Trotz digitaler Bezahlstrukturen: Nur Bares ist Wahres in Deutschland

Trotz digitaler Bezahlstrukturen: Nur Bares ist Wahres in DeutschlandGörlitz, 16. Juli 2019. Ob im Supermarkt, im Restaurant oder an der Tankstelle - wenn es ums Bezahlen geht, ist die Vorliebe für Bargeld in Deutschland ungebrochen. Und doch: Einer Statistik des Handelsforschungsinstituts EHI zufolge wurden vergangenes Jahr im stationären Einzelhandel erstmals mehr Kartenzahlungen als Bargeldtransaktionen durchgeführt.
Abbildung: Für Görlitzer ist es sehr bequem, im polnischen Teil der Europastadt, wo der Złoty gilt, mit Karte zu bezahlen

Mobiles Bezahlen auf dem Vormarsch

Mobiles Bezahlen auf dem Vormarsch

Die bargeldlose Zahlung vereinfacht auch das Tanken in Polen, allerdings hat der Tanktourismus nach der weitgehenden Angleichung der Spritpreise kaum noch Bedeutung

Einkäufe im Wert von 209,2 Milliarden Euro wurden 2018 per Karte bezahlt. Das entspricht einem Plus von 12,4 Milliarden Euro. Besonders die Girocard scheint es den Deutschen angetan zu haben, sie wird deutlich öfters gezückt als die klassische Kreditkarte. Immer seltener genutzt wird das Zahlen per Verrechnungsscheck. Im Einzelhandel gar nicht erst anerkannt, werden solche Schecks heutzutage nur noch etwa von Versicherungen ausgestellt, um Schäden beim Kunden zu begleichen. Laut Bundesbank gab es alleine zwischen 2010 und 2016 einen Rückgang von Schecktransaktionen von 48,3 auf 18,5 Millionen - anzunehmen ist, dass sich die meisten Deutschen drei Jahre später erst bei Banken darüber informieren müssten, wie sie solch einen Verrechnungscheck einlösen könnten.

Wesentlich moderner ist das sogenannte "Mobile Payment", das Bezahlen per Smartphone und entsprechender App. Diese Variante des bargeldlosen Zahlens nutzen aktuell rund 33 Prozent der Deutschen. Im vergangenen Jahr konnte sich lediglich jeder fünfte Deutsche vorstellen, mit dem Handy zu bezahlen. Insgesamt ist die Skepsis gegenüber Mobile Payment von 61 Prozent auf 47 Prozent gesunken.

Mehrheit möchte am Bargeld feshalten

Doch auch wenn immer mehr Bundesbürger die Vorzüge des bargeldlosen Bezahlens zu schätzen lernen: Die große Mehrheit möchte Münzen und Scheine behalten. Aktuellen Umfragen zufolge könnten es sich nur 26 Prozent der Deutschen vorstellen, in Zukunft vollständig auf Bargeld zu verzichten.

Bei diesen Ergebnissen verwundert es nicht, dass aktuell trotz steigender Anzahl an Kartenzahlungen noch immer 76 Prozent aller Einkäufe bar bezahlt werden, insbesondere kleine Beträge. Dass die Deutschen nicht ohne Grund aufs Bargeld beharren, zeigt eine Studie der Deutschen Bundesbank und des Handelsinstitutes EHI. Untersucht wurde die Schnelligkeit von Bar- und Kartenzahlung an der Ladenkasse – mit dem Ergebnis, dass die Barzahlung noch immer die schnellste und günstigste Variante für den Verbraucher ist.

Doch auch wenn die Deutschen noch immer Bargeld bevorzugen: Angesichts der erwähnten Statistiken zum elektronischen Bezahlverhalten scheint es nicht unmöglich, dass sich Bankkarten, Smartphones und andere bargeldlose Bezahlmedien langfristig auch in Deutschland als beliebtestes Zahlungsmittel durchsetzen. Dies wird nicht zuletzt von der nötigen Infrastruktur sowie hinreichenden Sicherheitsmaßnahmen beim Bezahlvorgang abhängen.

Teilen Teilen
Kommentare Lesermeinungen (0)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort
Weitere Artikel
 
  • Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 16.07.2019 - 07:26 Uhr
  • drucken Seite drucken