Deutsch-polnisches Verhältnis in Görlitz-Zgorzelec

Görlitz, 4. Februar 2008. Der Beitritt der Polnischen Republik zum Schengen-Raum und der damit verbundene Wegfall der Grenzkontrollen sollte ein großer Schritt im Neben- und Miteinander der Polen und Deutschen sein. Eine Zwischenbilanz.

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Grenzkontrollen wieder einführen?

Oberflächlich gesehen ging es den Deutschen immer nur um billigen Sprit fürs Auto, um preiswerte Lebensmittel und Klamotten. Um die eigentlichen positiven Entwicklungen zu erkennen, muss man etwas genauer hinsehen: Die Selbstverständlichkeit, zum Skilaufen ins Riesengebirge zu fahren, ein gemeinsamer deutsch-polnischer Musikschulwettbewerb, die Zusammenarbeit der Bürgermeister und der für das Stadtbild Verantwortlichen und vieles mehr haben sich Zug und Zug entwickelt.

Anstelle diesen Prozess zu beschleunigen hat die Abschaffung der Grenzkontrollen bei vielen Bürgern alte Vorurteile geweckt: Die Angst vor krimineller Bedrohung ist wieder ausgebrochen. Freilich werden auf der deutschen Seite jetzt deutlich mehr Autos geklaut als noch im alten Jahr 2007, Diebstähle und Einbrüche haben zugenommen und werden höchst sensibel registriert. Die Sicherheitsbranche prosperiert, weil viele Geld für einbruchshemmendes Zubehör und für bessere Schließzylinder ausgeben.

Schon wird die Wiedereinführung der Grenzkontrollen herbeigewünscht, allerdings angesichts der EU-Allmacht nicht ernsthaft gefordert.

Es ist, wie es ist. Niemand konnte ernsthaft glauben, dass die Zahl der Diebstähle nach Grenzöffnung zurückgeht. Zu allen Zeiten haben Grenzstädte allerlei buntes Volk angezogen, und wenn eine Europa-Grenzstadt die Tore öffnet, so gleicht das dem Ruf: "Strömt herbei!"

Dennoch: Der Wegfall der Grenzkontrollen ist ein so wichtiger Schritt im Prozess der Aussöhnung von Deutschen und Polen, dass er zweifelsohne richtig war. Beide Seiten müssen lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Polen müssen sich ein Stückchen weit an Deutsche anpassen - und den Deutschen tut es gut, ab und an auch etwas polnische Mentalität zuzulassen.

Ein Video aus dem Jahr 2006, freundlich zur Verfügung gestellt von Christoph Ostermann aus Hannover, wirft einen erfrischenden Blick auf das deutsch-polnische Verhältnis in Görlitz-Zgorzelec, der Europastadt. Gezeigt werden Straßeninterviews in Görlitz und Zgorzelec über das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen. Entstanden ist das Video im Rahmen eines internationalen Jugendaustauschs in St. Marienthal.

Video Video

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Kommentare Lesermeinungen (3)
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deutsch polnisches verhältnis

Von hendrik am 06.02.2008 - 19:13Uhr
ja richtig - ich denke auch das es durch den wegfall der grenze nicht zu mehr kriminalität kommt und wenn dann einzig und allein weil es viel mehr kontrollen gibt als anderswo. würde man in berlin nur annähernd so oft angehalten werden wie hier dann wäre dort die kriminalitätsrate bestimmt doppelt so hoch.

Berichte darüber

Von Markus am 05.02.2008 - 23:32Uhr
Ich hab vor kurzem mal einen Fernsehbeitrag im ZDF angesehen, wo die Aussage getroffen wurde, dass die Kriminalität im "grenznahem" Raum sogar abgenommen hat. Vielleicht schaut man gerade in unserer Region jetzt ganz genau auf dieses Problem. Ich würde gerne Statistiken der Polizei abwarten, die dann vielleicht bessere Zahlen vorweisen können.

Die Meldungen, Einbruch hier, Klau da, zeigen einen Zustand, der vielleicht eigentlich Normalität ist und damit rein garnichts mit der Grenzöffnung zu tun hat.

mfg Markus aus Zittau

Grenzgeflüster

Von Menschlein am 04.02.2008 - 23:18Uhr
Vermehrte Einbrüche und Diebstähle geistern seit der Grenzöffnung durch alle Medien.
Trotzdem meine ich, es war ein richtiger Schritt, die „Tore“ zu öffnen. Barrieren in den Köpfen wegen unterschiedlicher Nationalität sollten im Zeitalter von Elektronik, Raumfahrt und Klimaforschung doch langsam verschwinden. Wir alle sind nur Menschen und jedes Volk hat seine Genies und seine Pappenheimer.
Ein gutes Beispiel für gegenseitige Annäherung liefert das deutsch-polnische Jugendradio „Grenzgeflüster“ beim Radio SAEK Hörfunk Görlitz, welches mit Themen aus Alltagsleben und Kulturszene beiderseits der Neiße in jeder ersten Woche im Monat auf Sendung geht. Deutsche und polnische Jugendredakteure erstellen und produzieren gemeinsam die Sendung. Und ganz selbstverständlich entstehen Verständigung und Einblick in Mentalität, Sprache und Kultur einer anderen Nation.
Ein offenes, freundliches Aufeinanderzugehen und Kennen lernen unserer Nachbarn wäre auch in vielen anderen Bereichen wünschenswert.

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  • Quelle: /FRS
  • Erstellt am 04.02.2008 - 07:25Uhr | Zuletzt geändert am 05.02.2020 - 10:36Uhr
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