daten aller Fahrzeuge von technischen Parametern bis zur Fahrstilanalyse und zu den Lenk- und Ruhezeiten überwacht werden können. Besonders die technische Überwachung trägt dazu bei, Betriebskosten und Verschleiß zu minimieren – überraschende Fahrzeugausfälle und Werkstattkosten sollen auf diese Weise minimiert werden. Connected Navigation hingegen unterstützt die vorausschauende Streckenplanung: Weniger Staus bedeuten weniger Zeitverlust.

Interessant ist das auch für kleinere Unternehmen in der Oberlausitz, etwa im Handwerk. Wohl schon jeder hat auf der Autobahn Transporter erlebt, die in wahnwitzger Geschwindigkeit und mit ständigem Abbremsen und Beschleunigen den Eindruck eines Formel-1-Rennens liefern. Wenn der Unternehmer eine solche Fahrweise mit einem Telematiksystem kontrollieren kann, dürften Sprit- und Werkstattkosten deutlich sinken. Der Umwelt und dem Klima wäre damit wohl auch mehr geholfen als mit einer CO2-Bepreisung, die im Grunde nichts anderes eine weitere Energiesteuer ist. Im Kraftstoffpreis enthalten sind bisher als fixe Anteile die Energiesteuer (ehemals Mineralölsteuer, inklusive der Ökosteuer) und der Erdölbevorratungsbeitrag, als variable Anteile die Einkaufskosten sowie Kosten und Gewinne der Mineralölkonzerne sowie als prozentualer Anteil die Umsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent. Der Kraftverkehr wird jedoch auch über die Kfz-Steuer und als Bepreisung der Transportwege über die Maut belastet. Gerade im Handwerk wurden die möglichen Belastungen heftig diskutiert.

Deutschland kein Vorreiter in der Kohlendioxidbepreisung

Erwähnen muss an allerdings, dass andere europäische Länder die Kohlendioxidbepreisung längst eingeführt haben. Im Preisvergleich von 2019 zeigt sich: Bei Kraftstoffen, leichtem Heizöl und Erdgas steht Deutschland noch relativ günstig da, nur die Strompreise sind exorbitant hoch. Elektrischer Strom kostete pro Kilowattstunde in europäischen Ländern, die Kohlendioxid bereits bepreisen, im Juni 2019 zwischen 17 und 22 Cent, in Deutschland dagegen satte 32 Cent.

Hintergrundwissen:


Kommentar:

An der Preisschraube als Stellgröße gegen die Erzeugung von Kohlendioxid zu drehen erscheint zu kurz gedacht, wird doch nur die Schraube von steigenden Lebenshaltungskosten und steigenden Einkommen – besonders bei tarifgebundenen Arbeitsplätzen – ein Runde weiter gedreht. Damit aber verpufft der erwünschte Lenkungseffekt weitgehend. Beißen wird es vor allem die Bezieher kleiner Einkommen, die sich eh schon von Monatsende zu Monatsende durchrechnen müssen und für die steuerliche Entlastung kaum eine Rolle spielt.

Dass die Kohlendioxidbepreisung allerdings auch Gutes bewirken kann, zeigt das Beispiel Großbritannien: Hier hat der Bepreisungseffekt dazu geführt, dass das Land bis 2025 aus der Braunkohleverstromung aussteigt.

Very british,

meint Ihr Thomas Beier

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  • Quelle: red | Kommentar. Thomas Beier | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 03.01.2020 - 08:47Uhr | Zuletzt geändert am 03.01.2020 - 11:29Uhr
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