Fördermittel gegen Langzeitarbeitslosigkeit fließen auch in Landkreis Görlitz

Fördermittel gegen Langzeitarbeitslosigkeit fließen auch in Landkreis GörlitzLandkreis Görlitz, 21. März 2018. Die IB Mitte gGmbH für Bildung und soziale Dienste mit Sitz in Frankfurt am Main hat gestern einen Förderbescheid für das Vorhaben "TANDEM Sachsen – Landkreis Görlitz" erhalten. Die aus sächsischen Steuermitteln und Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanzierte Zuwendung für die kommenden drei Jahre beträgt rund 650.000 Euro. Damit soll der Projektträger, der in Mitteldeutschland fast 2.000 Mitarbeiter beschäftigt, langzeitarbeitslose Alleinerziehende und Elternpaare, von denen mindestens einer davon betroffen ist, unterstützen.

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Haushalte mit Kindern aus dem Hartz IV-Teufelskreis holen

Haushalte mit Kindern aus dem Hartz IV-Teufelskreis holen

Zur Verfestigung von Langzeitarbeitslosigkeit tragen viele Ursachen bei. Adäquate Beschäftigungsmöglichkeiten wären ein wirkungsvolles Gegenmittel

Bei TANDEM Sachsen steht - anders als in anderen Beschäftigungsprojekten – die gesamte Familie im Fokus. Für deren Probleme und Bedürfnisse soll das Projekt individuelle und passgenaue Lösungswege ermöglichen. Ziel ist es, nach Möglichkeit mindestens eine erwerbsfähige Person pro Bedarfsgemeinschaft in ein nachhaltiges Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln. Gleichzeitig erhalten Kinder und Jugendliche die bestmögliche Familienförderung, insbesondere was ihre Bildungskompetenz anbelangt. Das kann individuelle Lernförderung sein, aber auch Angebote im kreativen, sportlichen oder musischen Bereich sind möglich.

Der sächsische Arbeitsminister Martin Dulig (SPD) erläuterte: "Wir wollen die guten Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt nutzen, um Langzeitarbeitslose gezielter zu unterstützen. Speziell in Familien wächst die Gefahr der 'Vererbung' von Langzeitarbeitslosigkeit auf die Kinder. Diesen Kreislauf wollen wir durchbrechen. Im Unterschied zu anderen Beschäftigungsprojekten steht bei unserem Förderprogramm 'TANDEM Sachsen' deshalb die gesamte Familie im Vordergrund.“

Dazu sollen "Integrierte Beratungsteams" - meist Sozialpädagogen oder Psychologen - die Familien begleiten. "In Kooperation mit den Jobcentern und den Jugendämtern erfolgt so über die Regelangebote hinaus Betreuung aus einer Hand", heißt es in einer Mitteilung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Die IB Mitte gGmbH sei wegen ihrer über 26-jährigen Erfahrung im Bereich der sozialen Arbeit und der beruflichen Bildung ein erfahrener Projektträger im Landkreis Görlitz. Beim Projektträger ist der Zuwendungsbescheid willkommen: "Wir nehmen die Herausforderung an und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern in Jobcenter und Jugendamt", so Ina Thiemann, Leiterin der IB Mitte gGmbH im Landkreis Görlitz.

Jobcenter wählen Projektteilnehmer aus

TANDEM Sachsen richtet sich an Elternpaare und Alleinerziehende, die mit ihren Kindern in einer Bedarfsgemeinschaft leben und somit auf Sozialleistungen angewiesen sind. Die Auswahl der am Projekt teilnehmenden Familien erfolgt über die Mitarbeiter der Jobcenter.

Für TANDEM Sachsen stehen in den kommenden drei Jahren aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und aus Landesmitteln 9,2 Mio. Euro zur Verfügung. Alle Jobcenter, die gemeinsam mit dem zuständigen Jugendamt ihr Interesse bekundet haben, können teilnehmen. Dies sind die Jobcenter der Städte Dresden, Leipzig, Chemnitz und der Landkreise Bautzen, Görlitz, Meißen, Mittelsachsen, Nordsachsen und des Vogtlandkreises.

Die Fördergelder für TANDEM Sachsen werden aus Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes bereitgestellt.


Kommentar:

Für den guten Zweck eine schöne Finanzspritze mit angenehmer Langzeitwirkung für ein Unternehmen der Sozial- und Bildungsindustrie. Der gute Zweck besteht darin, die längst eingetretene Verfestigung der Sozialabhängigkeit in großen Teilen des Hartz IV-Milieus aufzubrechen und damit vor allem Kindern andere Perspektiven zugänglicher zu machen.

Das gelänge wohl am besten mit Arbeitsplätzen, die für Langzeitarbeitslose wirklich geeignet sind. Die schafft der Arbeitsmarkt nämlich nicht im Selbstlauf. Zu befürchten ist allerdings, dass die "integrierten Beratungsteams" auch keine Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose schaffen, allenfalls für Sozialpädagogen oder Psychologen, die dann an den von der Leistungsgesellschaft Ausgespuckten herumdoktern dürfen.

Unbenommen: Sich um Hartz IV-Familien zu kümmern und deren Kindern das Erleben eines Einkommensbeziehers, der arbeitstäglich aus dem Haus geht und ein Einkommen erzielt, von dem er was für seine Familie kaufen kann, ist eine hehre Sache. Die Wurzeln des Übels, die in der mangelnden Integration Langzeitarbeitsloser in Wirtschaftsunternehmen bestehen, dürften jedoch verschont bleiben.

Wo der Hebel wirkungsvoll angesetzt werden kann, dazu hatte der damalige kleine Zittauer FIO e.V. bereits im Jahr 2004 eine unfassende regionale Analyse "Möglichkeiten zur Schaffung von Arbeitsplätzen in Kleinen und Mittelständischen Unternehmen in der Region zwischen Bautzen, Lamenz, Hoyerswerda, Weißwasser, Niesky, Görlitz. Löbau und Zittau unter besonderer Berücksichtigung der Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen und Männen" unter dem etwas drögen Titel "Neue Wege" vorgelegt. Ausgehend von der noch heute verbreiteten "Bedarfsorientierung" wurde hier eine "Entwicklungsorientierung" – schon damals unter Beachtung des Strukturwandels und neuer Tätigkeitsfelder – aufgezeigt, die bei den an der Studie mitwirkenden 92 Unternehmen so großen Anklang fand, dass sich die Mehrzahl von Ihnen zu Neueinstellungen bekannte – und genau das war der Fehler: Weil eine Einstiegsqualifikation nun im Interesse konkreter Unternehmen lag, sollten diese zur Kasse gebeten werden, obwohl anfangs anders zugesagt...

Anyway, Hauptsache, man tut was,

meint Ihr Thomas Beier

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Kommentare Lesermeinungen (1)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Fördermittel

Von Jens am 21.03.2018 - 15:27Uhr
Wieder ein Fall von ergebnisloser Verschwendung von Steuergeldern. Das ist doch nur erfunden worden, damit die "Fördermittel-Junkies" weiterhin bezahlt werden. Es wird kein einziger Arbeitsplatz besetzt geschweige denn geschaffen. Nur die "Projektmitarbeiter" und ihre Freunde (Netzwerker) werden sich bedienen.

Warum werden die Kleinen Unternehmen und Unternehmer nicht gefördert oder mindestens von der kaum zu beherrschenden (und damit abschreckenden) Bürokratie entlastet, dann kann auch wieder mehr Beschäftigung generiert werden. Was bei der Fokussierung auf die Großkonzerne raus kommt, das sieht man ja an SIEMENS und BOMBARDIER, den ist es sch....egal, wo und wie viele Arbeitsplätze wegfallen und erst recht, ob sich jemand darüber aufregt.

Außerdem, warum soll jemand, der sich in Hatz 4 eingerichtet hat, arbeiten gehen, solange er oder sie mit Hatz 4 mehr Geld zur Verfügung hat (Berechnung Bund der Steuerzahler)?

Hier läuft einiges falsch, die, welche arbeiten wollen, die werden maßlos geschröpft, damit die Merkel die Welt retten (alimentieren) kann und die, welche "Null Bock" haben, denen muss ja noch mehr gegeben werden. Wo soll das bloß hinführen?

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  • Quelle: red | Fotografik Schild: geralt / Gerd Altmann, Foto Bewilligung von Leistungen: peter-facebook / Peter Stanic, beide Pixabay und Lizenz CC0 Public Domain
  • Erstellt am 21.03.2018 - 07:03Uhr | Zuletzt geändert am 21.03.2018 - 09:01Uhr
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