Görlitz hat ein Luxusproblem: Die Meridianmarkierung

Görlitz hat ein Luxusproblem: Die MeridianmarkierungGörlitz, 5. Dezember 2013. Von Fritz R. Stänker. In Görlitz ticken die Uhren - geht es um die Zeit - am genauesten, denn die Stadt liegt exakt auf dem 15. Längengrad östlich von Greenwich, der die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) definiert. Der Görlitzer Meridianstein nahe der geschlossenen Stadthalle allerdings täuscht: Moderne Messverfahren lassen den 15. Meridian ungefähr 137 Meter weiter die Neißewiesen unterhalb der Stadthalle Görlitz passieren. Nichtsdestotrotz soll nun durch Spenden - immerhin 20.000 Euro soll der Spaß kosten - der falsche, aber tourismusfreundliche Meridianverlauf dauerhaft mit gravierten Edelstahlschienen und einer Stele markiert werden.

Der "blaue Meridian" soll dauerhaft werden

Der "blaue Meridian" soll dauerhaft werden

Da war sie noch neu: Die Meridianmarkierung auf der Straße zur Stadtbrücke in Görlitz. Foto: www.BeierMedia.de

Vor zwei Jahren war der Verlauf des Meridians, wie er vom Meridianstein markiert wird, auf der Zufahrt zur Stadtbrücke, die Görlitz mit dem östlichen Teil der Europastadt verbindet, mit einer blauen Linie markiert worden. Auch hatte man eine Informationstafel aufgestellt.

Weil nichts für die Ewigkeit ist und Farbe auf der Straße erst recht nicht, hat das Görlitzer Ingenieurbüro Richter + Kaup eine dauerhafte, aber eben auch teure Lösung entwickelt, der - unbeschadet der Kostenfrage - der Görlitzer Stadtrat schon mal zugestimmt hat.

Wer zahlt?

Looks like easy going: Der Stadt Görlitz gehört diese Straße, die Meridianmarkierung könnte, auch wenn sie da nicht hingehört, eingebaut werden. Doch - siehe da - das schlechte Gewissen regt sich und die Stadt will die 20.000 Euro nicht selbst ausgeben, denn der Betrag müsste an anderer Stelle bei freiwilligen Ausgaben eingespart werden.

Was liegt näher, als an den Lokalpatriotismus der Görlitzer zu appellieren? "Um den 15. Meridian weiter in das Bewusstsein der Bevölkerung bringen zu können, würde ich mich freuen, wenn möglichst viele mit einer Spende helfen“, hält Oberbürgermeister Siegfried Deinege seine Hand schützend über das Stadtsäckel.

Herrje, was soll man dazu sagen? Der Meridianstein, im Jahr 1961 zu Ehren des Sowjetoffiziers Juri Alexejewitsch Gagarin (Юрий Алексеевич Гагарин), des ersten Menschen im Weltraum, aufgestellt, ist für viele Görlitzer - ob nun 137 Meter daneben oder nicht - ein Teil der Görlitzer Identität. Wenn viele spenden, sollte der nötige Betrag schnell erreicht sein.

Dass die Stadt ihre Penunze für wichtigere Sachen verwenden will, zeugt von Maßhalten. So ist nur zu wünschen, dass der Betrag durch Spenden zusammenkommt.

Spenden!
Per Überweisung auf Konto Nr. 234905000 bei der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, BLZ: 85050100, Verwendungszweck: 15. Meridian.
Wer eine Spendenbescheinigung braucht, muss seine volle Anschrift beim Verwendungszweck angeben.

Fragen zur Spende?
Manuela Neumann, Sachbearbeiterin im Amt für Stadtfinanzen,
gibt unter Tel. 03581 - 67-1597 oder E-Mail m.neumann@goerlitz.de gern Auskunft.

Nötige Anmerkung:
In die Schienensegmente, die den Meridianverlauf auf der Straße markieren, sollen auch die Namen von Städten eingraviert werden, die auf dem 15. Meridian liegen: Moldata (Schweden), Gudhjem (auf Bornholm in Dänemark), Stargard (Polen), Zgorzelec (Polen), Görlitz (Deutschland), Jindřichův Hradec (Tschechien), Gmünd (Österreich), Catania (Sizilien), Misrata (Libyen), N'Djamena (Tschad) und Kousseri (Kamerun) lautet der Vorschlag.
Für Moldata wäre wohl Mol Data angebracht, für Jindřichův Hradec die in Sachsen übliche Bezeichnung Neuhaus (Jindřichův Hradec), für Misrata der Zusatz (‏مصراتة‎), für N'Djamena der Zusatz (‏نجامينا) und für Kousseri wäre die deutsche Entsprechung Kusseri (Kousseri). Immer schön korrekt bleiben.


Mehr zum "blauen Meridian von Görlitz"
im Görlitzer Anzeiger vom 25. Oktober 2013:

Blauer Meridian

Teilen Teilen
Galerie Galerie
Kommentare Lesermeinungen (3)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Dauerhafte Meridiandarstellung

Von J. D. am 01.06.2014 - 14:25Uhr
Eloxiertes Alu hält zwar länger als ein Farbauftrag, aber nicht ewig, wohingegen Edelstahl doch um ein vielfaches länger hält.

Allerdings ist es fragwürdig, ob für eine Kennzeichnung eines Meridians eine Stele am Straßenrand eine repräsentative Darstellung des "Ereignisses" ist. Einige Meter weiter in grüner Umgebung, in einer Linie mit der Edelstahl-Darstellung auf der Fahrbahn in einer etwas größerer Form als in der Zeitungsabbildung.

Denkbar wäre auch ein kleines Gebäude, wieder in Linie des Meridians, an dem farblich markiert, der Meridian drüber weg läuft, noch einige Meter auf dem Boden entlang, dann auslaufend auf seinem Weg um den Erdball. In dem Häuschen können dann Infos über den Meridian angebracht werden.

Markierung des Meridians

Von Jens Jäschke am 16.12.2013 - 08:32Uhr
Warum sollte diese Stelle denn überhaupt markiert werden?

Es ist doch ausreichend, den Stein als Symbolik des 15. Meridian an der Stelle stehen zu haben oder kommt jetzt als nächstes eine Markierung an der Neiße mit dem Hinweis "Wasser"?

Farblose Meridianmarkierung

Von Lars am 15.12.2013 - 22:56Uhr
Die blaue Linie war sehr schön auf der Straße sichtbar.

Kann mit einer Edelstahlschiene die gleiche Wirkung erzielt werden? Vermutlich nicht.

Warum nicht stattdessen eine Schiene aus farbig eloxiertem Aluminium?

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort
Weitere Artikel
 
  • Quelle: Fritz Rudolph Stänker | Fotos: © www.BeierMedia.de
  • Zuletzt geändert am 04.12.2013 - 20:11 Uhr
  • drucken Seite drucken