Motor Görlitz mischt sich ein

Motor Görlitz mischt sich einGörlitz, 20. Februar 2019. Motor Görlitz, das kommunalpolitische Netzwerk, legt an Drehzahl zu. Mit den Motor-Montagen, öffentlichen Abendveranstaltungen, werden einzelne Themenfelder in den Fokus genommen, vorgestern im Lokal Jakobs Söhne der "Handel im Wandel". Erstaunlich konkret ging es zur Sache und die diskutierten Verbesserungs- und Lösungsansätze führen Erfahrungen, Interessen und bei einem ins Gespräch gebrachten "City Online Shop" sowie einem Mitarbeiterpool die Möglichkeiten der digitalen Welt zusammen.
Abbildung: Der Fokus auf eine attraktive City ist nur die eine Seite des Görlitzer Einzelhandels und der mit einem Geschäft vertretenen Dienstleistungsanbieter, die andere Seite sind Anbieter an der Peripherie wie hier in Görlitz-Rauschwalde, wo meist inhabergeführte Ladenlokale zu finden sind, so beispielsweise aus dem Lebensmittelhandwerk, ein Wasserbettenstudio, eine Apotheke und weitere Gesundheitsdienstleister.

Görlitzer Innenstadthandel braucht Motoren

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Thema: Parteien, politische Akteure und Wähler

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Demokratie lebt von Akteuren, die substantiell zu Meinungsvielfalt beitragen, konsensfähig sind und so handeln, dass möglichst viele einbezogen werden und ein allgemein anerkannter Nutzen für die Gesellschaft entsteht, der über das oft genannte "Zeichen setzen" hinausgeht.

Gleich zu Beginn legte Raimund Kohli, Vorstandsmitglied von Motor Görlitz und Autohändler, Zahlen und Statistiken auf den Tisch und gab dem Abend damit eine sachliche Grundlage. Allerdings musste er anmerken, dass es derzeit nur eine veraltete Studie gibt, die auf Zahlenmaterial aus dem Jahr 2011 beruht. Roswitha Hennig von der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH, kündigte eine aktualisierte Studie, die zurzeit erstellt wird, an.

Obgleich der "Motor-Montag" eher ein Experten-Podium denn eine Diskussionsveranstaltung sein will, wurde die Debatte lebhaft. So trat schnell zu Tage, wo der Engpass liegt: Den Görlitzer Einzelhändlern fehlt es an einer starken Stimme. Zudem wurde bekannt, dass der Aktionsring Handel als Interessenvertetung vor dem Aus stehen soll: Auflösungstermin Frühjahr 2020. Jetzt abwarten, wie es dann weitergeht? Nicht mit Axel Krüger, Weinhändler und Vorstand von Motor Görlitz: "Der Handel braucht wieder ein deutlich vernehmbares Sprachrohr."

Die zum Motor-Montag anwesenden Händler verwiesen ebenso wie Tobias Heid, Manager der Straßburgpassage, darauf, dass es über 300 Einzelhandelsgeschäfte in der Görlitzer City gibt, von denen sich aber nur ein Bruchteil engagiere. So seien gemeinsame Aktionen gescheitert, weil einzelne Händler nicht bereit waren, zwanzig Euro Kostenbeteiligung beizusteuern.

Wie die Interessen der Einzelhändler durchsetzen?

Solange es den Einzelhändlern nicht gelingt, eine Gemeinschaft zu bilden, bleibt es schwierig bis unmöglich, Interessen durchzusetzen. Gefragt ist jemand, der als City-Manager wirksam wird, möglichst langfristig beschäftigt, um Planungssicherheit zu schaffen und den Ladenbesitzern Zeit zu geben, damit Vertrauen aufgebaut werden kann. Für das, was ein City-Manager genau leisten soll, dafür wurden erste Ideen zusammengetragen.

Von Enrico Merker, der mit seiner Frau zwei Lokale betreibt und ebenfalls zu den Motoristen gehört, kam die Empfehlung, von anderen Städten zu lernen. So gebe es in der deutlich kleineren Stadt Günzburg an der Donau einen Online-Shop, mit dem die Einzelhändler aus der City auch diejenigen erreichen, die lieber online einkaufen. Hintergrund: Ein eigener Online-Shop ist für einzelne und relativ kleine Händler oft nicht sinnvoll, hingegen profitieren mit dem Angebot auf einem gemeinsamen Portal alle Beteiligten – inklusive der Kommune, die sich als attraktive Einkaufsstadt darstellt.

Mitarbeiter als knappe Ressource

Was auch zur Sprache kam: Als eine große Herausforderung nannten Händler die fehlenden Mitarbeiter. Das mache es beispielsweise schwer, sonnabends länger zu öffnen. Für Motor-Sprecher Mike Altmann, der seit vielen Jahren beruflich mit dem regionalen Arbeitsmarkt vertraut ist, liegt eine Lösung auf der Hand: "Viele Händler suchen Aushilfen und Pauschalkräfte, um bestimmte Zeiten abzudecken. Auf der anderen Seite gibt es eine Menge Leute in Görlitz, die sich etwas dazuverdienen wollen. Nicht nur Studenten. Beide Seiten sollte man zusammenbringen. Dazu kann man einen Pool an Pauschalkräften aufbauen, auf den die Händler nach Bedarf zugreifen. Pauschalkräfte bekommen mehr Einsätze als bei einem festen Arbeitgeber. Die Händler wiederum sind flexibler, wenn mal jemand ausfällt." So eine Lösung lässt sich online realisieren und könnte auch für die Gastronomie interessant sein.

Die Händler sind gefagt

Die rund 25 Teilnehmer des Motor-Montags waren sich beim Fazit des Abends einig: Die Umsetzung solcher und anderer Ideen müssen letztendlich vom Handel selbst ausgehen. Ohne das Engagement und die finanzielle Beteiligung der Einzelhändler wird es nicht gehen, deutlicher: Weder Oberbürgermeister noch Stadtrat oder eine städtische Gesellschaft sind dafür zuständig, dass der Handel seine ureigenen Interessen selbst in die Hand nimmt. An Unterstützern mangelt es jedenfalls nicht.

Immer wieder montags!
Montag, 25. Februar 2019, 20 Uhr,
Jakobs Söhne, Jakobstraße 5a, 02826 Görlitz:
Motor-Montag zur "Kulturkonzeption 2030", an der sich die Görlitzer derzeit aktiv beteiligen können.
Eintritt frei!

Mehr:
Motor Görlitz informiert

Motor Görlitz zur Kommunalwahl:
Die Stadtbewegung Motor Görlitz unterstützt als kommunalpolitisches und parteiunabhängiges Netzwerk mit der "Freien Liste Motor Görlitz" Kandidaten für die Wahl zum Görlitzer Stadtrat und mit der Oberbürgermeisterkandidatin Franziska Schubert eine Wirtschafts- und Sozialgeografin, die Expertin für die Entwicklung von Grenzregionen und für öffentliche Haushalte ist und aus ihrer guten Vernetzung in Wirtschaft und Gesellschaft politische Gestaltungskraft gewinnt.

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  • Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 20.02.2019 - 07:31 Uhr
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