Geschichte der Zentral-Lausitz wird umgeschrieben

Kulturinsel Einsiedel | Zentendorf. Am 21. Juli 2007 öffnete auf der Kulturinsel Einsiedel bei Zentendorf das Turisede-Museum unter Anwesenheit zahlreicher Honoratioren und Gäste seine Pforten. Vorausgegangen war die Aufbereitung von Forschungsergebnissen aus dem letzten Jahrhundert, die teils aus politischen Gründen lange Zeit geheim gehalten wurden. Die Bedeutung der jetzt erstmaligen öffentlichen Zugänglichmachung der Erkenntnisse über das untergegangene Volk der Turisede wird in Fachkreisen mit der Wiederentdeckung Trojas durch Heinrich Schliemann verglichen.

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Große Fotogalerie von der Eröffnung des Turisede-Museums

Während des Eröffnungsrundganges, an dem auch der Landrat des Niederschlesischen Oberlausitzkreises, Bernd Lange, der Vorsitzende der Touristischen Gebietsgemeinschaft Neißeland e.V., Wolfgang Michel, sowie wichtige Pressevertreter teilnahmen, brillierte Jürgen Bergmann von der Kulturinsel Einsiedel mit detailreichem Faktenwissen über den Slawenstamm der Turisede.

„Alles begann im Jahr 1908 mit dem scheinbar unspektakulären Fund einer antiken Büste auf einem Acker bei Zentendorf“, erhellt Bergmann den Beginn der Entdeckung des geheimnisvollen Volkes. „Erst 1912 wurde die wissenschaftliche Bedeutung erkannt, woraufhin sofort mit systematischen Grabungen begonnen wurde.“ Diese wurden vom 1. Weltkrieg unterbrochen. Die Forschungen flackerten danach immer wieder auf, landeten aber in den fünfziger Jahren in Moskauer KGB-Archiven. Angebliche Hinweise auf Parallelen zum Verbleib des Bernsteinzimmers, wie sie angesichts der Nachforschungen zu den Turisede-Akten auftauchten, sind jedoch eher in das Reich der Spekulation zu verweisen.

Im neuen Museum, das in einem originalen Goralen-Haus untergebracht wurde, werden auf Schautafeln die weiteren Forschungen und die beteiligten Koryphäen vorgestellt.

Interessant sind vor allem die archäologischen Funde, die Rückschlüsse auf die Hochkultur und das soziale Selbstverständnis des gegen Ende des 1. Jahrtausends u.Z. vermutlich abgewanderten Volkes erlauben.

So gehört zu den Ausstellungsstücken eine 27-tönige Balgflöte. Zu unterstellen ist, dass damit auch älteren Turisedern, die nicht mehr so gut bei Puste waren, das Mitmusizieren und damit die aktive Teilhabe am Kulturleben ermöglicht werden sollte.

Mit einem laut klappernden Dreifachhuf hingegen suggerierten kleine turisedische Reitergruppen das Herannahen großer Verbände und schlugen Feinde ohne Kriegshandlungen in die Flucht.

Auch gibt es, beispielsweise in Form einer Kindersänfte, Hinweise auf einen ausgeprägten Kinderkult. Anzuregen wäre in diesem Zusammenhang, Sachsens Familienministerin Helma Orosz, die - da aus der Gegend stammend - möglicherweise selbst turisedische Gene in sich trägt, zu einem Studienaufenthalt einzuladen.

Mehr von der Eröffnung des Turisede-Museums in unserer untenstehenden Bildergalerie (für weitere Bilder bitte anklicken).

Musikalisch begleitet wurde die Eröffnung vom polnischen Vokalensemble Zarky aus Sorau (Zary) und den Dresdner Naturtonmusikern Axel und Bab.

Mehr:
http://www.kulturinsel.de

Kontakt zu den Naturtonmusikern:
bab_in_sky(at)freenet.de
Spamschutz: setze (at) = @

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Kommentare Lesermeinungen (5)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Geschichte damals - Geschichte heute

Von Jens Jäschke am 24.05.2012 - 08:15Uhr
Das hier und jetzt zählt. Alles andere können Leute diskutieren, die lange Weile haben.

Lasst sie doch machen...

Geschichte als Phantasie?

Von T. Redes am 23.05.2012 - 23:21Uhr
@ Görzelec: Was würden Sie sagen, wenn ich Ihre Vorfahren als "blühende Phantasie" abtun würde?

Ich nehme sehr ernst, woher ich stamme. Gerade weil die Slawen von den deutschen Kolonisatoren unterdrückt wurden.

Außerdem spricht die Ausgrabungsstelle auf der Kulturinsel Bände.Mit etwas Geduld kann dort jeder selbst Relikte unserer Kultur finden.

Es ist Jürgen Bergmann außerordentlich zu danken, dass er sich so sehr für die Geschichtsforschung engagiert und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Realität und Fiktion

Von Görzelec am 22.05.2012 - 21:07Uhr
Leute! Das ist schlicht und einfach mal wieder eines der vielen Kinder von Jürgen Bergmanns blühender Phantasie. Seien wir alle froh, so jemanden in unserer Mitte zu haben.

In einer Gegend, in der häufig so erbittert über die Geschichte gestritten wird (zum Beispiel letzter Wahlkampf in Görlitz usw.) tut jemand gut, der sich einfach hinsetzt und sich seine eigene Geschichte ausdenkt.

Nehmt doch bitte nicht alles immer so ernst.

Wir lassen uns unsere Vergangenheit nicht nehmen!

Von T. Redes am 20.05.2012 - 09:51Uhr
Die Vergangenheit ist nicht logisch und aalglatt. Und der Umstand, dass sie sich uns nicht vollständig erschließt, macht es auch nicht einfacher.

Aus diesem Nicht-Wissen heraus zu behaupten, die Slawen hätten keine Hochkultur hervorbringen können, grenzt an Rassismus!

Historischer Humbug

Von tomjones am 19.05.2012 - 02:17Uhr
Historisch sind da sehr viele Ungereimtheiten. Die Austellungstexte glänzen leider vor geschichtlichen Fehlern und Fehlinterpretationen.

Sicherlich wird es in der Gegend eine slawische Kultur gegeben haben. Aber ganz sicher keine Hochkultur mit magischen Kristallen, die dann an der Front im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kamen.
Auch keine Slawen um das Jahr Null - wie da vermutet wurde - nur weil eine Dame in einer Strichzeichnung ähnlich ausschaut?!

Es wird immer von "anerkannten Historikern" geschrieben. Ja, welche denn?

Nur Beispiele. Humbug vom Feinsten.
Etwas deutlicher hätte man es schon machen können, dass es zur geschichtlichen Verzierung des Geländes passt.

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  • Quelle: /Thomas Beier | Fotos: /Thomas Beier
  • Erstellt am 22.07.2007 - 08:28Uhr | Zuletzt geändert am 22.07.2007 - 12:35Uhr
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