Wilde Wildnis
Königsbrück. "Die Königsbrücker Heide - Sachsens größtes Naturschutzgebiet - soll in den nächsten Jahren Stück für Stück weiter für Besucher geöffnet werden", kündigte der sächsische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Stanislaw Tillich am Mittwoch, dem 11. April 2007, in Königsbrück an. Der Minister informierte sich bei einem Besuch des ehemaligen Truppenübungsplatzes nicht nur über die einzigartige Fauna und Flora sondern auch über die Schwierigkeiten, die eine weitere Öffnung der Heide mit sich bringt.
Sachsens größtes Naturschutzgebiet
Obwohl in den letzten zehn Jahren mehr als eine Viertel Million Kampfmittel (von Patronenhülsen über Panzergeschosse bis hin zu Kurzstreckenwaffen) aus dem Gebiet geholt und entsorgt sowie 750 militärische Gebäude und Anlagen abgerissen wurden, sei die Sicherheit in dem etwa 7.000 Hektar großen Gebiet noch lange nicht gewährleistet. "Lediglich fünf Prozent der Fläche sind unbedenklich betretbar", so Tillich. Der Freistaat habe als Eigentümer die Verantwortung für die Sicherheit. Eine vollständige Beräumung sei jedoch - aus Kosten- und Kapazitätsgründen - auch in den nächsten Jahren nicht machbar. "Schon die Beräumung von Teilen ist eine Generationenaufgabe", betonte der Minister.
Um dennoch mehr Menschen die einzigartige Landschaft zu zeigen, wird die Zahl von sogenannten Schaufenstern erhöht. So werden in diesem Jahr unter anderem Aussichtstürme an der Wettinhöhe und am ehemaligen Flugfeld Lüttichenau errichtet. Zum Abschluss gebracht werden soll auch der Ausbau des Kiefernweges Schmorkau als Radweg. Die bewährten Busexkursionen werden beibehalten und sollen erweitert werden. Saisonbeginn ist der 15. April. In der Vergangenheit nutzten rund 24.000 Besucher die Möglichkeit, die Heide per Kleinbus in Augenschein zu nehmen. Erstmals angeboten werden ab diesem Jahr geführte Wanderungen und Radtouren. Für diese Touren sowie diverse Besuchereinrichtungen stellt der Freistaat zusätzlich einmalig 400.000 Euro zur Verfügung.
"Wo sonst in Sachsen kann man zwei und mehr Stunden durch völlig unberührte Natur streifen", hob Minister Tillich die Einzigartigkeit dieses Landstriches hervor. Die nicht immer rühmliche Vergangenheit des Geländes habe letztendlich auch ihr Gutes gehabt. Durch die militärische Nutzung und Sperrung des Gebietes haben sich Lebensräume mit einer Fauna und Flora entwickelt, die ihresgleichen suchen. "Offenlandschaften, Feucht- und Waldgebiete - in dieser Kombination und Größe einmalig in Sachsen", schwärmte denn auch der Minister.
Zu den Tierarten, die sich hier wohlfühlen, gehört neben Heidelibelle, Glattnatter und Biber auch die "Gewöhnliche Gebirgsschrecke". Naturexperten bezeichnen deren Vorkommen in Sachsen als sensationell, da diese sonst nur in den Pyrenäen, Karpaten und der Mongolei zu finden ist. Aber nicht nur die Tierwelt ist faszinierend. Seltene Pflanzen wie Wald-Läusekraut, Lungenenzian, Heidenelke und Sandthymian, Froschkraut und Wasserhahnefuß sind woanders kaum noch zu finden.
Mehr:
http://www.koenigsbruecker-heide.de
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- Quelle: /red
- Erstellt am 12.04.2007 - 00:58Uhr | Zuletzt geändert am 12.04.2007 - 00:58Uhr
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