Eine andere Zeit

Eine andere ZeitGörlitz, 20 .März 2021. Jetzt mal ehrlich: Wenn man in Görlitz wohnt und, wie man so schön sagt, in die Jahre kommt, dann kann man schon ein wenig daran verzweifeln, welche Lebenseinstellung jüngere Leute entwickeln. Wirklich?

Foto: Peggy und Marco Lachmann-Anke, Pixabay License (Bild beschnitten)

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Bloß nicht sesshaft werden

Klar kann man kurz vor der mehr oder weniger hoch ausfallenden Rente zurückträumen, was man alles hätte tun und erleben können. Heute nochmal 18 und in den Verhältnissen der Gegenwart? Da gäbe es nur eines: Die Familie anpumpen und ein Wohnmobil kaufen – was kost’ die Welt?! Der damals – anfangs der Siebziger – zeitgemäß ein wenig kitschige Stanley-Kramer-Fim “... und sie sind nur Kinder” (in der damaligen Bundesrepublik auch: "Denkt bloß nicht, dass wir heulen") liefert ein Beispiel für den Ausbruch aus der Enge der Welt.

Die Zeiten ändern sich immer wieder – und sie haben sich geändert. Aus der erlebnishungrigen Generation, die den Beschränkungen des Elternhauses entfliehen wollte, sind Eltern und Eigenheimbesitzer geworden, darauf bedacht, ihren Besitzstand zu wahren und ihren Kindern die bestmögliche Zukunft zu ermöglichen. Stimmt in jedem Fall? Freilich gibt es auch die anderen, die nie wirklich sesshaft gewordenen, ständig bereit, alles zu wagen, so ganz anders als "Die Mutlosen", wie Klaus Hoffmann sie besingt. Das sind Leute, die nicht einfach ständig auf gepackten Koffern sitzen, sondern jene, die niemals einen Nagel in die Wand schlagen, um ihren Hut hinzuhängen.

Diese Nichtsesshaften meiden, wo immer möglich, alles, was bindet, etwa Mietverträge und sonstige Fußfesseln. Das klingt übertrieben? Klar braucht man in Deutschland eine feste Wohnsitzadresse, andererseits ziehen genügend Leute im Wohnmobil übers Land, manche das ganze Jahr lang.

Augenfällig wird dieser Trend im Telekommunikationsbereich: Wer braucht schon einen Festnetz-Anschluss, wenn alles über das Handy möglich ist? Wer auf mobile Telekommunikation wie z. B. mit einem iPhone 11 Vertrag setzt, ist schließlich überall erreichbar und das Internet ist mit einem satten Datenvolumen auch schon mit drin. Schon in den Neunzigerjahren wurden die digitalen Nomaden vorhergesagt – was heute angesichts schneller Daten-Funknetze möglich ist, wurde damals allenfalls zweifelnd zur Kenntnis genommen.

Angemerkt: Freilich kann man im Wohnmobil sein digitales Unternehmen betreiben – oder was glauben Sie denn, wo dieser Beitrag soeben entstanden ist?

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  • Quelle: TEB | Foto: Peggy_Marco / Peggy und Marco Lachmann-Anke, Pixabay License (Bild beschnitten)
  • Erstellt am 20.03.2021 - 15:22Uhr | Zuletzt geändert am 20.03.2021 - 17:03Uhr
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