Japan zu Gast in Görlitz

Japan zu Gast in GörlitzGörlitz, 8. November 2019. Japan in Görlitz? Kommen etwa japanische Folklore-Sänger oder gar Sumo-Ringer? Fehlanzeige, der kürzeste Weg zur japanischen Kultur führt den Görlitzer ins vor knapp einem Jahr eröffmete Yama-Restaurant auf der Weberstraße – und die Esskultur ist sicherlich der bequemste Weg, sich dem Land der Morgenröte zu nähern.

Samuraikrieger

Symbolfoto: Cock-Robin

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Japanischer Kampfsport auch in Görlitz vertreten

Ganz anders erfolgt die Annäherung auf sportlichem Gebiet. Sport ist durchaus typisch für Görlitz, das sportliche Engagement der Bewohner hat immer wieder Sportstars hervorgebracht, man denke nur an Michael Ballack, Jens Jeremies und weitere Fußball-Idole, die ihre Wurzeln an der Neiße haben. Tatsächlich findet man neben engagierten Sportvereinen in Görlitz sprichwörtlich an jeder Ecke ein Fitness-Studio.

In diesen Studios lassen sich an zahlreichen Geräten und unter Anleitung die Muckis trainieren, doch insbesondere beim Budokan Görlitz e.V. kann man sich den japanischen Kampfsporttechniken widmen. Budō ist der Oberbegriff für all jene japanischen Kampfkünste, die von einer zugehörigen Lehre bzw. Philosophie getragen werden. In diesem breiten sportlichen Betätigungsfeld ist in den letzten Jahren deutschlandweit die japanische Kampfkunst der Samurai für viele interessant geworden: Mit Iaidō die Kunst, das Schwert schon beim Ziehen als Waffe einzusetzen, und mit Mugai-Ryū der zugehörige Schwertkampfstil. Das Samuraischwert ist in diesem Zusammenhang die verwendete Waffe, wobei Schüler ein stumpfes Schwert, das Iaitō, nutzen und Meistergrade hingegen auch im Training ein scharfes Schwert, das Shinken, einsetzen. Abgeleitet von der Kata, den festgelegten Schnitten mit dem Schwert sowie dem Verständnis dafür und für die jeweilige Situation, wird ein solches traditionelles, scharfes Schwert in Japan Katana genannt.

Der langen Tradition der japanischen Kampfkunst verpflichtet

Die Schüler von heute stehen in der langen Tradition des japanischen Schwertkampfes. Vor allem geht es in der japanischen Kampfkunst nicht um Sport im Sinne von Sieg und Niederlage, sondern um das Tun an sich. Das Budō zielt auf das Innere des Übenden ab, nicht auf die Effizienz beim Kampf mit einem Gegner; im übertragenen Sinne geht es um Selbstverwirklichung und Selbstkontrolle. So gesehen passt der Schwertkampf zu dieser eher ruhigen Nation, zu deren gesellschaftlichen Normen es gehört, einen anderen Menschen weder mental noch körperlich zu verletzen.

Nur auf den ersten Blick steht das im Widerspruch zur japanischen Schwertkampftechnik, die das von europäischen Landsknechten und Rittern bekannte Prinzip "Hieb und Stich" nicht kennt, sondern auf eine Schneidbewegung mit dem Schwert setzt. Das Mugai-Ryū kennt fünf Grundschnitte (Suburi). Dazu sollte man aber wissen, dass sich die japanische Schwertkampfkunst seit dem späten 16. Jahrhundert im Wesentlichen in friedlichen Zeiten entwickelte und sich damit von der Kampftechnik im Krieg entfernte.

So ein Samuraischwert wirkt für Laien fast wie ein ein normales Schwert. Doch der echte Samurai setzt damit nicht auf Kraft, sondern nutzt die Reichweite des Schwertes und die Schnelligkeit der Bewegung.

Materialauswahl und Technologie beim Bau eines Schwertes für Samurai

Um die Herstellung von Samuraischwertern ranken sich viele Gerüchte. Ausgangsstoff ist der Tamahagane-Stahl, der in einer kastenartigen Art des Rennofens gewonnen wird. Nach der Reinigung des Stahls wird dieser bis zu 15 Mal gefaltet, die Zahl der daraus entstehenden Lagen kann man sich leicht ausrechnen. In diesen harten Stahl wird nun meiste ein zäherer Stahl eingeschmiedet, damit die Klinge nicht bricht. Nachdem der Stahl nun tagelang auf Länge ausgeschmiedet wurde, wird er gehärtet. Durch einen Lehmauftrag wird dabei die Schneide härter als der Rest der Klinge. Schließlich wird die Klinge mehr als hundert Stunden lang geschliffen.

Solche Klingen aus vielen Stahl-Lagen – nach Damaskus auch Damaszener Klingen genannt – kannten auch die Wikinger, während damals beispielsweise die Franken auf die Mehrlagigkeit des Stahls ganz verzichteten. Doch im Gegensatz zu den japanischen handelte es sich hier jeweils um echte Kampfwaffen, die nicht wie in Japan der Weiterentwicklung der Kampfkunst dienten. So ist noch heute ein Samuraischwert leichter als anderer Schwerter, was man an der leichten Handführung sehr gut erkennen kann.

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  • Quelle: red | Symbolfoto: Cock-Robin, Pixabay License
  • Erstellt am 08.11.2019 - 20:08Uhr | Zuletzt geändert am 08.11.2019 - 23:26Uhr
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