Erstaunlich und erschreckend, wie schnell Türschlösser (ohne Schlüssel) geöffnet werden

Erstaunlich und erschreckend, wie schnell Türschlösser (ohne Schlüssel) geöffnet werdenGörlitz, 27. Oktober 2019. Ganz unabhängig von der jeweiligen lokalen Kriminalitätsrate, insbesondere der Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Einbruchsdienstahls zu werden, möchte natürlich niemand die Spuren ungebetetenen Besuchs in den eigenen vier Wänden erleben. Abgesehen vom Verlust von Wertgegenständen oder ganz persönlichen Erinnerungsstücken bleibt beim Einbruchsopfer ein Gefühl der Unsicherheit zurück. Andererseits verzichtet so mancher auf Maßnahmen, die es Einbrechern schwerer machen, in eine Wohnung einzudringen. Hat man sich selbst ausgesperrt, kann das wiederum von Vorteil sein.

Eine Bankkarte kann die Rettung in der Not sein, wenn man sich ausgesperrt hat. Vielleicht kann man aber Nachbarn fragen, ob sie mit einer wertloseren Karte oder etwas Ähnlichem aushelfen würden.

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Selbsthilfetipps, wenn die Tür ungewollt ins Schloss gefallen ist

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Man kann ja glauben, dass moderne Türschlösser einwandfrei funktionieren und deswegen natürlich auch sicher davor sind, ohne den passenden Schlüssel geöffnet zu werden; zumindest wird man sich dies in der meisten Zeit wünschen. Anders könnte es höchstens dann aussehen, wenn man sich, wie gesagt, selbst aus Versehen ausgesperrt hat. Dann zum Beispiel, wenn man nur schnell die Einkäufe aus dem Auto holen oder den Müll hinausbringen wollte: Ein leichter Luftzug kann schon ausreichen, den Schlüssel hat man für die kurze Zeit natürlich nicht eingesteckt, und schon steht man vor der verschlossenen Wohnungs- oder Haustür. Wenn das der Fall ist, wäre man natürlich froh, man hätte ein Fenster oder eine Terrassentür offengelassen, damit man die Möglichkeit hat, durch diese wieder ins Innere zu gelangen.

Viele beißen dann in den sauren Apfel und holen einen Schlüsseldienst zur Hilfe, der sich seine Dienste selbstverständlich bezahlen lässt. Es kann aber durchaus funktionieren, ohne einen Schlüsseldienst und ohne einen Ersatzschlüssel das Türschloss zu öffnen. Das ist eine gute, zugleich aber auch erschreckende Nachricht. Positiv ist es auf alle Fälle, weil man die Möglichkeit erhält, wieder in seine Räume hineinzugelangen, und erschreckend, weil es natürlich auch ungebetene Gäste auf gleichem Wege versuchen könnten.

Mit einer Plastikkarte die Türe öffnen

Das hört sich zu simpel an? Es kann aber tatsächlich funktionieren, wenn die Tür nur ins Schloss gefallen, aber nicht mit dem Schlüssel abgeschlossen ist. Dann kann eine Plastikkarte, (beispielsweise irgendeine Kundenkarte oder sogar ein laminiertes Stück Papier) ausreichen. Die Bankkarte sollte allerdings möglichst nicht verwendet werden, da es sein kann, dass der Chip oder der Magnetstreifen bei dem Versuch, die Tür zu öffnen, verkratzt wird. Andererseits sind die sogenannten EC-Karten besser geeignet als die dickeren Kreditkarten.

Jedenfalls wird die Karte mit einer rund 45 Grad nach oben gerichteten Ecke oberhalb des Schließkeils, also oberhalb der Türklinke, zwischen Tür und Rahmen durchgeschoben. Dafür benötigt man etwas Druck, damit sich die Karte im Türfalz biegt und so um die Ecke gelang. Dann schiebt man sie von nach unten und sobald man den Widerstand der Schlossfalle spürt, muss man versuchen, diese nach innen zu drücken, indem man die Karte zugleich nach unten und weiter nach innen drückt. Hilfreich ist es, das Türblatt zu sich heranzuziehen oder nach innen und außen zu wackeln, damit der Schließkeil leichter freikommt.

Möglicherweise sind dafür einige Versuche nötig, bis die Tür tatsächlich aufspringt. Etwas Öl oder Spülmittel vom Nachbarn erleichtert das Bewegen der Karte zwischen Türblatt und Zarge. Tipp: Einfacher und unaufgeregter wird es, wenn man die Prozedur vor dem Ernstfall einmal übt.

Es den ungebetenen Gästen schwer machen

Nützlich ist die beschriebene Möglichkeit dann, wenn man als rechtmäßiger Bewohner wieder in sein Zuhause gelangen möchte. Ganz anders sieht es freilich aus, wenn es Einbrecher so und mit noch anderen Methoden schaffen, in die Wohn- oder Geschäftsräume zu gelangen. Deshalb: Gegen Einbruch kann am besten eine gute Türsicherung helfen.

Man muss daran denken, dass derjenige, der einbrechen möchte, sich immer die schwächste Stelle dafür aussuchen wird und meist unter Zeitdruck steht. Auch Fenster können zwar relativ leicht geöffnet werden, sie bieten jedoch dem Einbrecher nur dann einen Vorteil, wenn sie sich nicht zur meist gute einsehbaren Straßenseite befinden. Hinzu kommt: Das Ein- und Aussteigen darf nicht zu lange dauern. Die Gefahr, dabei entdeckt zu werden, wird mit der Dauer des Einbruchs größer und zudem könnte der Abtransport der gestohlenen Dinge auffälliger werden.

Sich Zugang über die Haustür zu verschaffen ist dagegen vorteilhafter und kann sogar besser kaschiert werden, falls man dabei zufällig beobachtet wird. Manche Einbrecher tarnen sich beispielsweise als Paketbote und tun so, als ob sie über die Gegensprechanlage kommunizieren – dabei wird aber flott die ungesicherte Haustür geöffnet. Man kann sicher sein, dass Einbrecher ihre Methoden gut eingeübt haben und ziemlich genau wissen, was und wie schnell funktioniert. Sogar das Wegbringen der Beute kann als eine harmlose Abholung getarnt werden.

Zur Sicherung von Türen stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Man wird sich beispielsweise bei den Beratungsstellen der Polizei gut darüber informieren, welche Methoden für die eigenen Gegebenheiten am besten geeignet sind. Hier noch einige Beispiele, wie man sich mit einfachsten Mitteln Zutritt verschaffen kann:

Die Tür mithilfe einer Plastikflasche öffnen

Vorausgesetzt, die Tür ist zugefallen und nicht abgeschlossen, kann man diese mithilfe einer Plastikflasche und einer Schere öffnen. Je nachdem, wie viel Spielraum zwischen Tür und Türrahmen ist, sollte die Plastikflasche möglichst dünn sein. Es werden der obere Teil der Flasche und der Flaschenboden abgeschnitten. Jetzt hat man so etwas wie eine Röhre. Diese wird nun mit einer geraden Linie parallel zu Achse durchgeschnitten. Dann schiebt man das Plastikteil mit der Wölbung in Richtung Tür zwischen Tür und Rahmen und sucht, wie bei der beschriebenen Methode mit einer Plastikkarte, den Schließkeil. Wenn man dessen Widerstand spürt, drückt man die Schlossfalle mit dem Plastikteil nach innen. Dabei muss man gegebenenfalls gleichzeitig die Tür immer wieder zu sich heranziehen und wegdrücken. Vorteil der Methode: Das aus der Plastikflasche ausgeschnittene Teil lässt sich besser festhalten als eine kleine Karte im Kreditkartenformat. Bitte aufpassen, sich nicht an den Kanten zu schneiden!

Über ein gekipptes Fenster hineingelangen

Die Lösung dafür ist erschreckend simpel: Man braucht eine Papprolle oder einen anderen röhrenförmigen Gegenstand, der um den Fenstergriff passt und eine lange Schnur (einen reißfesten Faden). Diese Schnur wird durch die Röhre gezogen. Dann hält man beide Enden der Schnur fest und stülpt die Röhre durch das gekippte Fenster auf den Fenstergriff. Wenn eine Seite des Fadens auf der linken und die andere auf der rechten Fensterseite liegt, hält man beide Enden gut fest und kann mit etwas Kraft nun das Fenster zuziehen. Wenn das Fenster richtig geschlossen ist, kann man das linke Fadenende nach unten ziehen, bis die Röhre samt dem Fenstergriff waagrecht steht. Wenn man dann gegen das Glas und das Fenster drückt, öffnet sich das Fenster. Ist der Fenstergriff ein zweiflügliger Griff (eine sogenannte Fensterolive), kann man das Rohl an einer Stelle schlitzen, so dass es sich über die Olive stülpen lässt.

Last not least: Ein brachialer Tipp

Billiger als den Schlüsseldienst zu rufen kann es unter Umständen sein, ein Kellerfenster einzuwerfen – aber bitte vorher überlegen, ob der Kellerraum eventuell hausseitig, also von außen, verschlossen ist.

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  • Quelle: red | Foto: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 27.10.2019 - 14:38Uhr | Zuletzt geändert am 27.10.2019 - 16:05Uhr
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