Die Stadt Görlitz

Die Stadt GörlitzGörlitz, 27. März 2019. Dieser Artikel ist das Ergebnis eines Experiments: Wie und mit welchen Fakten beschreibt ein Schüler, der noch nie in der Neißestadt gewesen ist, die Stadt Görlitz? Der Artikel legt offen, wie das am Ostende Deutschlands gelegene Görlitz am Westende wahrgenommen wird.
Abbildung: Das Gerhart-Hauptmann-Theater hat größe Häuser in Görlitz und in Zittau. Zu den festen Spielstätten gehören eine Naturbühne in Jonsdorf und mit dem APOLLO eine Kleinkunstbühne in Görlitz, außerdem werden der Klosterhof Zittau und der Stadthallengarten in Görlitz bespielt

Ein Aufsatz und ein Kommentar

Ein Aufsatz und ein Kommentar

Görlitz vor hundert Jahren? Nein, die Brüderstraße im Herzen der Stadt im November 2018!

Görlitz ist die östlichste Stadt in Deutschland. Sie gehört zu den Zipfelgemeinden. Die Stadt befindet sich zudem an der Neiße. Görlitz stellt das historische Zentrum der niederschlesischen Oberlausitz dar. Heute gehört sie zu Sachsen. Die Stadt wurde in Zweiten Weltkrieg kaum zerstört. Aus diesem Grund kann man die architektonische Entwicklung bis heute noch gut ablesen. Darüber hinaus sind viele historische Gebäude vorbildlich restauriert. Aus diesem Grund hat die Stadt auch internationale Bekanntheit erlangt. Die Stadt wird auf internationaler Ebene auch als "Görliwood" bezeichnet.

Hintergrund der Stadt

Die Stadt Görlitz kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die ersten Zeugnisse einer Besiedlung sind auf die späte Jungsteinzeit zurückzuführen. Es können aber auch Funde aus der Römerzeit belegen, dass zu diesem Zeitpunkt eine erste Besiedlung entstanden ist.

Anreise

Man kann nach Görlitz mit dem Flugzeug anreisen. Der nächstgelegene Flughafen ist Dresden. Dieser Flughafen ist nur 100 Kilometer weiter weg. Auch mit der Bahn kann man anreisen. Berlin und Wroclaw sind nur 170 und 195 Kilometer weiter weg. Darüber hinaus gibt es auch in der Nähe einen kleinen Flugplatz bei Rothenburg. Dieser ist aber nur für Privat- und Sportflieger geeignet.

Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit mit der Bahn anzureisen. Der Bahnhof Görlitz befindet sich nur einen Kilometer südwestlich der Altstadt. Auf dem Bahnhofsvorplatz gibt es einen Umstieg, wo man in die Straßenbahn gelangen kann. Am südlichen Ausgang findet man die Stadtbuslinie B.

Aus den Städten Dresden, Cottbus und Breslau kann man die Stadt innerhalb weniger Stunden erreichen (redaktioneller Hinweis: ab Dresden eine reichliche Stunde, ab Cottbus ca. eine anderthalbe Stunde, ab Breslau knapp zwei Stunden). Sollte man mit dem Auto anreisen, so muss man über die Autobahn 4 anfahren. Diese kommt aus Dresden und setzt sich bis in die Stadt Breslau in Polen fort. Sollte man aus Cottbus anreisen, so muss man über die Autobahn 15 und die Bundesstraße 115 fahren.

Mit dem Bus kann man Görlitz ebenfalls erreichen. Von Berlin sind es beispielsweise nur viereinhalb Stunden. Aus München sind es neun Stunden.

Sehenswürdigkeiten

In Görlitz hat man die Möglichkeit eine wechselhafte Geschichte und sagenhafte Bauten zu bewundern. Aus diesem Grund gibt es in der Stadt bis heute noch die größte zusammenhängende denkmalgeschützte Bebauung Deutschlands. Es stehen in Görlitz insgesamt 4000 Gebäude unter Denkmalschutz.

Wirtschaft und Kultur

In Görlitz gibt es größere und kleinere Unternehmen. Einkaufen kann man in mehreren Märkten oder Einzelhandelsgeschäften, von denen aber welche leerstehen. Auch viele Wohnungen stehen leer, obwohl sie neu gemacht wurden. Die Stadt bietet viel Kultur. Trotzdem wollen viele nicht dort leben. Das liegt daran, dass es zu wenig Arbeit gibt und zu schlecht bezahlt wird.


Kommentar:

Kennen Sie das, wenn man plötzlich einen Spiegel vorgehalten bekommt und man über das, was da im Spiegelbild zu sehen ist, erschrickt? Aber es ist schon so: Trotz aller Wohnungsnot und hoher Mieten zieht es die Leute vor allem in die Großstädte, die mehr Jobchancen und eine gute Verkehrsanbindung bieten. Neulich sagte mir jemand im Auto auf der Fahrt nach Görlitz: "Hier musst Du ja ewig fahren, wenn du jemanden besuchen willst." Stimmt, meine persönliche Lösung: Bis Dresden zählt nicht, dort ist die Hausschwelle.

Wenn man als Oberlausitzer in Deutschland herumkommt, bekommt man zu spüren: Ostsachsen hat sich den Ruf erarbeitet, "braun" zu sein. In einem Neißestädtchen zwischen Görlitz und Zittau finden regelmäßig Nazifestivals statt, aus Görlitz ist ein AfDler per Direktmandat in den Bundestag gewählt worden, ein anderer – Typ smarter Schwiegersohn – möchte gern Oberbürgermeister werden. Wer nach dem Warum für diese dunkle Seite der Oberlausitz fragt, dem sei der Roman "Mit der Faust in die Welt schlagen" von Lukas Rietzschel empfohlen, der Enwicklungen in der ostdeutschen Gesellschaft offenlegt. Um das Bild zu vervollständigen muss auf die Ostritzer Friedensfeste, die sich den Nazifestivals entgegenstellen, hingewiesen werden und auf das breite demokratische Spektrum in Görlitz, zu dem auch handlungsfähige Bürgervereine, teils im Stadtrat vertreten, gehören.

Ansonsten muss man im Westteil der deutsch-polnischen Europastadt an der Lausitzer Neiße sehr sorgfältig zwischen Görlitz-spezifischen und -unspezifischen Rahmenbedingungen unterscheiden. Zu Görlitz gehört auf jeden Fall, dass hier besonders laut für Touristen und neue Einwohner, sprich Zuzügler, geklappert wird. Von dem, was die Werber versprechen, trifft vieles zu: Eine historische Stadt mit nahezu unversehrtem Stadtbild in der Fläche, üppige Grünanlagen, freundlich für Fußgänger und immer deutlicher auch für Radfahrer, Nahverkehr mit Bus und Straßenbahn, großer Naherholungssee am Stadtrand, nicht zuletzt viele freundliche Menschen, die fremden offen begegnen, wozu auch eine serviceorientierte Verwaltung zu zählen ist. Junge Leute finden hier Freiräume und die Macher unter ihnen schnellen Anschluss. Auf diese Freiräume im übertragenen wie im eigentlichen Sinn dürfte manche westdeutsche Großstadt ebenso mit leisem Neid schauen wie auf das kulturelle Angebot. Alles wird noch aufgewertet durch den polnischen Teil der Stadt und die Nähe zu Böhmen, was einen Hauch von Internationalität in den Alltag weht. Unbedingt zu erwähnen ist das Umland, das von der Heide- und Teichlandschaft über Mittelgebirge abwechslungsreiche Natur bietet. Ausflugsziele wie Landgasthöfe, Bootsfahrten, Berge und versteckte Naturschönheiten locken ebenso wie der wohl verrückteste Abenteuerfreizeit- und Urlaubspark mindestens Europas. Ach so, und fein sanierte Wohnungen warten zu sehr günstigen Mieten auf Bewohner.

Anderes ist – selbstverständlich – nicht Görlitz-spezifisch: Auch hier muss man seinen Rundfunkbeitrag entrichten, flattern Unternehmern Gewerbesteuerbescheide ins Haus, gibt es ein Ordnungsamt, gute und nicht so gute Kneipen, sind Handwerker nicht ganz billig, lassen sich Steuerberater nach Tabelle bezahlen, fallen Factoring Kosten an, sind Ärzte manchmal knapp. Auch der Arbeitsmarkt ist durchaus typisch für die Randlage einer Stadt im strukturschwachen Umfeld. Dennoch gelingen in der Stadt und im Landkreis Görlitz immer wieder durchaus spektakuläre Industrieansiedlungen, neuerdings beginnt auch die Forschung aufzublühen.

Unter dem Strich: Görlitz ist ein toller Ort zum Leben, wenn man ein vernünftiges Arbeitseinkommen hat oder, noch besser, gar nicht erst darauf angewiesen ist,

meint Ihr Thomas Beier

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Kommentare Lesermeinungen (1)
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Buchempfehlung "Mit der Faust in die Welt schlagen"

Von Johannes Lebong am 27.03.2019 - 17:53Uhr
Dem Literaturtipp von Thomas Beier kann ich mich anschließen, möchte jedoch im Kontext noch einen ganz ähnlich gelagerten Roman empfehlen. Er heißt "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß".

Die Autorin Manja Präkels wurde dafür mit dem Jugendliteraturpreis 2018 ausgezeichnet. In ihrem autobiografisch gefärbten Debütroman erzählt sie vom Verschwinden der DDR in einem Kleinstadtidyll, vom Auftauchen verloren geglaubter Gespenster, von Freundschaft und Wut, und wie in den Neunzigerjahren Neonazis in Brandenburg zu gewaltbereiten Alphatieren aufsteigen.

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  • Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 27.03.2019 - 11:45 Uhr
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