Monochromatischer Farbanschlag auf AfD-Bürgerbüro

Monochromatischer Farbanschlag auf AfD-BürgerbüroGörlitz, 10. April 2019. Nicht nur die Scheibe, sondern auch der braune Rahmen, die Hauswand und der Gehweg wurden mit rotbrauner Farbe besudelt, als jemand – vermutlich in der Nacht zum 9. April – mutmaßlich einen Farbbeutel in Richtung des AfD-Bürgerbüros auf der Salomonstraße war. Für eine bunte Gesellschaft steht diese Farbe nicht.
Abbildung: Der Farbfleck am Görlitzer AfD-Bürgerbüro

Ein Kommentar wider die Demagogie

Thema: Parteien, politische Akteure und Wähler

Parteien, politische Akteure und Wähler

Demokratie lebt von Akteuren, die substantiell zu Meinungsvielfalt beitragen, konsensfähig sind und so handeln, dass möglichst viele einbezogen werden und ein allgemein anerkannter Nutzen für die Gesellschaft entsteht, der über das oft genannte "Zeichen setzen" hinausgeht.

Die örtliche AfD moniert nun, dass sich solches bereits zum wiederholten Mal ereignete und vermutet eine politisch motivierte Straftat. Aus ihrer Sicht ordnet sich die Farbattacke "in die Masse der von extremistischen Kräften organisierten Angriffe gegen die Partei" ein. Detlef Lothar Renner, Leiter des Görlitzer AfD-Bürgerbüros sah sich zu markigen Worten veranlasst: "Tätliche Angriffe gegen Personen und Sachen sind erschreckender Weise keine Seltenheit mehr und wir sollten diese feigen Übeltäter und Demokratiefeinde daran erinnern, dass vor 85 Jahren schon einmal mit Gewalt, Diskriminierung und Beleidigung so gegen Andersdenkende vorgegangen wurde."


Kommentar:

Wäre der Farbton nicht so eindeutig, könnte man das, was da an der AfD-Location gelandet ist, glatt als Vogelschiss abtun und die polizeilichen Ermittlungen müssten sich darauf konzentrieren, ob es ein einzelner großer Vogel war oder ob sich viele kleine Vögel zusammengetan haben.

Aber mit der Farbenlehre haben sie es bei der AfD eh nicht so. Zwar wird die Farbe Blau, die für Reinheit, Klarheit und das Himmelszelt steht, für sich reklamiert, aber unter dem AfD-Himmel sammelt sich halt auch die braune Brut, wie es ein Aussiedler nannte, der seine Heimat in Sudetenschlesien, dem früheren Österreichisch Schlesien, in Folge des vom braunen Wahn angezettelten Krieges verlassen musste. Zum braunen Wahn gehört die Einteilung der Menschen in solche, die am Wohlstand teilhaben dürfen, und jene, denen das verwehrt wird, anhand von Kriterien wie Herkunft, Kultur oder Aussehen. Und wie sollte man jemanden charakterisieren, der nach einer von Kriegen gekennzeichneten Menschheitsgeschichte, die in Europa ihren Höhepunkt in den technisierten Kriegen des vergangenen Jahrhunderts fand, Staatsgrenzen wieder stärker zur Geltung bringen möchte?

Der Geistesblitz des AfD-Büroleiters, den großen Farbklecks verallgemeinernd in einen Zusammenhang mit den deutschen Zuständen im Jahr 1934 zu bringen, ist demagogisch: Er reklamiert damit für die AfD die aus dem klassischen Psychodrama bekannte Opferrolle. Das hat die Natur so eingerichtet, dass man mit Opfern grundsätzlich Mitleid hat – allerdings ist das kein Freibrief, die Opferrolle auszunutzen. Auf Leute, dies sich als Opfer ausgeben, um so Hilfe und Unterstützung zu erhalten, fällt regelmäßig herein, wer nur seinen dumpfen Instinkten folgt. Um solche scheinheiligen Opfer zu erkennen und zu enttarnen, braucht es Wissen und Verstand. Das zeichnet den Menschen aus: Sein Großhirn, Sitz vom Wissen und Verstand, ist das einzige natürliche Objekt, das Zukunft vorausberechnen kann. Wer die AfD gutheißen will, sollte in der Lage sein, sich Gedanken darüber zu machen, wo es hinführt, wenn diese Partei an Macht gewinnt.

Die Entwicklung der 2013 gegründeten AfD wird auf Wikipedia nach der Abspaltung des wirtschaftsliberalen Flügels als deutlich nach rechts beschrieben, die Positionen ihrer Mitglieder werden unter anderem als nationalkonservativ, teils fundamentalistisch christlich, wertkonservativ, homophob, antifeministisch, völkisch-nationalistisch, antisemitisch und geschichtsrevisionistisch charakterisiert; erwähnt werden Verbindungen zu neurechten Gruppierungen, beispielsweise der rechtsextremen Identitären Bewegung und der islamfeindlichen Organisation Pegida. Sich vor diesem Hintergrund mit Naziopfern zu vergleichen ist nicht nur dreist, sondern pervers. Oder ist etwa – schlimmer noch – gemeint, die "feigen Übeltäter" sollten sich wie vor 85 Jahren vor Gewalt, Diskriminierung und Beleidigung fürchten?

Bald haben die Bürger die Wahl, wer sie vertreten und wer in Görlitz die Stadtverwaltung führen soll. Wie sagte doch weiland Franz Josef Strauß? "Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben" und schob damit die Republikaner aufs Abstellgleis der Geschichte. Ob sich die Schwesterpartei der CSU genauso klar ausdrücken kann, fragt sich

Ihr Thomas Beier

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  • Quelle: red / Kommentar: Thomas Beier | Bildquelle: AfD Kreisverband Görlitz
  • Zuletzt geändert am 10.04.2019 - 08:28 Uhr
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