Kann man feinste Backwaren 3D drucken lassen?

Kann man feinste Backwaren 3D drucken lassen?Görlitz, 4. Januar 2020. Sachsen, das Land der Erfinder, gilt das noch? Schon, allerdings können Traditionen wie eine Bremse wirken. So kommt die Idee, Formen für die Pâtisserie zu drucken, eben nicht aus dem sächsischen Bäcker- und Konditorhandwerk, sondern aus der Ukraine. Dort macht Dinara Kasko (Динара Касько) mit ihrer "Konditoreikunst" vor, wie man im Internetzeitalter weltweit Abnehmer für ein großes Sortiment unterschiedlicher Angebote rund um die Confiserie findet. In München hingegen ist es der Konditormeister und Chocolatier Benedikt Daschner, der Schokolade sogar direkt in 3D druckt.

Abbildung: Backen zu Hause macht Spaß, doch in die Profiwelt der exzellenten Feinbäckerei- und Konditorwaren zieht die 3D Drucktechnik ein

Symbolfoto: congerdesign, Pixabay License / Autorenlizenz: Creative Commons CC0

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Wie der 3D Druck Einzug in der Konditorei hält

Bei der Verwendung von 3D Drucktechniken kommt zunächst wahrscheinlich niemand auf die Idee, an eine Bäckerei zu denken. 3D Drucken ist so wie das CNC Fräsen eine Technologie, die man in der Produktion von Teilen aus Metall oder Kunststoff vermuten würde. Doch es ist bereits heute möglich, mit einem 3D Drucker feinste Schokoladenprodukte herzustellen. Wie diese Technik Realität wurde und was aktuell machbar ist, zeigen zwei Beispiele.

Eine ukrainische Konditormeisterin mit ausgefeilter 3D Drucktechnik

Nicht die Zutaten, sondern die Geräte, mit denen Dinara Kasko, studierte Architektin und Designerin, ihre Torten herstellt, sind gewöhnungsbedürftig. Neben klassischen Backwaren wie Schokolade und Teig verwendet die Meisterin mit Hang zur Zukunftstechnologie einen 3D Drucker und mathematische Algorithmen zur Produktion ihrer Torten.

Mit Unterstützung anderer Konditoren und dem Know-how von Ingenieuren werden so ganz spezielle Torten erschaffen. Diese Kunstwerke beeindrucken nicht nur durch hervorragenden Geschmack, sondern – im Konditorwesen entscheidend wichtig – durch ihr Erscheinungsbild. Die aufwendigen geometrischen Formen, die sich mit 3D drucken lassen, kann kaum ein Bäcker im traditionellen Handwerk so erschaffen. Doch wie ist es möglich, diese Kunstwerke mit Hilfe des 3D Druckers herzustellen?

3D gedruckte Formen als Schlüssel zum Erfolg

Aktuellste Modellierungssoftware, die genutzt wird, um die geplanten Strukturen der Torten zu simulieren, ist für den Erfolg genauso wichtig wie die Backform, die mit einem 3D Drucker hergestellt wird. Weitere Zutaten sind physikalische Kenntnisse der Schwerkraft, besondere Materialeigenschaften und vor allem die richtigen Zutaten für den Geschmack. In diesem Zusammenhang werden nur die erlesensten Backwaren verwendet. Das Ergebnis sind Erfolge bei Backwettbewerben sowie Veröffentlichungen auf den Titelseiten diverser Magazine.

Feinste Schokolade aus dem 3D Drucker des Konditormeisters

Der Münchner Chocolatier Benedikt Daschner kann feinste Schokolade 3D drucken lassen. Dies ist bemerkenswert, da ihm dieses Kunststück ohne die Verwendung störender Zusatzstoffe gelingt. Das Technikmagazin CHIP nahm dies zum Anlass, sich das Verfahren genauer anzusehen, an dem der Konditor seit dem Beginn des Jahres 2018 arbeitet. Mit Hilfe der Technik des CNC Fräsens gelang es dem Konditormeister gemeinsam mit Technikern den "Chocolatehoch3"-Drucker ins Leben zu rufen. In das Projekt hat Daschner bisher rund 60.000 Euro investiert.

Ausgangspunkt war, dass der heutige Konditormeister bereits in seiner Jugend ein Technikfreak war und eigentlich Physik studieren wollte. Doch nach Abbruch seines Studiums zog es den Münchner nach Zürich, um dort das Konditorhandwerk zu erlernen. Die Verbindung zwischen Technik und Konditorei vereinigt sich nun im 3D Drucker für feinste Schokoladenkreationen.

Wie funktioniert der 3D Drucker für Schokolade?

Äußerlich sieht der 3D Drucker wie ein Laserdrucker aus. Für den Druckauftrag wird eine Vektorgrafik erstellt, die an ein angeschlossenes Tablett geschickt wird. Die zuvor erhitzte Schokolade wird in ein Spritzgehäuse eingefüllt und in den Drucker eingerastet. Über das Tablett wird der Druckvorgang gestartet und die dünne Nadel im Drucker verteilt die Schokolade wie im Programm festgelegt. Dieser Vorgang wiederholt sich so lange Schritt für Schritt, bis das fertige Produkt aus dem Drucker entnommen werden kann. Noch sind die Produktionskosten recht hoch, doch es gibt bereits Nachfrage von Kollegen aus der Branche.


Kommentar:

Innovationen sind gefragt, doch so mancher Möchtegern-Innovator verharrt in Stadium der Ideensuche – und selbst eine gute Idee ist noch keine Innovation, so lange sie nicht realisiert und vermarktet ist.

Wer innovieren möchte, für den ist es hilfreich, Hermann Hesses Glasperlenspiel zu ergründen. Wer das wenigstens ansatzweise versteht, dem fällt es leichter, Technologien auf völlig neue Anwendungsbereiche zu übertragen – einfacher gesagt: Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern um immer wieder neue Anwendungen dafür.

Der 3D Druck ist so eine Technologie, die regelrecht nach neuen Anwendungsgebieten schreit. Gerade in abgelegeneren, sogenannten strukturschwachen Regionen wie dem Landkreis Görlitz sind Anwendungen denkbar, weil die nötige Infrastruktur mit dem schnellen Internet rasant an immer mehr Orten verfügbar ist.

In der gegebenen Situation genau jetzt das Machbare machen, so bringt man Entwicklung vorwärts,

meint Ihr Thomas Beier

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  • Quelle: red/TEB | Kommentar: Thomas Beier
  • Erstellt am 04.01.2020 - 08:44Uhr | Zuletzt geändert am 05.01.2020 - 05:25Uhr
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