Görlitzer Wochenmarkt braucht mehr Qualität

Görlitzer Wochenmarkt braucht mehr QualitätGörlitz, 7. März 2022. Nach einem Bericht der Deutschen Marktgilde schrillen bei der Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne die Alarmglocken. Vor dem Görlitzer Stadtrat hatte Katrin Schiel, zuständige Vertreterin für Görlitz, erklärt, dass die Händler unzufrieden seien wegen der hohen Standgebühren, die deutlich teurer sind als in Dresden und weiteren unattraktiven Bedingungen wie dem langen Weg zur Toilette im City Center. Die Deutsche Marktgilde ist als Pächterin seit rund einem Jahr für den Wochenmarkt zuständig.

Abb.: Profiliert als Lebensmittelmarkt ist der Görlitzer Wochenmarkt nicht. Wie wie auch, wenn die Nachfrage seitens der Händlerschaft fehlt?

Archivbild: Foto: © BeierMedia.de

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Wie kann es besser werden?

Infolge der zweijährigen Corona-Krise hätten viele Händler aufgegeben. Die verbleibenden Akteure streben auf Märkte mit höherem Potential und kehren Görlitz teilweise den Rücken. So konnten im vergangenen Jahr auch kaum langfristige Standverträge abgeschlossen werden. Nur rund zehn Prozent von rund 70 "Stammhändlern" haben einen festen Vertrag.

Daraufhin erklärte Andreas Kolley von der Stadtbewegung Motor Görlitz: "Der Wochenmarkt benötigt mehr Aufmerksamkeit vom Stadtrat." Jedenfalls möchte die Stadtratsfraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne nicht tatenlos zuschauen, wie der Markt zusehends unattraktiver wird. "Die Deutsche Marktgilde kannte die Rahmenbedingungen, als sie sich auf die Betreibung des Wochenmarktes bewarb. Jetzt weniger Markttage und eine geringere Pacht zu fordern, ist unredlich. Die Händler zahlen mehr als unter dem ehemaligen Pächter Francois Fritz, obwohl die Marktgilde bis Mitte Juli 2021 einen coronabedingten Nachlass von 37 Prozent bei der Pacht erhielt. Diese Kostenminderung wurde nicht an die Händler weitergereicht in Form von günstigeren Standgebühren", moniert Motor Görlitz in einer Mitteilung.

Der Stadtrat sollte sich intensiver mit dem Thema beschäftigen, zumal nun eine Sanierung des oberen Elisabethplatzes in greifbare Nähe rückt, regt Andreas Kolley an. Er meint: "Die Marktgilde ist noch zwei Jahre Pächter. Wir sollten diese Zeit nutzen und langfristig planen: Wie gestalten wir den oberen Elisabethplatz? Wohin weicht in der Bauphase der Wochenmarkt aus? Wie können wir Marktgilde und Händler dabei unterstützen, dass der Wochenmarkt attraktiv, vielfältig und gut besucht wird? Und wollen wir mit diesem Vertragspartner auch über die drei Jahre hinaus zusammenarbeiten? In einem ersten Schritt wäre es sinnvoll, sich ein Stimmungsbild der Händler einzuholen."

Positiv wertet die Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne erste Ideen der Marktgilde, die neuen Schwung auf den Markt bringen sollen. So könnte es an einem festen Wochentag einen Markt bis in die Abendstunden geben. Inklusive Bierausschank und Live-Musik. "Solche Ideen sollten aber zunächst mit den Händlern besprochen werden", so Kolley. Allerdings teilt die Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne der Idee, beim Abendmarkt regionale Künstler ohne Gage auftreten zu lassen, eine klare Absage: "Kunst und Kultur sind nicht kostenlos zu haben. Eine Elektrofirma, die die Stromkästen repariert, wird schließlich auch anständig bezahlt", verdeutlicht Kolley.

Eine gute Zukunft des Wochenmarktes funktioniert aus Sicht der Fraktion nur, wenn es zu einem Miteinander der Akteure auf Augenhöhe kommt. Das beste Beispiel hierfür sei die mit privatem Engagement organisierte Naschallee, die seit 2014 das Marktgeschehen spürbar belebt.


Kommentar:

Gute Rahmenbedingungen für die Händler und die Besucher des Wochenmarktes in Görlitz sind zweifelsohne wichtig, doch des Pudels Kern ist ein anderer: Er liegt bei den Händlerinnen und Händlern selbst.

Die Wochenmarktbesucher dürfen erwarten, dass der Besuch dort ein angenehmes Erlebnis wird, die Anbieter ihren Job mit Freude machen und ein fröhliches oder wenigstens gutes Wort für ihre Kunden haben. Mal ehrlich: Wenn ich mein Grünzeug im Supermarkt hole, entgehe ich wenigstens dem Griesgram, der mir vermittelt, was es doch für eine Belastung ist, auf dem Wochenmarkt zu stehen. Selbstredend gibt es Ausnahmen, Fakt aber ist: Es gibt woanders Wochenmärkte, wo es fröhlicher und angenehmer zugeht, die Waren mit viel Aufwand ansprechender präsentiert werden und infolge der Euro deutlich lockerer sitzt. Das hat absolut nichts mit dem Marktpächter oder der Meterzahl bis zu den Toiletten zu tun.

"Da kommen immer die Fremden und wollen was, was es bei uns nicht gibt" – wo anders als in Görlitz ist dieser selbst erlebte Hinweis denkbar? Das Problem ist, dass man kundenfreundliches Verhalten nur dann ausbauen kann, wenn seitens der Händler und ihrer Angestellten überhaupt aufrichtiges Interesse daran besteht. Hinfahren, den Stand aufbauen und darauf warten, dass jemand kommt, der was will, reicht eben nicht. Ebenso dürfte es wenig nützen, den Wochenmarkt zur Kulisse für einen Bierausschank zu nutzen – und Künstler auszubeuten, da hat Motor Görlitz/Bündnisgrüne völlig recht, das geht gar nicht.

Es ist schon so, jegliches Drumherum macht den Markt nicht attraktiver, das muss schon aus der Händlerschaft selbst kommen. Der Marktpächter selbst hat dann eine steuernde Funktion und kann den Angebotsmix Schritt für Schritt verbessern. Doch davon ist der Wochenmarkt in Görlitz noch weit entfernt, meint

Ihr Thomas Beier

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  • Quelle: red / Kommentar: Thomas Beier | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 07.03.2022 - 08:58Uhr | Zuletzt geändert am 07.03.2022 - 09:58Uhr
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