Städtepartnerschaften als Chance für den Tourismus

Berlin. Über 100 Teilnehmer waren der Einladung des Beauftragten der Bundesregierung für Tourismus, Ernst Hinsken MdB, zu dem Kongress "Internationale Städtepartnerschaften - unentdecktes Potenzial für den Tourismus" am 24. Novembe 2008 in das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefolgt. "Städtepartnerschaften dürfen nicht nur lokal gelebt werden und müssen noch stärker die örtliche Tourismuswirtschaft und deren Mitarbeiter einbeziehen. Zudem müssen wir stets aufs Neue nach Möglichkeiten für die Belebung des inländischen und ausländischen Tourismus suchen", forderte der Tourismusbeauftragte die Kongressteilnehmer auf. Dies sei in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten wichtiger denn je.

Verborgene Potenziale nutzen

Vor dem Hintergrund, dass es zwischen Deutschland und Frankreich wie auch Italien je mehr als 2.000 Städtepartnerschaften gibt, spannte der Botschafter Italiens, Antonio Puri Purini, als renommiertester ausländischer Gast den Bogen zu einer gemeinsamen europäischen Öffentlichkeit, die zum Nutzen Europas weiterentwickelt werden müsse. Gerade der Austausch und das Kennen lernen der Menschen untereinander sei wichtig, angefangen vom Schüleraustausch bis zum Alter. Das seien besondere Chancen gerade für diejenigen Städte und Gemeinden, die nicht so stark im Fokus des Tourismus stünden. Hier seien Städtepartnerschaften ein wichtiger Türöffner.

Von konkreten Erfahrungen berichteten hochrangige Kommunalvertreter. So wies Oberbürgermeister Dr. Siegfried Balleis aus Erlangen auf die Aktivitäten des großen Regionalverbunds der "Europäischen Metropolenregion Nürnberg-Erlangen" hin, die neben dem Tourismus auch Kooperationen im Wissenschafts- und Kulturbereich umfassen. Der Oberbürgermeister von Frankfurt/Oder, Martin Patzelt, stellte heraus, wie eine eher kleine und finanzschwache Stadt wie Frankfurt/Oder zusammen mit der ehemaligen Dammvorstadt (heute Slubice/Polen) die gemeinsamen Städtepartnerschaften als wichtigen Brückenkopf in die ganze Welt nutzt, um die Stadt überhaupt erst bekannt zu machen.

Düsseldorf präsentierte sich dagegen selbstbewusst als Weltstadt am Rhein und Landeshauptstadt, die auf vielfältige wirtschaftliche Kooperationen zurückgreifen kann und stellte besonders die Kooperationen im Messebereich und die zahlreichen Unternehmenskontakte heraus, die zum Beispiel zur Ansiedlung von rund 500 japanischen Firmen in Düsseldorf geführt haben.

Bremen und Breslau (Wrocław) hoben die Bedeutung einer guten verkehrlichen Anbindung und Erreichbarkeit für den Ausbau von Partnerschaften hervor. Der Vizepräsident des Deutschen Tourismusverbandes, Peter Siemering, stellte fest, dass das Angebot der Billigflieger die Kontakte beflügelt habe.

Bürgermeister Manfred Krä berichtete wie die kleine niederbayerische Gemeinde Aiterhofen unter großem persönlichen und auch finanziellen Engagement Einzelner, über Familien- und Vereinsaustausch eine lebendige Partnerschaft mit dem italienischen Montefino pflegt.

Des weiteren standen thematische Kooperationsformen des Städtetourismus im Mittelpunkt. Bgm. Herbert Hofauer aus Altötting berichtete von der wachsenden Bedeutung des Religions- und Pilgertourismus. Die Sinnsuche sei gerade in der schnelllebigen Zeit der Globalisierung ein wachsendes Bedürfnis der Menschen. Die berühmtesten europäischen Wallfahrtsorte Altötting, Loreto, Tschenstochau, Lourdes, Fatima und Mariazell haben sich daher unter dem englischen Begriff "Shrines of Europe" zusammen geschlossen und bewerben sich gegenseitig.

Unter der ebenfalls englischen Überschrift "Stars of Central Europe" vermarkten sich einige großen Städte aus Zentral- und Osteuropa speziell für den US-amerikanischen Markt. Dazu gehören Dresden, München, Salzburg, Wien, Prag (Praha), Budapest, Pressburg (Bratislava) und Warschau (Warszawa). Yvonne Coulin aus Dresden berichtete von der strategischen Ausrichtung dieses gebündelten Marktauftritts, der Synergien schafft und neue touristische Produkte ermöglicht. Touristische Städtekooperationen, die es im Inland wie auch grenzüberschreitend gibt, finden die nachhaltige Unterstützung der Deutschen Zentrale für Tourismus, wie deren Vorstandsvorsitzende, Petra Hedorfer, versicherte.

Für die Willy-Scharnow-Stiftung für Touristik veranschaulichte Geschäftsführer Walter Krombach die Nachhaltigkeit und die Realisierungsschritte einer Idee aus der ersten Konferenz zum Thema vor einem Jahr. Die Stadt Halle hat mit ihren Partnerstädten inzwischen die örtlichen Reiseveranstalter mobilisiert und erste Individualreisen im Angebot. Ein Beispiel, das weiter Schule machen kann.

"Vielseitigkeit war heute Trumpf beim Erfahrungsaustausch auf hohem Niveau", stellte Hinsken zusammenfassend fest und sprach die Erwartung aus, dass es in der Folge noch besser gelingen wird, die verborgenen Potenziale und ungenutzten Chancen der mehr als 15.000 formalisierten Städtepartnerschaften und der gelebten Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Regionen für die touristische Entwicklung zu nutzen.

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  • Quelle: /red
  • Zuletzt geändert am 27.11.2008 - 09:13 Uhr
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