Insolvenz bei TELUX – eine Chance

Insolvenz bei TELUX – eine ChanceWeißwasser / Běła Woda, 26. Mai 2012. Die traditionsreiche TELUX-Spezialglas GmbH in Weißwasser hat am 24. Mai 2012 die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. TELUX hatte zuletzt seine Kunden vor allem in der Automobil-Zulieferindustrie. Die Insolvenz soll nicht das Aus bedeuten, denn das Unternehmen will sich in Eigenverwaltung sanieren. Dazu wird eine Restrukturierung ist über ein Insolvenzplanverfahren angestrebt. Ein entsprechender Insolvenzplan für TELUX wird zur Zeit erarbeitet, ein vorläufiger Gläubigerausschuss ist bereits benannt. Der Fachanwalt für Insolvenzrecht Andrew Seidl war bereits am 30. April 2012 zum Sanierungsgeschäftsführer bestellt worden.

Sanierungsgeschäftsführer und Fachanwalt für Insolvenzrecht Andrew Seidl erläutert das bei der TELUX-Insolvenz zur Anwendung kommen sollende Schutzschirmverfahren

Foto: PROFIL PR und Werbeagentur GmbH

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TELUX-Spezialglas GmbH wird im Schutzschirmverfahren restrukturiert

Anwalt Seidl will bei TELUX das neue Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) zur Sanierung im sogenannten Schutzschirmverfahren nutzen. Insgesamt soll es damit gelingen, TELUX als Entwickler und Hersteller von technischen Gläsern für verschiedene Anwendungsbereiche an den technischen Wandel anzupassen.

Eine absehbare Insolvenz

Hier finden sich auch die Ursachen für die Insolvenz, die sich seit einigen Jahren verstärkt haben: So war die Produktion von Röhren für Bildschirme und TV-Geräte eine wichtige Säule des Unternehmens. Dem Wandel hin zu modernen Flachbildschirmen war bereits die Samsung Corning im nahen Tschernitz zum Opfer gefallen. TELUX hingegen hatte versucht, sich mit der Schließung von drei der insgesamt fünf Produktionsbereiche in Weißwasser zu retten. Dabei waren etliche Arbeitsplätze verloren gegangen.

Das zweite wichtige Produktionsstandbein, die Herstellung von Glaskörpern für Beleuchtungselemente in der Automobilindustrie, war seit der Finanzkrise 2008 angeschlagen.

Trotz eingesetzter moderner Technologien in der Glasproduktion wie energieeffizienten Glaswannen ist TELUX auch ein Opfer der eigenen Technologie: Die Schmelzwannen müssen rund um die Uhr beheizt werden, was bei der krisenbedingten sinkenden Nachfrage zu Überproduktion und hohen Fertigwaren-Lagerbeständen führte. Dabei entstanden zu bezahlende Kosten wie beispielsweise für Energie, während die Einnahmen mangels ausreichendem Absatz deutlich zurückgingen – das konnte nun nicht länger vorfinanziert werden. Folge: Auch der vierte Produktionsbereich der ehemals fünf Bereiche musste geschlossen werden.

Die Fördermittelkeule schlägt zurück

Wie viele andere Unternehmen auch hat TELUX Fördermittel der Europäischen Union genutzt. Der Haken daran: Nach EU-Recht müssen zweckgebundene Fördermittel zurückgezahlt werden, wenn die Förderkriterien nicht eingehalten werden. Dazu gehört oft die Schaffung oder der Erhalt von Arbeitsplatzen. Wegen der Absatzeinbrüche konnte TELUX die entsprechenden Dauerarbeits- und Ausbildungsplätze jedoch nicht erhalten. Die zu erwartenden Rückzahlungsforderungen belasten das Unternehmen jetzt zusätzlich in Form einer drohenden Zahlungsunfähigkeit.

Insolvenz rettet zunächst 92 Arbeitsplätze

Mit dem Insolvenzantrag beim Amtsgericht Dresden kann die TELUX-Spezialglas GmbH trotz der momentan schwierigen Lage die seit April 2012 noch 92 Mitarbeiter Festangestellten erst einmal weiter beschäftigen, Kurzarbeit musste nicht angeordnet werden. In einer Betriebsversammlung wurden die Angestellten am 25. Mai 2012 über den Insolvenzantrag und die zu erwartenden Maßnahmen zur Unternehmenssanierung im Schutzschirmverfahren informiert.

Neuer Großkunde steht vor der Tür – was wird mit den Arbeitsplätzen?

Schon einen Tag zuvor Insolvenzanwalt Andrew Seidl Gespräche mit einem möglichen Auftraggeber führen. Die Verhandlung mit dem Großkunden bezog sich auf einen Drei-Jahres-Vertrag, der die Rohrziehanlage zu zwei Dritteln auslasten und 22 zusätzlichen Arbeitsplätze mit sich bringen würde. Für die Stammbelegschaft besteht begründete Hoffnung auf dem Erhalt der Arbeitsplätze. "Ein Personalabbau ist nicht vorgesehen", bestätigt Sanierungsgeschäftsführer Seidl.

An TELUX hängen nicht nur die unmittelbaren Arbeitnehmer, der Entwicklungs- und Produktionsbetrieb ist im strukturschwachen Weißwasser von immenser Bedeutung. Zusätzlich hat Seidl die Interessen der Gläubiger im Blick, wenn er mit der Sächsischen Aufbaubank - als Förderbank Ansprechpartner für die gewährten EU-Fördermittel - intensive Gespräche intensive Gespräche führt, um die Förderkriterien an die geänderten wirtschaftlichen Verhältnisse anzupassen.

Ziel des Restrukturierungsprozesses ist es, mit der TELUX-Spezialglas GmbH die traditionsreiche und hochqualitative Glasproduktion in Weißwasser zu erhalten.


Kommentar:

Ein konsequenter Schnitt kann den Organismus retten, weiß jeder Chirurg. Bei TELUX allerdings gibt es nicht mehr viel abzuschneiden.

Sanierungsgeschäftsführer und Insolvenzanwalt Andrew Seidl ist deshalb auf dem richtigen Trip, wenn er vier wesentliche Stoßrichtungen verfolgt:
  1. Sichern, was ist – den Mitarbeiterstamm und die Kerntechnologie halten.
  2. Partnerschaftlich agieren – die Lieferanten und Dienstleister als Gläubiger zu Prozesspartnern machen, indem er ihre Interessen beachtet.
  3. Unheil abwenden – mit der Förderbank kooperieren, um Fördermittel-Rückzahlungen zu vermeiden.
  4. Zukunft sichern – neue Großkunden gewinnen.

All das ist berechtigt und hat Aussicht auf Erfolg, weil der Organismus – die Substanz – von TELUX gesund ist.

Mit Konsequenz und ´nem kleinen bisschen Glück schreiben TELUX und der erfahrene Seidl soeben ein dramatisches Kapitel Firmengeschichte, das noch lange kein Schlusswort ist,

meint Ihr Thomas Beier


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Mit dem RPA-Verfahren gelingt es erfahrenen Beratern, sehr schnell Verbesserungspotenziale aufzudecken. Das schlägt sich dann auch betriebswirtschaftlich nieder.

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  • Quelle: red | Foto: PROFIL PR und Werbeagentur GmbH
  • Erstellt am 26.05.2012 - 08:28Uhr | Zuletzt geändert am 05.06.2020 - 15:42Uhr
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