Elisabethplatz, quo vadis?

Görlitz, 2. Juni 2013. Von Jens Jäschke. Elisabethplatz, quo vadis? - diese Fragestellung ist nicht nur so in den Raum geworfen, um mal wieder einen Artikel zu schreiben. Nein, man verwundert sich der Tatsache, dass sich immer mehr deutsche Gärtner aus dem Gebiet am Elisabethplatz - der streng genommen Elisabethstraße heißt - zurück ziehen.

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Fritz R. Stänker: Europa will den gemeinsamen Markt

Ich habe mir erlaubt, einem langjährigen Marktverkäufer diese Frage zu stellen. Ich bekam eine einfache und dennoch verblüffende Antwort: "Die vielen polnischen Händler auf diesem Markt machen uns die Preise kaputt. Sie bieten Ihre Waren um mindestens ein Drittel günstiger an, als wie wir es tun.“

Nun gut, dachte ich, gleich mal die nächste Frage stellen: "Warum habt Ihr Euch denn dann nicht angepasst an die polnischen Preise?" Ein verschmitztes und gleichzeitig verärgertes Lächeln überzog das Gesicht der Gärtnerin. Sie sagte, dass man doch einmal schauen sollte, ob die polnischen Marktverkäufer denn auch Ihre Mehrwertsteuer entrichten und wenn, dann wohin. Diese bleibe mit großer Sicherheit nicht in Görlitz, wenn sie denn überhaupt entrichtet werde.

Letzteres ist zwar nur eine nicht bewiesene Vermutung, die es allerdings gilt, von deutschen Behörden geprüft zu werden, so dass auch die deutschen Gärtner wieder eine reelle Chance besitzen, Ihre Waren feilzubieten und sie auch an den Mann zu bekommen. Sollte es das Görlitzer Stadtsäckel nicht mehr nötig haben, Steuern einzunehmen bei der momentanen Schuldenkrise von einem ca. 16-Millionen-Haushaltsloch, wenn die Angaben stimmen, die sich unter der Bevölkerung so breit machen?

Es wäre schade, diesen Markt als eigentlichen Kommunikationspunkt der Görlitzer zu vernachlässigen.

Der Görlitzer Anzeiger informiert:
Das sollte man zur Mehrwertsteuer wissen:


Die Mehrwertsteuer, das ist die Differenz zwischen der Umsatzsteuer, die Unternehmer ab einem gewissen Jahresumsatz erheben müssen, und der von Ihnen geltend gemachten Vorsteuer, ist eine Gemeinschaftssteuer. Von der bekommen der Bund rund 51 Prozent, die Länder etwa 46 Prozent und die Kommunen die restlichen rund 3 Prozent.

Kleinunternehmer (§ 20 UStG) können sich unter bestimmten Bedingungen vom Ausweis der Umsatzsteuer befreien lassen, dürfen dann aber auch keine Vorsteuer geltend machen und führen demzufolge auch keine Mehrwertsteuer an den Fiskus ab. Vermutlich nehmen viele, wenn nicht die meisten der deutschen Anbieter auf dem Görlitzer Wochenmarkt diese Kleinunternehmerregelung in Anspruch.

Führt ein ausländisches Unternehmen in Deutschland Umsätze aus, unterliegen diese Umsätze ebenso wie bei inländischen Unternehmen der Umsatzbesteuerung in Deutschland. Wie auf den Webseiten der Handelskammer Hamburg zu erfahren ist, müssen im Ausland ansässige Unternehmen (die im Inland weder einen Sitz, eine Geschäftsleitung noch eine Zweigniederlassung haben) für Umsätze, die in Deutschland steuerpflichtig sind, die Umsatzsteuer beim deutschen Finanzamt anmelden, die Steuer abführen und eine Steuererklärung abgeben. Hierfür muss sich das Unternehmen beim zuständigen Finanzamt umsatzsteuerlich registrieren.

Für Unternehmer aus der Republik Polen sind zuständig für mit A bis M beginnenden Firmennamen das Finanzamt Oranienburg und für Firmennamen, die mit N bisZ beginnen, das Finanzamt Cottbus.

Die auf den ersten Blick einfache Mehrwertsteuer erweist sich im Detail als eine äußerst komplizierte Materie, weshalb im Einzelfall die Beratung durch einen Steuerberater oder einen anderen zugelassenen Berater unumgänglich scheint.

Kommentar:

Europa bringt nicht nur eitel Sonnenschein, das sollte inzwischen auch dem Letzten klargeworden sein. Wenn polnische Händler ihre Chance nutzen, mit Preisvorteilen auf den deutschen (Wochen)Markt vorzudringen, dann ist das nicht nur normal, sondern auch gewollt.

Wem das suspekt erscheint, der muss sich fragen lassen, ob er beim Vordingen deutscher Discounter in Polen an die polnischen Geschäfte gedacht hat, die dadurch unter wirtschaftlichen Druck geraten sind.

Europa will den gemeinsamen Markt und den damit verbundenen Wettbewerb - mit aller Konsequenz. Das bekommen nicht nur Gärtner und Wochenmarktshändler zu spüren, sondern ganze Branchen.

Sich dagegen zu stemmen macht auch nicht zukunftssicher, ganz im Gegenteil,

denkt Ihr Fritz R. Stänker

Kommentare Lesermeinungen (2)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Vorteil Polen?

Von Jens Jäschke am 03.06.2013 - 12:05Uhr
Nun gut. Bei solch einer Meinung und wenn sich diese dann noch auf alle Branchen entfaltet, braucht der deutsche Hans dann auch nicht mehr zu meckern, weil er keine Arbeit in unseren Breiten bekommt. Denkt man denn noch soweit?

Ach nein, muss man ja gar nicht, man bekommt doch sein Geld vom Staat, ohne Arbeit... bzw. von der Gewerbesteuer und anderen Steuern, die der DEUTSCHE Gewerbetreibende einzahlen muss!

Vorteil Polen

Von Martin Freigeist am 02.06.2013 - 22:39Uhr
Mir erspart es zweimal die Woche den Weg auf den polnischen Markt nach Zgorelec.

Ich kaufte seit Jahren da mein frisches Obst und Gemüse - ist billiger und die Händler sind unterhaltsamer.

Und die Äpfel sind was im Ganzen ... nicht so EU-Norm-Dinger ... da macht das Schälen und Kleinschippeln Spass ... eben 1 Apfel ... nicht 2 oder 3.

Sagt der Grenzgänger Freigeist.

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  • Quelle: jens Jäschke | Foto: Hens Jäschke | red | Kommentar: Fritz R. Stänker
  • Erstellt am 02.06.2013 - 21:20Uhr | Zuletzt geändert am 02.06.2013 - 22:20Uhr
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