Willkommen im Land der Schilder!

Willkommen im Land der Schilder!Görlitz, 3. April 2022. Von Thomas Beier. Die Deutschen lieben Schilder, vor allem Verbotsschilder – allerdings nur, wenn sie diese Schilder selbst aufstellen. Sind sie selbst von dem angezeigten Verbot betroffen, scheiden sich die Geister.

Abb.: Weder professionell noch freundlich, dafür aber aussagekräftig ist dieses Schild in der Nähe von Königshain bei Görlitz

Foto: © BeierMedia.de

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Schilder und Schildbürger – einig Schilderland!

Schilder und Schildbürger – einig Schilderland!

Wer sich in Görlitz zur Stadthalle positioniert, kennt dieses nunmehr als historisch zu bezeichnende Schild im Siebzigerjahre-Stil, das einem Denkmal gleichkommt und entsprechend unter Schutz gestellt werden sollte

Foto: © Görlitzer Anzeiger

Dabei gibt es ja wirklich sinnvolle Schilder, etwa die zur Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn oder vor Schulen – na, Sie wissen schon, die mit dem roten Rand. Die verbieten, in Kilometern pro Stunde schneller zu fahren, als die Zahl im roten Ringlein vorgibt.

Fehlinterpretationen gehören zu Schildern wie die Dummheit zum Menschen

Doch die Sachsen sind Weltmeister im Missverstehen, über die Ursachen soll hier gar nicht erst diskutiert werden. Jedenfalls interpretieren – man könnt’ glatt meinen, die allermeisten – diese Verkehrszeichen als Vorgabe einer unbedingt zu überschreitenden Mindestgeschwindigkeit. Wer es nicht glaubt, möge auf der Autobahn A4 von Görlitz nach Dresden fahren und sich streng an die streckenweise geltenden Tempolimits halten.

Immer wieder ist man mit dieser Einstellung sehr einsam und fühlt sich zugleich als den Rest der Welt provozierendes Verkehrshindernis, was wiederum zu heftigen Reaktionen der in ihrem Fortbewegungsdrang ausgebremsten Kraftfahrer führt. Man sieht: Schilder wirken, doch sie bewirken oft genug genau das Gegenteil von dem, wofür sie eigentlich gedacht sind. Ein seltsamer Bürgertrotz scheint zu flüstern: Jetzt erst recht nicht!

Sinnfreie Schilder

Natürlich gibt es auch Schilder, die in vollständiger Absolutheit sinnfrei sind, etwa: “Das Betreten des Anlegestegs ist strengstens verboten!” Aber wozu braucht man dann einen Anlegesteg? Legendär der Aushang, wonach die Polizei im Zuge der Drogenberatung einen Schnupperkurs zum Thema Kokain anbietet oder auch das Schild. “Spielen auf auf dem Kindergartengelände verboten”. Oder das Friedhofsschild, das jeden verpflichtet, seinen Grabplatz in Ordnung zu halten. Genug.

Schilder wirken immer

Wenn man sich all die lustigen Beispiele ansieht, dann wird schnell klar: Schilder wirken, ob nun als Großplakat, braun-beige Unterrichtungstafel an der Autobahn oder Reklameschild, auch wenn man es nicht wahrhaben möchte. Interessant ist, dass Schilder auf zwei Wegen wirken: Sie bieten in einer konkreten Situation Orientierung und Handlungsanleitung, etwa als Wegweiser, Firmenschild, Werbeaufsteller oder Warnhinweis. Andererseits wird der Anblick unwillkürlich wahrgenommen und oft im Langzeitgedächtnis gespeichert, die optische Wahrnehmung wirkt damit zeitlich länger, was in der Werbung genutzt wird.

Schilder in der Werbung

Aber genau deshalb muss die Herstellung von Werbeanlagen und als Basis dafür die Produktion der Werbeschilder wirklich professionell erfolgen. Neben der Gestaltung spielen das Trägermaterial der Werbeschilder und die Farben, die für das Bedrucken verwendet werden, eine ausschlaggebende Rolle: Nur Werbeschilder, die auch über lange Zeit gut aussehen, können ihre Funktion erfüllen.

Wie könnte es anders sein: Auch Werbeschilder gehen in Inhalt und Gestaltung gern nach hinten los – meist dann, wenn jemand meint, den Werbegrafiker könne man sich ebenso sparen wie eine für den Betrachter verwertbare Aussage. Leider verbietet es sich angesichts des Wettbewerbsrechts, Beispiele zu veröffentlichen.

Schilder und der Datenschutz

Mit der Einführung der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Jahr 2018 kursierte die Meldung, auf den Schildern von Wohnungsklingeln dürften die Namen der Bewohner nicht mehr aufgeführt werden. Das ist Unsinn, denn die DSGVO regelt die Verarbeitung personenbezogener Daten natürlicher Personen – übrigens nicht von Verstorbenen – durch natürliche Personen, Unternehmen oder Organisationen innerhalb der Europäischen Union.

Natürlich können unterschiedliche Rechtsbereiche Einfluss auch auf Schilder haben und müssen beachtet werden, etwa das Markenrecht, Persönlichkeitsrechte oder kommunale Vorschriften zum Anbringen von Werbeschildern oder zur Aufstellung von Werbetafeln, um nur einige Beispiele zu nennen.

Unterm Strich

Schilder sind in Deutschland ein fester Kulturbestandteil, der zuweilen Blüten treibt. Andererseits sind sie ein effizientes Informations- und Orientierungsmedium und trotz aller Digitalisierung scheint ihre Bedeutung in der analogen Welt weiter zuzunehmen.

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  • Erstellt am 03.05.2022 - 09:21Uhr | Zuletzt geändert am 03.05.2022 - 09:58Uhr
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