Corona-Pandemie: Krankenhäuser im Kreis Görlitz überlastet

Corona-Pandemie: Krankenhäuser im Kreis Görlitz überlastetLandkreis Görlitz, 27. November 2020. Wie sehr die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie berechtigt und notwendig sind, zeigt die dramatische Entwicklung im Landkreis Görlitz. Hier ist nun eingetreten, was Corona-Leugner und ihr Umfeld nicht wahrhaben wollten: Das Virus tötet nicht nur Ältere und Vorerkrankte, sondern die Krankenhauskapazitäten reichen nun auch für andere Erkrankte nicht mehr aus. Patienten wurde bereits in andere Landkreise gebracht.

Abb.: Als erstes Krankenhaus in Deutschland ist das Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz vollständig auf die Bedürfnisse von Patienten mit Demenz eingestellt. Dieses Prädikat der Silviahemmet-Stiftung wird die schwedische Königin Silvia dem Krankenhaus in Görlitz-Rauschwalde am 30. November 2020 online verleihen.

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Krankenhaus-Stationen geschlossen

Thema: Coronavirus

Coronavirus

Infektionen mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) verlaufen pandemisch. Lebensgefahr besteht bei einer Erkrankung an Covid-19 vor allem für Immungeschwächte und Ältere. Vielfältige Maßnahmen sollen die Ausbreitung verlangsamen, um medizinische Kapazitäten nicht zu überlasten sowie Zeit zur Entwicklung eines Medikamentes und eines Impfstoffs zu gewinnen. Im Blickpunkt stehen auch die Wirtschaft und soziale Auswirkungen.

174 an Covid-19 Erkrankte werden mit Stand von gestern stationär in den Krankenhäusern und Klinika des Landkreises Görlitz behandelt, 28 davon intensivmedizinisch. Die Eingewiesenen sind zwischen 48 und 87 Jahre alt. Doch auch jüngere Leute sind gefährdert: Der jüngste Covid-19-Patient, der stationär in einer Klinik behandelt werden musste, ist 26 Jahre alt.

Die Auslastung der Covid-19-Bereiche in den Krankenhäusern liegt auf den Normalstationen bei 83 Prozent und im intensivmedizinischen Bereich bei alarmierenden 96 Prozent. Weil damit die Intensiv-Kapazitäten im Landkreis Görlitz nahezu ausgeschöpft sind, wurden bereits zehn Patienten auf Intensivstationen außerhalb des Landkreises, so etwa nach Cottbus, Dresden und Freital, verlegt.

Wegen der weiter wachsenden Zahl von Covid-19-Patienten wurden bereits Stationen geschlossen und Behandlungen, bei denen das vertretbar erscheint, verschoben. Für Patienten, die an anderen Infektionen wie etwa durch Noroviren, Rotaviren oder Influenza leiden und behandelt werden müssten, reichen die Versorgungskapazitäten nicht mehr aus. Um Versorgungsengpässe abzuwenden und weitere Kapazitäten in den Krankenhäusern freizulenken, hat sich der Landkreis Görlitz bereits an den Freistaat Sachsen gewandt.

Außerdem hat der Landkreis Görlitz einen Verlängerungsantrag für die Unterstützung durch die Bundeswehr, die nun bis zum 31. Januar 2021 erfolgen soll, gestellt und zusätzliches Personal für die Pflegeeinrichtungen angefordert. Gerechnet wird mit einer zeitnahen Entscheidung. Wird dem Antrag zugestimmt, werden in den nächsten Tagen 158 Soldaten der Bundeswehr in Einrichtungen im Landkreis Görlitz im Einsatz sein. Bereits jetzt unterstützen die Soldaten das Gesundheitsamt bei der Kontaktpersonenermittlung und helfen in mobilen und stationären Abstrich-Teams sowie in Kliniken.

Auf den Pflegehelfer-Aufruf haben bislang 44 Personen mit einer Ausbildung oder Erfahrungen in einem pflegerischen, medizinischen oder sozialen Beruf reagiert und ihre Bereitschaft signalisiert, die Pflegeeinrichtungen im Landkreis Görlitz zu unterstützen zu. Der Landkreis Görlitz übernimmt die Vermittlung der Interessenten an die jeweiligen Einrichtungen, damit diese die Versorgungssicherheit der Bewohner absichern können.

Alten- und Pflegeheime betroffen

Betroffen vom Coronavirus SARS-CoV-2 bzw. von Quarantänen sind im Landkreis Görlitz insgesamt 15 Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe in Bertsdorf-Hörnitz, Zittau, Görlitz, Oppach, Bad Muskau, Weißwasser/O.L. / Běła Woda, Ebersbach-Neugersdorf, Herrnhut, Löbau und Großschönau. In weiteren drei Einrichtungen in Görlitz, Bernstadt a.d. Eigen und Olbersdorf liegen Verdachtsfälle vor.

Infektionszahlen weiter auf hohem Niveau

Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten ist im Kreis Görlitz von vorgestern mit 2.238 auf gestern 2.319 gestiegen, vorgestern wurden 195 Erwachsene und 13 Kinder als neu infiziert gemeldet, gestern waren es weitere 168 Erwachsene und 11 Kinder.

Die SiebenTages-Inzidenz lag vorgestern bei rund 323 auf 100.000 Einwohner und stieg binnen eines Tages auf rund 370. Werden Neuinfektionen festgestellt, erhöht sich die Zahl der akut Erkrankten erst Tage später, wenn sich der Krankheitsverlauf zeigt. Die Todesfälle bei schweren Verläufen folgen dann nochmals verzögert. Die hohen Inzidenzwerte lassen also eine weiter gesteigerte Dramatik bei den Behandlungskapazitäten und der Zahl der Toten erwarten.

An den letzten beiden Tagen sind im Landkreis Görlitz 20 Menschen mit, deutlicher gesagt an Covid-19 gestorben. Sie wurden zwischen 68 und 97 Jahre alt. Die Gesamtzahl der Corona-Toten erhöht sich damit im Landkreis auf den Zwischenstand von 111.


Kommentar:

Am heutigen späten Nachmittag soll die neue Corona-Schutz-Verordnung, die neue Verschärfungen der Vorsichtsmaßnahmen mit sich bringt, vorgestellt werden. Erwartet werden hingegen Lockerungen für die Weihnachtszeit.

Klar ist, dass eine solche Verordnung nicht dazu da ist, die Bürger zu drangsalieren. Wer gegen die Maskenpflicht wettert sollte bedenken, dass ein Staat, der auf Überwachungskameras setzt, gar kein Interesse daran haben kann, dass seine Bürger mit den Atemwegen einen Teil ihres Gesichtes bedecken.

Außerdem sind die Corona-Schutz-Verordnungen immer das Ergebnis eines politischen Abwägungsprozesses zwischen dem für den Schutz Nötigen und Wünschenswerten und dem, was man der Bevölkerung zumuten kann. So gesehen ist eine Corona-Schutz-Verordnung immer nur ein Mindeststandard und der vernünftige Bürger sollte überlegen, welche Vorsichtsmaßnahmen vor einer Infektion er außerdem noch ergreifen kann. So sehr sich wohl die allermeisten nach Lockerungen zur Weihnachtszeit sehnen: Man muss sie nicht ausreizen, vor allem, wenn Ältere und andere mit geschwächtem Immunsystem im Spiel sind.

Gerade in der Adventszeit sollte man jedoch seine Kontakte zu Verwandten und Freunden intensivieren, per Post, Telefon oder über das Internet. Für viele, die unter der Einsamkeit leiden, ist es schon beruhigend, wenn sie merken, dass an sie gedacht wird, meint Ihr

Thomas Beier

Kommentare Lesermeinungen (1)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Corona Kommentar

Von Wolfgang Herrmann am 27.11.2020 - 12:09Uhr
Der Kommentar von Thomas Beier spricht mir aus dem Herzen. Die Gegner der Schutzmaßnahmen betreiben eine neue Art Rassismus. Erst waren es die Juden, dann die Ausländer und jetzt die Alten. So geht es nicht. Jeder hat ein Recht zu Leben.

Im übrigen ein großes Lob an alle Mitarbeiter des Görlitzer Anzeigers. Ihr berichtet schneller und aktueller was uns Bürger betrifft. Da kann die Sächsische Zeitung nicht mithalten und schon gar nicht die Internetseite (Schlafmützenseite) der Stadt Görlitz.

Wolfgang Herrmann
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Anmerkung der Redaktion:

Danke für's Lob! Allerdings müssen wir die Stadt Görlitz ein wenig in Schutz nehmen: Sowohl die Stadt als auch Ihre Tochtergesellschaften machen eine sehr gute Pressearbeit.

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  • Quelle: red | Foto: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 27.11.2020 - 09:31Uhr | Zuletzt geändert am 27.11.2020 - 10:41Uhr
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